Full text : Répertoire des administrateurs & commissaires de société, des banques, banquiers et agents de change de France et de Belgique

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Fünfter  Teil.  Verkehr.  III.  Eisenbahnen.

8.  Die  St.  Gotthardbahn.
Von  Heinrich  Rüegg.

Rüegg,  Die  Wirkungen  der  St.  Gotthardbahn.  In:  Jahrbuch  für  Gesetzgebung,  Verwaltung ­
  und  Volkswirtschaft  im  Deutschen  Reich.  15.  Jahrgang.  Herausgegeben  von  Schmoller.
Leipzig,  Duncker  &  Humblot,  1891.  S.  1142—1144.
Im  wirtschaftlichen  Verkehre  der  Völker  Europas  hat  der  massive  langgestreckte
Grenzwall  der  Alpen  durch  Jahrhunderte  hindurch  den  Güterumlauf  zum  einen  Teil
ganz  verhindert,  zum  andern  Teil  in  kostspielige  und  zeitraubende  Bahnen  gezwängt.
Um  auf  der  denkbar  kürzesten  Linie  vom  cisalpinen  Europa  aus  nicht  nur  Italien,
sondern  überhaupt  das  Mittelmeer  zu  erreichen,  galt  es,  diesen  Grenzwall  an  möglichst
vielen  Punkten  zu  durchstechen,  bezw.  die  Stellen  tiefer  Einsenkung  des  Gebirges
zu  überschienen.  Ersteres  ist  geschehen  beim  Mont  Cenis,  letzteres  bei  Semmering  und
Brenner.  Der  Mont  Cenis  mündet  nach  dem  Westen  und  Südwesten  Europas,  der
Semmering  nach  dem  Osten  und  Nordosten,  der  Brenner  desgleichen  in  der  Hauptsache ­
  nach  nordöstlichem  und  nur  zum  Teil  nach  dem  zentral-nördlichen  Gebiete
Europas.  Es  entbehrten  das  eigentliche  Zentrum  und  der  ausgedehnte  Nordwesten
Europas  bis  vor  kurzem  einer  direkten  Zufahrtslinie  nach  Italien  und  dem  Mittelmeer.
Die  heute  fertige  Gotthardbahn  füllt  die  Lücke  aus,  welche  bisher  zwischen  Mont
Cenis  und  Brenner  existierte;  sie  ist  die  vierte  in  der  Reihe  jener  großen  und  wichtigen
Zufahrtslinien  aus  dem  Innern  Europas  nach  Italien  und  dem  Mittelmeer.
Ist  die  Aufgabe  der  Gotthardbahn  damit  im  allgemeinen  gekennzeichnet,  so
ergibt  sich  als  ihre  Ausgabe  im  einzelnen  ein  Dreifaches:
1.  ist  die  Gotthardbahn  eine  Bahn  im  Dienste  des  großen  Weltverkehrs;
2.  vermittelt  sie  den  italienifch-nordeuropäischen  bezw.  cisalpinen  Handel;
3.  dient  sie  dem  internen  oder  Lokalverkehr.
Die  Erbauung  der  Gotthardbahn  ist  nur  die  folgerichtige  Durchführung  eines
noch  bedeutsameren  Gedankens,  der  Verbindung  von  Europa  und  Asien  mittelst
des  Suezkanals.  Solange  diese  zentrale  Alpenbahn  fehlte,  stießen  die  Schiffe,
welche  durch  den  Suezkanal  und  das  Mittelmeer  fuhren,  in  ihrem  natürlichsten
Zielpunkte,  im  Hafen  von  Genua,  auf  verschlossene  Türen;  das  vorliegende  Alpsngebirge
  machte  Genua  zu  einer  Sackstation  im  Weltverkehr,  zu  einem  Verkehrspunkte
von  bloß  beschränkt  lokaler  Bedeutung.  Die  Gotthardbahn  hat  dieses  massive  Tor
gesprengt.  Geographisch  genommen,  bildet  sie  die  direkte  und  unmittelbarste  Fortsetzung, ­
  das  eigentliche  Schlußglied  der  Welthandelslinie  voin  Orient  nach  dem  Innern
Europas.
Genua  soll  wieder  aufblühen  und  mit  seinen  Rivalen,  Triest  und  Marseille,  erfolgreich ­
  zu  Felde  ziehen.  Italien  soll  wiederum  in  den  Mittelpunkt  des  großen  Weltverkehrs ­
  gestellt  werden.  Dies  ist  die  eine  Seite  der  Aufgabe  der  Gotthardbahn.
Die  Gotthardbahn  soll  aber  nicht  bloß  die  wirtschaftlichen  Bande  zwischen
Europa  und  den  übrigen  Weltteilen  fester  knüpfen,  sondern  auch  innerhalb  Europas
neue  Beziehungen  anbahnen  zwischen  Italien  und  den  nördlich  der  Alpen  gelegenen
Ländern.  Wie  dringend  es  not  tat,  für  die  letzteren  Beziehungen  noch  eine  vierte
Alpenbahn  zu  schaffen,  das  zeigen  am  besten  die  Zahlen  für  die  Entfernungen  der
früheren  Alpenbahnen  voneinander.
Zwischen  der  Küstenlinie,  die  sich  von  Genua  nach  Toulon  hinzieht,  sagen  wir,
zwischen  Nizza  und  dem  Mont  Cenis  besteht  eine  Entfernung  von  160  km
zwischen  dem  Semmering  und  dem  Brenner  eine  solche  von  330  „
„  „  Mont  Cenis  „  „  „  „  „  „  420  „
oder,  längs  der  ziemlich  gewundenen  Alpenkette  gemessen,  sogar  eine  solche  von  480  „  .
            
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