Full text : Die deutsche Zigarettenindustrie

10

Georg  A.  Jasmatzi  in  Dresden  für  1500  000  Mark  und  verwandelte
sie  in  eine  Aktiengesellschaft.  Die  Fabrik  wurde  technisch  vorzüglich ­
  ausgerüstet  und  für  die  Fabrikate  eine  beispiellose  Reklame
entfaltet.  Zudem  brachte  die  Fabrik  noch,  um  den  Umsatz  rascher
zu  steigern,  ein  für  derartige  Zwecke  ganz  neues  Propagandamittel
heraus.  Den  einzelnen  Zigarettenpackungen  werden  Bons  beigelegt,
die  in  gewisser  Anzahl  gesammelt  an  die  Fabrik  geschickt  werden
müssen.  Für  sie  erhält  dann  der  Einsender  ganz  nach  Wunsch
Waren,  wie  Uhren,  Taschenmesser,  Portemonnaies,  Brieftaschen  usw.,
je  nach  Anzahl  der  eingeschickten  Bons  und  Wahl  aus  einem  besonderen ­
  Kataloge,  in  dem  alle  Prämienartikel  mit  Angabe  der  dafür
einzusendenden  Bons  abgebildet  sind.
Durch  diese  Mittel  gelangten  die  Trustmarken  auch  in  Deutschland ­
  rasch  in  Aufnahme.
Außer  der  Jasmatzifabrik,  deren  Aktienkapital  im  Jahre  1903
um  3500  000  Mark  auf  5  000000  Mark  erhöht  wurde,  erwarb  der
Trust  bald  noch  ein  zweites  deutsches  Unternehmen,  die  Zigarettenfabrik ­
  der  Firma  Josetti  in  Berlin.  Von  weiteren  Ankäufen  hat  man
seitdem  in  der  Öffentlichkeit  nichts  wieder  gehört.
Die  deutschen  Zigarettenfabrikanten  erkannten  sogleich  die  Gefahr, ­
  die  ihnen  von  seiten  des  Trusts  drohte.  Sofort  wurde  deshalb ­
  von  den  unabhängigen  Fabrikanten  eine  lebhafte  Agitation  gegen
den  amerikanischen  Eindringling  ins  Leben  gerufen,  wobei  dieselben
aufs  beste  vom  deutschen  Tabakverein,  dem  Repräsentanten  der
Zigarrenfabrikanten,  unterstützt  wurden  *).
Durch  Wort  und  Schrift  suchte  man  Händler  und  Publikum
über  die  letzten  Ziele  des  Trusts,  die  nicht  nur  auf  eine  Vergewaltigung ­
  der  Fabrikanten,  sondern  auch  der  Händler  und  zuletzt
der  Konsumenten  hinausliefen,  aufzuklären.  Schließlich  erreichte
man  es  auch,  daß  die  Zigarrenhändlerverbände  den  Beschluß  faßten,
Trustfabrikate  den  Konsumenten  nur  auf  ausdrückliches  Verlangen  zu
verabfolgen  1  2 ),  und  daß  sie  zugleich  ihren  Mitgliedern  dringend  anempfahlen, ­
  die  Reklameplakate  des  Trusts  in  ihren  Schaufenstern
nicht  zum  Aushang  zu  bringen.
Durch  diese  Mittel  und  den  Umstand,  daß  zur  Zeit  des  Auftretens
des  Trusts  schon  eine  Reihe  äußerst  leistungsfähiger,  aufs  beste
ein  geführter  Zigarettenfabriken  bestanden,  die  den  Trustgeldern  un1) ­

  Bericht  der  Ältesten  der  Kaufmannschaft  von  Berlin.  Jahrg.  1903,  Teil  II,
Seite  78.
2)  Breslauer  Handelskammerbericht  1902,  S.  230.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.