Full text : Baugenossenschaften und der Berliner Spar- und Bauverein

3

getragen  werden.  Es  müßte  ein  Unterschied  gemacht  werden
zwischen  Wohnstraßen  und  Yerkehrsstraßen  und  zwar  sowohl
in  der  Anlage  der  Baustellen,  wie  in  der  Höhe  der  Häuser
und  der  Breite  der  Straßen.  Der  Umstand,  daß  dieselben  Vorschriften ­
  für  den  Bau  von  Häusern  mit  sehr  teuren  und  mit
sehr  billigen  Wohnungen  gelten,  daß  die  Belastung  hier  also
keine  entsprechenden  Unterschiede  zuläßt,  bildet  wiederum
ein  erschwerendes  Hindernis  für  den  Bau  kleiner  und  billiger
Wohnungen.
Die  Frage  des  Mietspreises  wird  natürlich  hauptsächlich
abhängen  von  den  Momenten,  welche  die  Wohnungsbaufrage,
wie  wir  oben  erörtert  haben,  ausmachen.  Alle  jene  Momente,
welche  zu  einer  Verteuerung  des  Grund  und  Bodens  und  der
Baukosten  beitragen,  wirken  natürlich  auch  in  derselben
Weise  auf  den  Mietspreis  ein.  Je  höher  aber  dieser  Preis  im
Verhältnis  zum  Einkommen  des  Mieters  steigt,  umso  schwerer
läßt  sich  eine  Uberfüllung  der  Wohnungen  verhindern  und
eine  vernünftige  Hygiene  der  Wohnungsnutzung  durchführen.
Es  würde  unter  diesen  Umständen  selbst  eine  energische
Wohnungsinspektion  kaum  etwas  ausricliten  können.')
Unabhängig  hiervon  ist  die  Frage  der  Wohnungsbenutzung, ­
  welche  von  der  Wohnsitte  abbängt,  eine  Erziehungs-
  und  Bildungsfrage,  welche  gerade  für  die  unteren
Klassen  von  der  allergrößten  Bedeutung  ist.  Es  kommt  hier
vor  allem  darauf  an,  wie  weit  die  weiblichen  Mitglieder  der
Arbeiterfamilien  sich  der  Hauswirtschaft  widmen  können  und
wie  weit  sie  es  verstehen,  Ordnung  und  Reinlichkeit  in  der
Wohnung  aufrecht  zu  erhalten  und  sie  mit  allen  Reizen  und
Anziehungskräften  einer  einfachen  und  geschmackvollen
ästhetischen  Kultur  auszustatten. *  2 )
Bei  der  Abschließung  des  Mietsvertrages  ist  der  Mieter
kleiner  Wohnungen  im  allgemeinen  in  einer  weit  ungünstigeren
Lage  als  der  Mieter  großer  Wohnungen.  Es  ergibt  sich  das

')  Schaffte  u.  Lechler,  Neue  Beiträge  zur  nationalen  Wohnungsreform,
  Berlin  1897,  S.  36  ff.
Mahraun,  Die  Ordnung  der  Arbeiterwohnungsfrage,  S.  5  ff.
2 )  Ivainpffmeyer,  Die  Baugenossenschaften  im  Kähmen  eines
nationalen  Wohnungsreformplanes,  Göttingen  1900,  S.  ‘29.

1*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.