Die Spätromantik.
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wie sich ihm, seit etwa 1770, langsam ein pflanzlicher Typ
ergab, der sich in allen konkreten Pflanzengebilden nach den
Prinzipien der Kontraktion und Expansion der hauptsächlichsten
Teile auswirke: wie er dann seit 1791 auch einen Tiertypus
aufstellte, bei dem die Wirbelknochen bis zu dem Grade die
Rolle von Hauptkomponenten übernahmen, daß aus ihnen die
Schädelbildung erklärt wurde: wie dann schließlich beide Typ—
ansichten in leise Vorstellungen eines Urtyps überhaupt zu—
sammenschießen konuten. In diesem Sinne hat der alternde
Goethe einmal geäußert, daß die Systeme des Kelches, der
Krone und der Staubfäden dem Systeme der Stengelblätter
korrespondieren, Pistill, Fruchtbehälter und Frucht aber dem
Systeme der Augen angehören. „Wer sich dies anschaulich
machen kann, wird einen tiefen Blick in die Naturgeheim—
nisse tun.“
Charakteristisch war dabei für Goethe, daß er im allgemeinen
in den Grenzen der eben geschilderten Vorstellungen stehen
blieb. Es war ihm das Reich des noch Anschaulichen. Darüber
hinauszugehen, erschien ihm schreckhaft. „Das unmittelbare
Gewahrwerden der Urphänomene versetzt uns in eine Art
von Angst; wir fühlen unsere Unzulänglichkeit; nur durch das
ewige Spiel der Empirie belebt, erfreuen sie uns.“ Methodo⸗
logisch betrachtet bedeutete dies die Einschränkung auf eine
physiologische Stufe dynamisch- organischer Naturanschauung.
Gewiß löste sich Goethe dabei von den biblischen Ideen los,
die für Herder immer und immer wieder das Bild der Ent—
stehung der organischen Natur bestimmt hatten. Aber aus der.
Welt der in ihrer Genesis biblisch nicht mehr begrenzten physio⸗
logischen Möglichkeiten bis zu jenem Urgrunde vorzudringen,
den eigentlich schon der energetische Monismus Leibnizens
klargelegt hatte: als Grundprinzip eine Kraft anzunehmen, von
der aus Energieäußerungen Ursachenzusammenhänge schüfen, die
sich bei der ständigen Art der Energieausstrahlung als kon⸗
tinuierlich erwiesen: und nun diesen Urgrund mit der Mannig-—
—VV
nistische Hypothese und Theorie zu verbinden: so weit ging