Full text : Die deutsche Zigarettenindustrie

entgeltlich  die  in  der  Fabrik  befindlichen  Badeanlagen,  Wanne  und
Brause,  zur  Verfügung.  In  einer  mit  Feldbetten  ausgestatteten,
luftigen  Halle  wird  älteren  Personen  während  der  Pausen  Gelegenheit ­
  zu  kurzer  Ruhe  geboten.  Die  anderen  Arbeiter  können  sich
in  den  Pausen  auf  dem  flachen  Fabrikdach,  das  in  einen  Garten
verwandelt  ist,  ergehen,  ebenso  auch  im  sauberen,  freundlichen
Fabrikhof.  Stößt  einem  Arbeiter  ein  Unfall  zu,  so  kann  ihm  die
erste  Hilfe  sogleich  in  der  Fabrik  zu  teil  werden,  denn  es  befindet  sich
daselbst  ein  Unfallzimmer,  in  dem  Krankenbett,  Bahre,  medizinische
Instrumente  und  Medikamente  aufbewahrt  werden.
Die  anderen  Zigarettenfabriken  weisen  nun  zwar  solche  Einrichtungen ­
  nicht  in  gleicher  Vereinigung  auf,  doch  findet  man  in
vielen  der  großen  Zigarettenfabriken  gleichfalls  Badezimmer,  reichliche ­
  Waschgelegenheit,  Unfallzimmer  sowie  Fahrstühle  und  Wagen
zur  Beförderung  von  Lasten  innerhalb  der  Fabrik  vor.
E.  Die  Lebenshaltung.
Eine  ziemlich  große  Zahl  aller  Zigarettenarbeiterinnen,  d.  h.  die
Mehrzahl  der  ledigen,  jüngeren  Personen,  lebt  im  Hause  der
Eltern  und  zahlt  diesen  einen  bestimmten  Betrag  für  Wohnung
und  Beköstigung.  Die  Höhe  der  Abgaben  ist  dabei  äußerst  verschieden ­
  und  richtet  sich  ganz  nach  der  wirtschaftlichen  Lage,  in
der  sich  die  Familie  betreffender  Person  befindet.  Neben  Arbeiterinnen, ­
  die  nur  einen  geringen  Teil  ihres  Lohnes  abzugeben
brauchen,  finden  sich  andere,  die  den  größten  Teil  zum  Unterhalt
der  Familie  beitragen  müssen.
Eine  gewisse  Ähnlichkeit  mit  der  Lage  dieser  Personen  hat  im
großen  ganzen  die  einer  zweiten  Gruppe  von  Arbeiterinnen,  der
verheirateten  Frauen,  denn  auch  deren  Lebenshaltung  wird
weniger  durch  den  in  der  Zigarettenfabrik  verdienten  Lohn  als  durch
die  jeweils  gegebenen  Familien  Verhältnisse  bestimmt.  Finden  sich
doch  neben  Frauen,  die  nur  einen  für  den  Familienhaushalt  mehr
oder  minder  entbehrlichen  Zusdhußverdienst  zu  erarbeiten  suchen,
andere,  die  den  Unterhalt  für  die  ganze  Familie  beschaffen  müssen,
da  das  Familienoberhaupt  krank  oder  arbeitslos  ist.
Auch  die  Lebenshaltung  einer  dritten  Gruppe  von  Arbeiterinnen,
nämlich  die  der  verwitweten,  geschiedenen  und  eheverlassenen ­
  Frauen,  die  Kinder  besitzen,  ist  nicht  allein  von  der
Höhe  des  verdienten  Lohnes  abhängig;  .sie  richtet  sich  vielmehr
auch  nach  der  Zahl  der  zu  ernährenden  Kinder  und  der  Höhe  der
Renten,  Erziehungsgelder  usw.,  die  etwa  empfangen  werden.
            
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