Full text : Wie Deutschland seine Schulden bezahlen kann!

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Kapital  von  900000  M.  mindestens  5  Prozent,  d.  h.  also  45000  M.,
oder,  menn  du  dieses  Geld  industriell  anlegst,  vielleicht  noch  mehr
verdienen  kannst."
Kann  man  sich  aber  dennoch  nicht  zu  der  Erkenntnis  durchringen, ­
  daß  es  im  Interesse  der  ganzen  Volkswirtschaft  liegt,  den
unverbrauchten  Teil  der  großen  Einkommen  steuersrei  zu  lassen,  so
gibt  es  noch  den  einen  Ausweg,  den  ganzen  Gewinn  mit  20  Prozent
Einkommensteuer  zu  belasten,  dem  Unternehmer  sein  Betriebskapital
aber  dadurch  zu  erhalten,  daß  er  für  den  Teil  der  Steuersumme,  die
aus  den  unverbrauchten  Gewinn  errechnet  ist,  Staatsanleihe  gratis
erhält.  Er  kann  diese  dann  im  Notfälle  bei  einer  Bank  diskontieren,
und  die  im  Interesse  der  ganzen  Volkswirtschaft  notwendige  Flüssigkeit ­
  seines  Unternehmens  bleibt  wenigstens  erhalten.
Wird  nun  die  Einkommensteuer  —  das  ist  die  Frage,  die  vom
Standpunkt  der  Finanzwirtschast  und  der  Praxis  gestellt  werden
muß  —  viel  einbringen?  Diese  Frage  dürfte  mit  gutem  Gewissen
und  aller  Voraussicht  nach  zu  bejahen  sein,  und  zwar  aus  folgenden
Gründen:  Erstens  gibt  es  in  Deutschland  heute  zahllose  Leute,  die
mehr  als  25000  M.  jährlich  verdienen,  und  zweitens  ist  der  Steuersatz ­
  bis  zu  20  Prozent  schon  eine  Gewähr  für  einen  reichen  Steuerertrag. ­
  Bei  dieser  Gelegenheit  möchte  ich  noch  auf  eine  Tatsache
aufmerksam  machen,  die  mir  besonderer  Beachtung  wert  zu  sein  scheint:
Es  ist  schwierig,  dafür  zu  sorgen,  daß  überseeische,  in  unserem  Lande
arbeitende  Firmen  zu  einer  korrekten  Geschäftsführung  gezwungen
werden.  Es  ist  schon  in  Friedenszeiten  häufig  passiert,  daß  die
überseeischen  Stammhäuser  enorme  Gewinne  erzielten,  dagegen  die
hiesigen  Tochterfirmen  niemals  einen  steuerlich  erfaßbaren  Gewinn
aufwiesen.  Mein  Vorschlag,  von  dem  Gewinn  nur  diejenige  Summe
zu  versteuern,  die  verbraucht  ist,  würde  hier  nun  besonders  heilsam
wirken,  da  die  betreffenden  Firmen  dann  ein  Interesse  daran  haben,
umgekehrt  überschüssige  Gewinne  in  unserem  Lande  zu  investieren,
um  damit  der  überseeischen  Steuergesetzgebung  zu  entgehen.  —  Das
zweite  steuerliche  Moment  der  Finanzwirtschaft,  die  Beweglichkeit  der
Steuer,  ist  bei  der  Einkommensteuer  auch  vorhanden:  Man  kann  bei
erhöhtem  Staatsbedarf  den  Steuersatz  erhöhen,  natürlich  immer  nur
so  weit,  daß  die  Steuer  den  Vermögensstamm  nicht  angreift  und
damit  zu  einer  volkswirtschaftlich  wie  finanzpolitisch  gleich  schädlichen
Konfiskationssteuer  wird.
            
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