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Die Pessimisten.
a) Robert Malthus.
Das Malth
us’sche
Bevölkerungsgesetz.
Die Adam Smithsche Beurteilung der Kulturentwickelung war
eine wesentlich optimistische gewesen für den Fall, daß man zur wirtschaftlichen
Freiheit überging. Man hatte dieselbe in der Hauptsache
in England Ende des 18. Jahrhunderts erreicht. Handel und Gewerbe
waren in noch nie dagewesener Weise gestiegen, gleichwohl zeigte sich,
wie erwähnt, in der großen Masse der unteren Bevölkerung Not und
Elend, und wenn dasselbe sich auch nicht vergrößert haben mochte,
so trat es in den wachsenden Städten sichtlicher zu Tage, und der
Gegensatz zu dem wachsenden ‚Reichtum der Unternehmerklasse war
arheblich verschärft. Infolge dieser Beobachtung unternahm es ein Geistlicher,
Thomas Robert Malthus (1766—1834), die Ursachen dieser
Erscheinung zu ergründen, und er legte seine Anschauungen in einer
Schrift nieder: „An essay on the principle of population as its effects
the future improvement of society. London 1798“, Da die darin sehr
schroff ausgesprochenen Anschauungen nur eine kurze und unvollkommene
Begründung erfahren hatten und deshalb vielseitige scharfe
Anfeindungen hervorriefen, sah sich der Verfasser veranlaßt, einige
Jahre darauf eine wesentlich erweiterte Ausgabe zu veranstalten, unter
äem Titel: „An essay on the principle of population or a view of its
past and present effects on human happiness etc, 1803“ in zwei Bänden.
Dieses ist die maßgebend gewordene Schrift, die bis zum heutigen
Tage ihre Bedeutung behalten hat.
Sowohl von den Merkantilisten wie den Physiokraten war den Zeitverhältnissen
entsprechend eine starke Bevölkerung als die Grundlage
für Macht und Wohlstand angesehen, und deshalb die Förderung der
Volksvermehrung als wesentlich wünschenswert hingestellt. Auch
Adam Smith mußte diesen Standpunkt als gerechtfertigt anerkennen,
wenn er auch mit mehreren der Physiokraten künstliche Maßregeln der
Staatsgewalt, wie sie die Merkantilisten forderten, verwarf. Vielmehr
setzte er als selbstverständlich voraus, daß die Volkszunahme von
selbst größere und ausreichende Dimensionen annehmen würde.
Malthus stellte sich auf den entgegengesetzten Standpunkt, indem er
behauptete, daß in der Bevölkerung nach einem Naturgesetze fortdauernd
die Tendenz vorliege, sich in einem stärkeren Maße zu vermehren,
als es für die wirtschaftlichen Verhältnisse angemessen sei,
und dadurch stets die Gefahr einer Uebervölkerung vorliege. Es ist
die Auffassung, welche Charles Darwin, wie er es selbst erklärt,
die Anregung zu seiner Lehre von der natürlichen Zuchtwahl in der
Tierwelt gegeben hat. „Verschwenderisch“, sagt Malthus, „sät die
Natur in allen organischen Reihen den Samen des Lebens aus, sparsam
ist sie in der Anweisung der Nahrung. Die Keime, welche die Erde
jährlich gebiert, vermöchten, wenn ihnen eine allseitige Entwickelung
gestattet wäre, Millionen von Welten in wenig Jahrhunderten zu erfüllen;
aber das eiserne Scepter der Notwendigkeit zeichnet ihnen beengende
Grenzen vor, und auch der Mensch vermag durch keine Anstrengung
seines Verstandes diese Schranken niederzureißen“,
Ueberall kann man demnach eine rapide Zunahme der Bevölkerung
beobachten, wo die Verhältnisse derselben günstig sind. In den Ver-