Full text : Inflation und Geldentwertung

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Die  Finanzwirtschaft  während  des  Krieges  usw.

kauf  oder  Angebot  ihrer  Forderungen  schritten,  so  wird  erklärlich,
daß  in  Wirklichkeit  eine  solche  Menge  verschiedener  Ursachen  für
die  Preisentwicklung  der  deutschen  Mark  im  Ausland  maßgebend
waren,  daß  es  unmöglich  ist,  die  gleichfalls  mitwirkende  Wechselwirkung ­
  von  Inflation,  inländischer  Geldentwertung  und  Valutaentwertung ­
  in  irgendwie  meßbarer  Weise  bloßzulegen.  Nichtsdestoweniger ­
  wird  man  daran  festzuhalten  haben,  daß  diese  Beziehungen ­
  praktisch  vorhanden  waren  und  sind.
Aus  den  Darlegungen  folgt  erstlich:  wenn  auch  der  enge
Zusammenhang  zwischen  ausländischen  Wechselkursen  und  inländischer ­
  Geldentwertung,  zwischen  Valuta  und  Inlandspreisen,  in
Wirklichkeit  durch  die  Hemmungen  der  Kriegswirtschaft  gestört
war,  so  war  er  doch  jederzeit  mindestens  so  weit  wirksam,  daß  die
der  Reichsbank  zur  Verfügung  stehenden  Mittel  niemals  ausreichen
konnten,  jede  Entwertung  der  deutschen  Valuta  im  Ausland  hintanzuhalten. ­
  Es  sei  denn,  es  hätten  ihr  im  Auslande  unbegrenzte
langfristige  Valutakredite  und  solche  Mengen  Waren  zur  Verfügung
gestanden,  daß  sie  damit  den  Warenmangel  und  die  Steigerung  der
Preise  im  Inlande  mit  Erfolg  hätte  bekämpfen  können,  was  in
England  geschehen  ist  und  für  Deutschland  den  Bruch  mit  dem
Grundsatz:  Das  Geld  bleibt  im  Lande  bedeutet  hätte 1 ).  Ferner:  daß
erst  nach  Aufhören  der  im  internationalen  Zahlungs-  und  Warenverkehr ­
  hegenden  Störungen  eine  allgemeine  Gleichgewichtslage
zwischen  Valuta  und  Preisen  eintreten  kann.  Von  einer  solchen
konnte  indes  bis  zur  Friedensunterzeichnung  noch  nicht  die  Rede
sein.  Um  so  mehr  wird  der  Zusammenhang  mit  dem  Stande  der
Preise  im  Innern  zu  beachten  sein,  wenn  man  nach  Aufhören  der
Kriegsstörungen  der  Frage  nach  der  „Wiederherstellung  der
Valuta“  näher  tritt.  (Vgl.  den  2.Teil.)  Und  endlich:  Da  die  Preise
im  Inland  auf  die  Ein-  und  Ausfuhr  von  Waren  zurückwirken  oder
von  dieser  beeinflußt  werden,  die  Handelsbilanz  einen  Teil  der
Zahlungsbilanz  bildet  und  letzten  Endes  bei  der  Kursbildung  das
Angebot  und  die  Nachfrage  nach  Zahlungsmitteln  sichtbar  in  die
Erscheinung  tritt,  so  kann  man  schließlich  auch  sagen,  daß  für  die
Gestaltung  der  Valuta  die  Zahlungsbilanz  entscheidend  ist.  Es
dient  jedoch  der  Klärung  dieser  wirtschaftlichen  Erscheinung  mehr,
wenn  der  Zusammenhang  zwischen  Wechselkursen  und  Preisen  im
einzelnen  aufgedeckt  und  besonders  betont  wird;  dann  kommt

1 )  Vgl.  Dietzel,  Die  Nationalisierung  der  Milliarden.  Mohr,  Tübingen  1919.
            
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