Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

250  Vierter  Abschnitt.  Konjunkturprognose  und  Konjunkturpolitik.

üben  bestimmt  sind,  handelt  es  sich,  genau  wie  bei  den  Kreditbanken,
in  erster  Linie  um  solche,  welche  geeignet  sind,  während  der  Hochkonjunktur ­
  das  Wirtschaftsleben  vor  Ausschreitungen  spekulativer
Natur  und  vor  zu  weitgehenden  Neuanlagen  und  Neugründungen  zu
bewahren.  Auch  alle  die  Maßnahmen,  welche  in  dieser  Zeit  Noten-und
Kreditbanken  ergreifen,  um  sich  lediglich  gegen  eine  zu  starke  Inanspruchnahme ­
  zu  schützen  und  damit  ihre  Liquidität  zu  wahren,
wirken  natürlich  eindämmend  auf  den  Fortgang  der  Hochkonjunktur.
Es  muß  aber  nochmals  betont  werden,  daß  sich  davon  für  den  Außenstehenden ­
  diejenigen  Maßnahmen  nur  sehr  schwer  scheiden  lassen,
welche  weniger  einem  solchen  Selbstschutz  als  dem  Ziele  dienen,
unmittelbar  und  bewußt  einem  weiteren  Fortgang  und  einem  weiteren
Aufsteigen  der  Hochkonjunktur  entgegenzuwirken.  Denn  nur  selten
ist  dieses  Ziel  ein  ausgesprochenes,  und  der  Außenstehende  erfährt
in  der  Regel  nur  von  bestimmten  Maßnahmen  bei  Noten-  und  Kreditbanken, ­
  ohne  sich  ein  genaueres  Bild  von  den  Motiven  machen  zu
können,  welche  dazu  geführt  haben.
Nach  welchen  Pachtungen  hier  die  Notenbanken  einen  bestimmten
Einfluß  ausüben  können,  kann  man  vielleicht  am  besten  erkennen,
wenn  man  sich  zunächst  einmal  vor  Augen  hält,  nach  welchen  Richtungen ­
  hier  bei  uns  schon  Fehler  gemacht  worden  sind  und  Fehler
gemacht  werden  können.  Man  hat  der  deutschen  Reichsbank  in
früheren  Jahren  schon  den  Vorwurf  gemacht,  daß  sie  Wechsel  angekauft ­
  habe,  sogenannte  Kredit-  und  Prolongationswechsel,  deren
Ursprung  nicht  im  Warengeschäft  lag.  Man  ist  dann  von  seiten  der
Reichsbankleitung  aus  entschieden  gegen  diese  Praxis  vorgegangen,
und  hat  sich  bemüht,  diesen  Mißstand  abzustellen.  Ganz  abgesehen
davon,  daß  der  Ankauf  solcher  Wechsel  für  die  Reichsbank  überhaupt ­
  nicht  statthaft  war,  mußte  ein  solches  Verfahren  auch  durch
die  dadurch  neu  entstehende  künstliche  Kaufkraft  in  der  Hochkonjunktur ­
  noch  weiter  stimulierend  wirken 1 ).  Auf  diese  Weise
mußte  die  Reichsbank  in  Gefahr  geraten,  mit  ihren  Noten  neues
Betriebs-,  wenn  nicht  gar  Anlagekapital  für  irgendwelchen  kaufmännischen ­
  Zweck  zu  schaffen.
Daß  aber  eine  solch  stimulierende  Einwirkung  der  Reichsbank
in  den  Zeiten  der  Hochkonjunktur  auch  noch  auf  anderen  Wegen
möglich  ist,  zeigt  die  Zuschrift  einer  rheinischen  Bank  aus  dem
Jahre  1912  an  die  Frankfurter  Zeitung,  in  der  es  unter  anderem
heißt:  „Vom  Standpunkte  des  soliden  Bankiers  ist  es  nur  zu  begrüßen, ­
  wenn  die  Reichsbank  daran  erinnert,  daß  in  der  Kreditgewährung ­
  der  Banken  zu  weitherzig  vorgegangen  worden  ist.  Die

U  Vgl.  dazu  die  Bankenenquete,  a.  a.  0.  Verhandl.  zu  den  Punkten  1—5.
            
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