Full text : Inflation und Geldentwertung

54

Die  Finanzwirtschaft  während  des  Krieges  usw.

Weil  ein  großer  Teil  der  ins  Riesenhafte  gestiegenen  Kaufkraft
—  infolge  des  herrschenden  Mangels  an  Waren  und  Arbeitskräften
—  hier  keine  Verwendung  finden  konnte  oder  durch  die  steigenden
Preise  einstweilen  vom  Kaufe  abgehalten  wurde,  verfügten  die
Einzelwirtschaften  anderweitig  darüber.  Durch  die  Zeichnung  auf
die  unbegrenzten  Kriegsanleihen  des  Reiches  ist  die  freie  Kaufkraft
in  erheblichem  Umfange  (auf  9  Kriegsanleihen  Zeichnungen  im
Nennbetrag  von  fast  100  Milliarden  Mark)  wieder  auf  den  unermüdlichen ­
  größten  Käufer  in  der  deutschen  Volkswirtschaft,  auf  die
Reichskasse,  übertragen  worden,  wodurch  in  regelmäßigen  Zeitabschnitten ­
  auch  gewisse  Teile  der  vorher  ausgegebenen  Zahlungsmittel ­
  zur  Reichsbank  zurückgeflossen  sind.  Durch  den  Kauf  von
anderen  Wertpapieren  ist  eine  Umschichtung  der  Kaufkraft  von
Einzelwirtschaft  zur  Einzelwirtschaft  erfolgt,  bei  der  die  Kaufkraft
der  Kriegsanleihe  entzogen  aber  auch  vom  Gütermarkt  ferngehalten
sein  kann.  Bei  der  Einzahlung  von  Einlagen  bei  den  Kreditinstituten ­
  ist  die  Kaufkraft  in  der  Hauptsache  auf  die  Reichskasse
(durch  Übernahme  von  Reichsschatzanweisungen  von  seiten  der
Kreditinstitute  in  Höhe  von  etwa  25  Milliarden  Mark  Ende  1918)
übertragen  worden,  obwohl  nicht  unbedeutende  Teile  dieser  Einlagen
nur  auf  kurze  Zeit  bei  den  Banken  hinterlegt  worden  sind,  während
welcher  die  Kaufkraft  für  die  Besitzer  nur  ruhen,  nicht  etwa  als
endgültig  abgetreten  gelten  soll.  Lediglich  die  Entrichtung  von
Steuern  bedeutete  eine  unwiderrufliche  Minderung  der  Kaufkraft
der  Einzelwirtschaften  und  Übertragung  derselben  auf  den  Steuerfiskus. ­
  Da  jedoch  in  Deutschland  wirksame  Kriegssteuern  fast  gar
nicht  oder  erst  gegen  Ende  des  Krieges  zur  Einführung  gelangt
sind,  und  bis  dahin  außerdem  die  Abwälzung  der  Steuern  auf  die
Preise  und  Einkommen  nicht  sonderlich  erschwert  war,  so  sind  in
Wirklichkeit  die  zahlreichen  Einzelwirtschaften,  deren  Kaufkraft
im  Kriege  und  durch  den  Krieg  besonders  stark  gestiegen  ist,  von
den  Steuern  verhältnismäßig  wenig  belästigt  worden.
Tatsächlich  ist  zwar  der  größere  Teil  der  in  der  Kriegswirtschaft
entstandenen  oder  freigesetzten  Kaufkraft  auf  dem  Wege  der
Kriegsanleihen  und  der  Schatzanweisungen  der  Reichskasse  wieder
zugeführt  —  wenn  auch  nur  auf  längere  oder  kürzere  Zeit  geliehen  —
worden.  Aber  zu  beachten  ist,  daß  erstens  nur  ein  Teil,  keineswegs
die  gesamte,  für  die  Existenz  der  Einzelwirtschaften  nicht  unbedingt ­
  notwendige  Kaufkraft  an  das  Reich  abgetreten  worden  ist,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.