Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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Vater  den  Braten  zu  riechen  und  tiefes  Mißtrauen  erfaßte  rhu  gegen  die
Ehrlichkeit  feines  Kompagnons.  Aber  was  sollte  er  machen?  Das  Messer
saß  ihm  an  der  Kehle,  Beweise  für  einen  Betrug  hatte  er  nicht  und  so
mußte  er,  der  Not  gehorchend,  unterschreiben.  .
Er  stand  nun  wieder  vollkommen  mittellos  da  und  mußte  froh  setn,
bei  einem  großen  Werk  einen  Posten  zu  erhalten,  der  noch  schlechter  bezahlt
war  als  der,  den  er  einst  innegehabt  hatte.
Bei  Herrn  Fuchs  aber  trug  sich  ein  Wunder  zu.  Kaum  hatte  der  das
Patent  allein  im  Besitz,  als  das  Verfahren  plötzlich  viel  besser  wurde.  Die
Ware  war  nun  nicht  mehr  fleckig  und  ließ  sich  auch  ganz  gut  färben.  Wie
das  zuging,  das  konnte  niemand  je  ergründen.  Meinem  Vater,  der  ihm
einmal  Vorhaltungen  zu  machen  versuchte,  entgegnete  Herr  Fuchs  ganz
ruhig,  er  bedaure,  daß  gerade  mein  Vater  auf  diese  »unliebsame«  Geschrchte
zu  sprechen  komme.  So  sei  er  genötigt,  offen  zu  sagen,  daß  es  meinem
Vater  der  ja  gewiß  ein  guter  Theoretiker  sei,  an  der  praktischen  Begabung
offenbar  fehle.  Erst  als  er  fort  war,  habe  der  Werkführer,  den  mein  Vater
nie  habe  zur  Geltung  kommen  lassen  wollen,  einige  Verbesserungen  angebracht, ­
  die  nun  den  Erfolg  herbeigeführt  hätten.  „  t
Es  wäre  ja  möglich,  daß  sich  das  von  meinem  Vater  erfundene  Verfahren ­
  erst  nach  längeren  Versuchen  wirklich  praktisch  gestalten  ließ.  Das
kommt  bei  neuen  Erfindungen  oft  genug  vor  und  daran  ist  schon  mancher
Erfinder  zugrunde  gegangen,  aber  gerade  in  diesem  Falle  kann  ich  einen
ganz  bestimmten  Verdacht  nicht  loswerden,  den  schon  mein  Vater  ausgesprochen ­
  hat.  Gegen  diesen  Werkführer,  den  Herr  Fuchs  selbst  angestellt
hatte,  war  mein  Vater  stets  mißtrauisch  gewesen.  Er  hatte  wrederholt  bemerkt, ­
  daß  dieser  schlechte  Felle  und  minderwertige  Farbmtttel  verwendete.
Damals  hatte  Vater  geglaubt,  daß  diese  Verfehlungen  auf  Unwrssenhett
oder  Ungeschicklichkeit  des  Mannes  zurückzuführen  seien.  Und  nun  erfaßte
ihn  der  Argwohn,  daß  das  ein  mit  dem  Chef  abgekartetes  Spiel  gewesen
war,  um  meinen  Vater  um  die  Früchte  seiner  geistigen  Arbeit  zu  prellen.
Wie  dem  immer  war,  der  Betrieb  des  Herrn  Fuchs  wurde  bald  ganz
nach  dem  neuen  Verfahren  eingerichtet  und  heute  ist  dieser  Ehrenmann  ein
vielfacher  Millionär,  dessen  Automobil  mit  Straßenkot  den  Sohn  des
Mannes  überschüttet,  der  seinen  Reichtum  in  Wirklichkeit  geschaffen  hat  und
selbst  in  Dürftigkeit  und  Kummer  zugrunde  ging."

Der  Ursprung  des  Proletariats.
„Wo  Tauben  sind,  fliegen  Tauben,  zu,"  sagte  Karl,  als  ich  geendet
hatte,  ,-das  sieht  man  da,  wieder.  Wenn  einer  Geld  hat,  dann  wird  es  schon
von  selber  mehr.  Wenn  aber  einer  keines  hat,  dann  geht  es  ihm  wie  meinem
Großvater  oder  deinem  Vater.  Mein  Großvater  war  ein  tüchtiger  Tischler,
dein  Vater  ein  guter  Chemiker;  und  wer  hatte  den  Vorteil  davon?  Beidemal ­
  ein  Kerl,  der  Geld  hatte  und  ein  weites  Gewissen.  Viel  Tüchtigkeit,
Fleiß  oder  Talent  hat  dazu  wirklich  nicht  gehört."
„Das  mag  ja  sein,"  erwiderte  Wilhelm  nachdenklich,  „daß  nicht  viel
dazu  gehört,  sein  Vermögen  zu  vergrößern,  wenn  schon  einmal  eines  da  ist.
Gar  so  sehr  imponiert  mir,  offen  gestanden,  mein  Herr  Chef  auch  nicht.
Aber  damit  einmal  ein  Vermögen  zusammenkommt,  dazu  bedarf  es  doch
            
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