Die Auflösung des metaphysischen Substanzbegriffs. 469
Verstand unendlich viele Realitäten und Beziehungen, die er in-
des nicht direkt, sondern mittelbar auf Grund der Daten er-
fasst, die.ihm durch die Sinne, oder durch seine eigenen Begriffe,
wie Substanz und Qualität, Ursache und Wirkung geboten werden.)
Bleiben wir uns dieser Einschränkung bewusst, begreifen wir so-
mit, dass es sich nur darum handeln kann, die Erscheinungen
und ihre Verhältnisse kennen 7u lernen, so bietet die Frage der
Unterscheidung des denkenden vom körperlichem Sein keine ernst-
liche Schwierigkeit mehr. Was uns hier wahrhaft gegeben ist,
sind lediglich die äusseren Beschaffenheiten und „Accidentien“,
die sich von selbst in zwei streng geschiedene Gruppen zerlegen:
in Inhalte, die der räumlichen Auschauung: zugehören und somit
mannigfacher Gestalten und Bewegungen fähig sind und in andere,
die von dieser Bestimmung ausgeschlossen, sich lediglich auf das
denkende „Ich“, als dessen Zustände und Beschaffenheiten, zurück-
beziehen. In diesem Sinne können wir innerhalb der Phae-
nomene selbst von einem grundlegenden Gegensatz sprechen:
„denn was hat ein Gedanke mit einem Würfel oder Dreieck, was
mit Länge, Breite oder Tiefe zu tun?“®)
Versuchen wir indes, hinter diese Grundtatsache zurück-
zugehen, versuchen wir den Widerstreit in einer höheren Ein-
heit aufzuheben oder ihn aus metaphysischen Gründen zu er-
klären, so verwickeln wir uns alsbald in unlösbare Schwierig-
keiten. „Sobald wir weiter fortschreiten und uns bemühen, in
die eigeniliche Natur der Materie, wie in die des Geistes
und der Bewegung einzudringen, so geraten wir, da wir
hier keinerlei Sinn mehr besitzen, der uns leiten könnte, sogleich
in Verlegenheit. Unsere Nachforschung nach diesen Dingen,
soweit ihre eigentliche Wesenheit in Betracht kommt, muss,
wie bei allen andern Fragen, die gänzlich ausserhalb unseres
Gesichtskreises liegen, alsbald zum Stillstand kommen“. „Was die
Materie, was der Geist, ja was die Bewegung ihrer eigenen, posi-
tiven Realität nach ist, ist schwer zu begreifen. Weder lässt sich be-
weisen, dass es — wie Einige wollen — nur eine Substanz im Uni-
versum gibt, und dass Materie und Denken nur verschiedene Be-
schaffenheiten von ihr sind, noch auch, dass der Stoff, seiner
inneren Natur nach, ein lebendiges, kraftbegabtes Etwas ist und
dass die verschiedenen Grade des Lebens. die man bei den