Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Schicksal  des  Berliner  Antrags  gezeigt.  Nach  langen  Verhandlungen  und
nachdem  noch  der  damalige  preußische  Landelsminister,  Lerr  von  Berlepsch,
seinen  Beamten  in  einem  Rundschreiben  Mitwirkung  an  der  Einrichtung
kommunaler  Arbeitsnachweise  empfohlen  hatte,  eröffnete  unterm  4.  November ­
  1894  der  Berliner  Magistrat  der  Gewerkschaftskommission  in  einem
amtlichen  Schreiben,  daß  er  zu  dem  Entschluß  gekommen  sei,  ihren  Antrag
abzulehnen.  Am  aber  wenigstens  etwas  zu  tun,  bewilligte  er  dem  Zentralverein ­
  für  Arbeitsnachweis  für  dessen  weiteren  Ausbau  eine  einmalige
Subvention  von  15  000  Mk.  und  erhöhte  den  diesem  Verein  von  der  Stadt
gewährten  Jahresbeitrag  von  3000  auf  5000  Mk.  Für  das,  was  der
Verein  leisten  sollte,  war  es  ein  Bettelgroschen,  aber  es  blieb  nicht  dabei.
Der  Verein  und  die  Stadt  wurden  durch  die  Dinge  selbst  immer  weiter
getrieben.  Der  erstere  nahm  die  Einrichtung  paritätischer  Fach-Arbeitsnachweise ­
  in  die  Land,  und  die  Stadt  mußte  ihren  Zuschuß  erhöhen.  Mit
Anterstützung  der  Landesversicherungsanstalt  Berlin  wurde  1898  der  Bau
eines  Laufes  für  die  Arbeitsnachweise  in  die  Land  genommen,  das  in
Amfang  und  Einrichtungen  seinen  Zwecken  leidlich  entsprach.  Es  entstand
.ziemlich  im  Norden  Berlins  ein  Arbeitsnachweis-Gebäude,  das  einen
Flächenraum  von  3200  Quadratmeter  bedeckt  und  unter  andern  einen  mit  Sitzplätzen ­
  für  1400  Personen  und  sechs  elektrisch  betriebenen  Ventilatoren
ausgestatteterr,  elektrisch  beleuchteten  und  im  Winter  geheizten  Warteraum
enthält.  Das  Laus,  Gormannstraße  13  gelegen,  ist  im  Jahre  1902  dem
Betrieb  übergeben  worden.  Im  Jahre  1898  ist  ferner  das  Statut  des
Vereins  dahin  abgeändert  worden,  daß  der  Vorstand  um  je  vier  von  den
betreffenden  Beisitzern  des  Gewerbegerichts  zu  wählende  Vertreter  der
Anternehmer  und  der  Arbeiter  erweitert  wurde,  die  außerdem  mit  den
beiden  Vorsitzenden  des  Vereins  das  Kuratorium  des  Arbeitsnachweises
für  die  ungelernten  Arbeiter  bilden.  Gleiche  Kuratorien  sollten  den  Arbeitsnachweisen ­
  für  gelernte  Arbeiter  vorstehen  und  paritätisch  von  den  betreffenden
Fachorganisationen  (Verbände  oder  Innungen,  bezw.  Jnnungsausschüsse)
gewählt  werden.
Dazu  ist  es  aber  nur  erst  in  einer  Minderheit  von  Gewerben  und  auch
das  nur  sehr  allmählich  gekonnnen.  Während  die  organisierten  Arbeiter  in
ihrer  Mehrheit  den  Gedanken  der  paritätischen  Nachweise  akzeptiert  haben,
leistet  die  Mehrheit  der  organisierten  Anternehmer  ihnen  hartnäckigen  Widerstand. ­
  Von  der  einen  Seite  her  sind  es  die  tonangebenden  Vertreter  der
Großindustrie,  die  gegen  jede  Art  von  Parität  im  Gewerbe  feindselig
Stellung  nehmen,  von  der  andern  bekämpfen  die  Innungen  die  paritätischen
Nachweise  des  Zentralvereins,  weil  sie  für  ihre  Gewerbe  den  Nachweis
selbst  in  der  Land  haben  wollen.  Bei  alledem  waren  indes  bis  Ende  1905
doch  im  Zentralarbeitsnachweis,  außer  der  allgemeinen  Abteilung,  die  Nachweise ­
  für  ungelernte  Arbeiter,  jugendliche  Arbeiter  aller  Art,  weibliche
Arbeiter  und  städtische  Arbeiter,  sowie  Klempner  und  Weißleder-Arbeiter  umfaßt, ­
  paritätischeNachweisefürfolgendeBerufe  eingerichtet:  Bäcker,  Buchbinder
nnd  verwandte  Gewerbe,  Dachdecker  und  Gerüstbauer,  Glaser,  Lolzgewerbe
aller  Art,  Maschinisten  und  Leizer,  Maler  und  Anstreicher,  Portiers  und
Fahrstuhlführer,  Schlosser,  Stukkateure,  Tapezierer,  Wäschefabrikationsgewerbe
  sowie  Wäschereinigung  und  Plätterei.  In  Reinickendorf  ist
für  den  entlegeneren  Norden  und  in  Rummels  bürg  für  den  weiteren
            
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