Full text : Wirtschaft als Leben

Geschichte  und  Sozialwissenschaft.

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werden,  nur  soweithin,  daß  die  Lösung  gerade  noch  hinreicht,  um  bestimmte ­
  Eigenheiten  unseres  fachlichen  Denkens,  denen  man  sonst
gar  nicht  beikäme,  von  ihren  letzten  Gründen  her  zu  beleuchten.
Hiefür  waren  Dilthey  und  Münsterberg  vorbildlich.
Die  herkömmliche  Auffassung  weiß  nur  von  einer  Art,  wie  sich
das  anschauliche  Erlebnis  —  das  in  der  Relation  auf  unser  Erkennen
die  Wirklichkeit  darstellt  —  in  begriffliches  Denken  so  umsetzt,  daß
Erfahrung  zustandekommt.  Man  hat  dabei  jenen  Modus  der  Erfahrung,
jene  Denkweise  einseitig  im  Auge,  bei  der  sich  das  Anschauliche  seiner
„Mannigfaltigkeit“  nach  in  Begriffe  umsetzt,  womit  gleichsam  das
„Sein“  der  Wirklichkeit  in  unser  Denken  eingeht.  Gleich  in  diesem
Falle  wird  ein  bestimmter  „Stoff“  zu  unseren  Begriffen  geformt,  im
Sinne  des  Umsatzes  vom  Anschaulichen  ins  Begriffliche,  und  zwar
nach  der  Anweisung  bestimmter  Kategorien;  dieser  Stoff  setzt  sich
aus  den  „Erscheinungen“  zusammen,  sinnlicher  und  seelischer  Art.
Dies  die  Denkweise,  die  man  herkömmlich  als  die  einzigmögliche  vermeint; ­
  daher  also  auch  die  Sozial  Wissenschaft  von  ihr  getragen  wäre,
nicht  anders,  als  dies  z.  B.  für  die  Naturwissenschaft  tatsächlich  der
Fall  ist.
Nun  ließ  sich  aber  noch  ein  ganz  anderer  Modus  der  Erfahrung
nachweisen.  Er  entgeht  der  Theorie  unseres  Denkens,  weil  er  fast
unzertrennlich  von  der  Praxis  unseres  Denkens  ist  und  so  das  ganz
und  gar  Selbstverständliche  bleibt,  an  dem  sich  unser  theoretisches
Interesse  eben  nicht  verfängt!  Außer  jener  „phänomenologischen“
Denkweise  existiert  also  noch  eine  andere,  die  „noe  tische“;  und
noetisch  denken  wir,  wie  gesagt,  fast  ununterbrochen,  mit  Ausnahme
der  Fälle  nämlich,  sobald  wir  im  strengsten  Sinne  naturwissenschaftlich ­
  oder  mathematisch  denken.  Diese  Ausnahmefälle,  bei  denen  es
sich  um  die  Übung  eines  nach  Zweck  und  Anwendbarkeit  durchaus
einseitigen  Kunstdenkens  handelt,  haben  jedoch  das  Interesse  der
Philosophen  von  jeher  so  kaptiviert,  daß  ihnen  das  natürliche
Denken  ganz  außer  Sehweite  bliebl  Bei  dieser  natürlichen,
der  noetischen  Denkweise  die  wir  als  handelnde  Subjekte  unter  Subjekten ­
  unablässig  betätigen,  erfaßt  man  das  Erlebnis  nicht  seiner
Mannigfaltigkeit,  sondern  seinem  anschaulichen  Zusammenhang ­
  nach;  und  damit  übergeht  gleichsam  der  „Sinn“  der  Wirklichkeit ­
  in  unser  Denken.  Nicht  seelische  und  nicht  sinnliche  Erscheinungen ­
  bilden  hier  den  Stoff,  der  zu  begrifflicher  Formung  gedeiht,
sondern  ein  spezifisches  Drittes  macht  hier  den  Stoff  aus:  die  „Erlebungen“.
  Auch  vollzieht  sich  das  Formen  dieses  Stoffes  nach  besonderen ­
  Kategorien  —  Subjekt,  Objekt,  Akt  und  Erleidung
            
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