Full text : Die Frau als kaufmännische Angestellte im Handelsgewerbe

26

Die  Beteiligung  des  Mittelstandes  ist  nicht  wesentlich  verschieden*
da  die  Töchter  dieser  Kreise  jetzt  wohl  regelmäßig  einen  Erwerb  ergreifen ­
  und  gern  kaufmännisch  tätig  sind,  weil  die  Ausbildung  leider
vielfach  noch  auf  ein  Minimum  an  Zeit  und  Kosten  herabgedriickt
werden  kann,  und  die  Möglichkeit,  schnell  zu  Brot  zu  kommen,  immernoch ­
  aussichtsreich  ist.  Die  Beteiligung  der  Arbeiterbevölkerung  ist
beim  Kontorpersonal  recht  wesentlich  gestiegen,  beim  Verkaufspersonal
etwas  gefallen.  Für  die  von  den  Berliner  Ergebnissen  abweichende
Tatsache,  daß  Arbeitertöchter  verhältnismäßig  nicht  mehr  so  zahlreich
Beschäftigung  im  Kontor  suchen,  lassen  sich  mehrere  Gründe  anführen. ­
  Besonders  in  den  Großstädten  bevorzugt  selbst  die  Arbeitertochter ­
  die  Kontortätigkeit  gegenüber  der  Beschäftigung  als  Ladnerin.
In  den  Provinzstädten  wird  der  Verkauf  auch  noth  weit  mehr  als  in
Berlin  von  Angehörigen  des  Ladeninhabers  besorgt,  so  daß  ein  starker
bürgerlicher  Einschlag  entsteht.  Außerdem  machte  sich  in  den  letzten
Jahren  eine  Bewegung  geltend,  wieder  gebildetere  Kräfte  zum  Verkehr ­
  mit  der  Kundschaft  zu  verwenden,  und  da  ein  starkes  Bedürfnis
nach  Frauenerwerb  bestand,  so  wurde  dieser  Hinweis  vielfach  befolgt. ­
  Vor  allem  findet  aber  ein  großer  Teil  der  weiblichen  Arbeiterjugend ­
  in  Klein-  und  Mittelstädten  auch  weiterhin  Unterkommen  als
Hauspersonal  oder  als  Arbeiterin.
Eine  Verschiebung  nach  unten  hat  trotzdem  stattgefunden.  Die
Beteiligung  der  unteren  Klassen  ist  vielleicht  noch  stärker,  denn  man
muß  bedenken,  daß  sehr  viele  Angestellte  die  Frage  nach  der  Herkunft
nicht  beantwortet  haben,  und  man  annehmen  kann,  daß  die  soziale
Stellung  der  Väter  dann  weniger  angesehen  ist,  da  sonst  ein  gewisser
Stolz  die  Töchter  veranlaßt  hätte,  Angaben  zu  machen.
Alle  diese  Zahlen  beziehen  sich  selbstverständlich  nicht  nur  auf
die  kaufmännischen  Angestellten  des  Handelsgewerbes,  sondern  auf
das  weibliche  kaufmännische  Personal  überhaupt.  Doch  da  ein  steter
Austausch  zwischen  den  einzelnen  Gewerbegruppen  stattfindet,  ist
ohne  Unterschied  auf  die  Angestellten  des  Handelsgewerbes  anzuwenden, ­
  was  für  die  Allgemeinheit  der  weiblichen  Angestellten  gilt.
Weitere  Erhebungen,  die  für  das  Bureau-  und  Verkaufspersonal
gemeinsam  an  denselben  Orten  veranstaltet  worden  sind,  bestehen
nicht,  private  Ermittlungen  berücksichtigen  entweder  die  eine  oder
die  andere  Gruppe.
Für  das  Bureaupersonal  ist  eine  Zusammenstellung  aus  Leipzig
vom  Jahre  1911  vorhanden.  1912  sind  dann  die  Schülerinnen  der  Mädchen-Handelsschulen ­
  der  Korporation  der  Kaufmannschaft  von  Berlin,
die  sich  dort  zu  Kontoristinnen  ausbildeten,  nach  ihrer  gesellschaftlichen ­
  Herkunft  befragt  worden.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.