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suchungs- und Prüfungsanstalten (deren es auch autonome Stellen
gibt) zu nennen. Es gilt die exakte Erforschung der Gesetze, die
sich auf das Leben der Handelspflanzen und Nutztiere, aber nicht
minder auch ihrer Schädlinge (siehe oben: Bekämpfung der Elementar-
schäden organischen Ursprunges) beziehen, also Probleme der Physio-
logie, Biologie, Bakteriologie, Serumlehre, aber auch der Vererbungs-
'ehre. Praktisch wirkt sich die Forschung aus in der Kontrolle des
Saatgutes (hinsichtlich Reinheit, Keimfähigkeit und Gehalt), der
Zuchttiere, des Düngers, der Futtermittel u. a. m.; eigene Anbau-
und Zuchtversuche, genügend lange und in genügender Zahl vor-
genommen, unterstützen die Theorie; nach dem Beispiele Professor
Neubauers (Dresden) werden neuerdings auch in Österreich moderne
»Bodenuntersuchungsstellen« errichtet (vgl. Arbeiter-Zeitung vom
17. Oktober 1927).
Besonders verheißungsvoll für erfolgreiche Höherleistung der
Landwirtschaft darf die moderne Vererbungslehre genannt werden.
Auf dem Internationalen Kongresse für Vererbungswissenschaften
Berlin 1927; vgl. Vossische Zeitung vom 26. August 1927) wurde
die große Ertragssteigerung in der Landwirtschaft und Viehzucht
durch Beobachtung der genetischen Erkenntnisse einmütig festgestellt.
Man beherrscht jetzt, wie Professor Baur (Institut für Vererbungs-
forschung in Dahlem) mitteilte, die Vererbungsfaktoren und kann
willkürlich (durch entsprechende Kombination der Merkmale) neue
Rassen züchten. Die einzelnen Rassenmerkmale können auch einzeln
vererbt werden. An interessanten Züchtungserfolgen seien beispiels-
weise angeführt: Züchtung von Rebensorten, die gegen Ungeziefer
und Pilze immun sind; Züchtung von Pelztieren in Mitteleuropa;
Höherzüchtung des Getreidekornes, die als »Rationalisierung« der
chemischen Fabrik bezeichnet wird, als welche das Getreide (Her-
stellung von Kohlehydraten und Eiweiß) gilt; Kreuzung rumänischer
Schweine, die immun gegen Schweinepest sind, mit deutschen
Rassen, um auch diese Tiere zu immunisieren; Züchtung der
Zuckerrübe auf höheren Gehalt u. a. m. Den (laienhaften) Einwand,
daß bei Vermehrung und Verbesserung, z. B. des Kornes, ein Preis-
rückgang zu befürchten sei, widerlegt eine klare volkswirtschaftliche
Erkenntnis: der noch vielfach, auch physiologisch zu geringe Ver-
brauch würde derart steigen, daß die Preise aus diesem Grunde
allein gewiß nicht zu sinken brauchen, abgesehen davon, daß über-
Nüssige Einfuhr vermieden wird.