Full text : Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

73

Erbgutes unter die legitimen Söhne dem unehelichen Sohne eine
Geldsumme, t& vodela, gegeben werden sollte**), die durch ein Gesetz
des Solon auf 1000 Drachmen beschränkt wurde*”).
Daß die Naturalwirtschaft gerade in Thessalien und Sizilien
lange fortdauerte, kann umsoweniger wundernehmen, als beide
eben ackerbautreibende Länder gewesen sind. In solchen aber
bleibt sie auch dann noch aufrecht, wenn längst geldwirtschaftliche
Vorgänge sich eingebürgert haben.
Die Ausbreitung des Handels und die Entwicklung der Industrie
 haben im 6. Jahrhundert die Städtekultur und Verkehrswirtschaft
 verstärkt, ja selbst der peloponnesische Krieg hat trotz
mannigfacher Verheerungen gerade der Industrie neue Impulse
gegeben (Waffenfabriken)‘®). Beloch hat‘) bei der Darstellung
dieser industriellen Entwicklung auch einen grundlegenden Irrtum
Büchers sehr treffend berichtigt, der nicht nur für die griechische
Geschichte in Betracht kommt. Aus dem Umstande, daß gelegentlich
das Spinnen und Weben auch im Hause durch Frauen besorgt wird,
darf keineswegs geschlossen werden, es seien die Textilien ausschließlich
 durch Hausarbeit der Frauen hergestellt worden. Es
schließt vielmehr diese Hausarbeit für einen Teil des Eigenbedarfes
das Bestehen einer Textilindustrie außerhalb des Hauses‘ oder
der Hauswirtschaft keineswegs aus. Sie hatte in Megara ihren
Hauptsitz.
Athen war im 5. Jahrhundert zur größten Industriestadt
emporgediehen. In Sparta, wo den Vollbürgern jede Gewerbetätigkeit
 untersagt war, wurde die Industrie von den Bürgern
minderen Rechtes und den Periöken getrieben. Da die Landwirtschaft
 den Eigenbedarf nicht zu decken vermochte, war ein starker
Getreideimport notwendig.
Bei dieser wirtschaftlichen Entwicklung ist es durchaus verständlich,
 daß der Geldverkehr immer mehr zunahm. Die Tribute,
welche in Athen zu jener Zeit (s. Jahrhundert) einströmten,
konnten derselben nur förderlich sein. Das Bankwesen hat sich

*) Vgl. Aristophanes, Vögel 1656.
®) Vgl. Ridgeway, The Journal of Hellenic Studies. 6, 334-)
 Vgl. zu Ed. Meyer, Jbb. f. Nat. UOkon. u. Statistik 64, 715 £., bes,
Beloch, Griech. Gesch. III, 1°, 317 #. (1922).
47) Griech. Gesch, II, 22, 440of. (r923); vgl. auch U. Wilcken, Alexander
d. Gr. und die hellenistische Wirtschaft. Schmollers Jb. f. Volkswirtschaft 45, 412.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.