Full text : Konserven und Konservenindustrie in Deutschland

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Wie  erwähnt,  herrscht  in  der  deutschen  Gemüsekonservenindustrie ­
  der  Brauch,,  daß  die  Gemüse  nach  Morgenzahl  abgeschlossen
werden.  Der  Fabrikant  ist  danach  verpflichtet,  alles,  was  auf  dem
v on  ihm  mit  seinen  Lieferanten  kontrahierten  Areal  wächst,  abzunehmen, ­
  gleichviel,  ob  die  Tageslieferungen  kleine  oder  große  sind  1 ).
Es  wird  ernstlich  von  seiten  der  Konservenfabrikanten  in  Erwägung ­
  gezogen  werden  müssen,  ob  die  Kontrakte  mit  den  Lieferanten ­
  künftig  nicht  besser  nach  Gewicht  abzuschließen  sind,  oder
daß  wenigstens  ein  Maximalquantum  pro  Tag  und  Morgen  festgesetzt
wird.  Damit  würde  allerdings  zweifellos  ein  erheblicher  Rückgang
des  Gemüseanbaues  verknüpft  sein.  Denn  bei  plötzlichem  Wachstum
würden  die  Landwirte  mit  erheblichen  Mengen  Rohwaren  sitzen
bleiben  und  diese  selbst  nicht  einmal  für  den  geringsten  Preis  an  den
Mann  bringen  können.  Die  Folge  würde  sein,  daß  die  vielen  Tausende ­
  von  kleinen  Landwirten  und  Anbauern  in  Zukunft  den  für  sie
so  lohnenden  Gemüsebau  nicht  mehr  betreiben  können.
In  volkswirtschaftlicher  Beziehung  wäre  der  Rückgang  des  erst
m it  Schwierigkeiten  aufgezogenen  deutschen  Gemüseanbaues  außerordentlich ­
  zu  bedauern.  Denn  gerade  die  Gegenden,  die  früher  zu
den  ärmsten  gehörten,  sind  durch  die  Konservenindustrie  zu  Wohlstand ­
  gekommen.  Viele  Tausende  von  Arbeitern,  die  in  der  Stadt
der  Arbeit  nachgehen  und  auf  dem  Lande  wohnen,  lassen  durch  ihre
Familie  den  Gemüsebau  betreiben  und  haben  dadurch  erhebliche
Nebeneinnahmen,  die  ihnen  gestatten,  sich  allmählich  ein  eigenes
Besitztum  zu  schaffen.  Gibt  es  doch  nach  den  früher  gegebenen
statistischen  Tabellen  über  die  Rohprodukte  Fabriken,  die  6—700
Lieferanten  haben,  welche  einen  Viertelmorgen  Erbsen,  einen  halben
Morgen  Bohnen,  2  Morgen  Spargel  usw.  bauen  und  außerdem  die
besten  Lieferanten  für  die  Fabriken  abgeben.  Werden  also  der
Konservenindustrie  die  dringend  erforderlichen  Erleichterungen  nicht
geschaffen,  so  wird  die  Folge  sein,  daß  sie  das  ihr  auferlegte  Risiko
Zu ®  Teil  auf  die  Landwirtschaft  abschiebt.  Da  die  Landwirtschaft
das  Risiko  aber  ebensowenig  zu  tragen  vermag,  wird  die  schließliche
Wirkung  die  sein,  daß  die  Gemüse•  bauende  Landwirtschaft  und  die
Gemüse  verarbeitende  Industrie  in  gleichem  Verhältnisse  leiden  und
ln  ihrer  Entwicklung  wahrscheinlich  dauernd  gehemmt  bleiben  werden.
Der  Verband  deutscher  Konservenfabrikanten  hat  nun  im  April
1904  eine  erneute  Eingabe  an  den  deutschen  Reichskanzler  gerichtet,

1)  Es  mag  hierbei  darauf  hingewiesen  werden,  daß  bei  Spargellieferungen  Variationen
ln  wenigen  Tagen  von  40  bis  ca.  250  Zentner  erfahrungsgemäß  entstehen  können.
            
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