Das Recht der „Abstraktion“.
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physikalischen Betrachtungsweise, dass sie von diesen Unterschieden
nicht absehen kann, dass sie schon vermöge ihrer ersten
Fragestellung an sie gebunden und auf sie angewiesen bleibt.
Die wahre Aufgabe der physikalischen Induktion besteht in der
getreuen Sammlung und Sichtung des Einzelnen: man vermag
ihr nicht gerecht zu werden, wenn man die Natur, statt sie
durch all ihre Besonderungen hindurch zu verfolgen, in ein
System allgemeiner mathematischer Beziehungen und — Abstraktionen
auflöst. Ein derartiger Einwurf lässt sich vom
Standpunkt des Aristotelischen Systems aus in der Tat begreifen.
Indem Aristoteles die mathematischen Gebilde aus der Tätigkeit
der Abstraktion hervorgehen lässt, hat er ihren Ursprung
in einer eigenen, freien Machtvollkommenheit des Geistes aufgehoben,
hat er die physischen Dinge, von denen der Gedanke
seine Grundbestimmungen abliest, an die erste Stelle gesetzt. Er
selbst zeigt sich hierbei wenigstens bemüht, die „Richtigkeit“
und die logische Zulässigkeit dieses Verfahrens zu verteidigen,
er sucht zu zeigen, dass bei dem Weglassen der konkreten zufälligen
Einzelbeschaffenheiten kein Fehler und kein Irrtum sich
eindrängen könne. Der entschlossenere Empirismus der neueren
Zeit indes hatte auch diesen Vorbehalt aufgehoben: bei Campanella
gilt die Beschränkung, die sich das Denken auferlegt,
indem es die Fülle der sinnlichen Inhalte unter bestimmten
begrifflichen Gesichtspunkten sondert und zerlegt, unmittelbar als
ein Beweis seiner Schwäche und Unzulänglichkeit. (S. ob. S. 222 ff.)
Von hier aus gewinnt die Forderung, mit der die moderne
Wissenschaft anhebt, eine veränderte Gestalt. Während sich im
biologischen System des Aristoteles der Zusammenhang und der
Stufengang der organischen Formen vor uns enthüllte, ist jetzt
nur die nakte „mechanische“ Gesetzlichkeit zurückgeblieben —
während dort die Natur in ihrer individuellen Lebensfülle den
Vorwurf bildete, tritt sie uns nunmehr nur in der Leere und
Allgemeinheit der mathematischen Formel entgegen. Man sieht,
wie die Rollen in dem Streite sich unmerklich vertauscht haben:
wie Galilei, der davon ausging, der Syllogistik eine neue Ansicht
der konkreten Wirklichkeit entgegenzustellen, eben dadurch mit
Notwendigkeit zum Verteidiger und Vorkämpfer der wissenschaftlichen
Abstraktion geworden ist. In dieser Umkehrung deckt