Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

148  Künstliche  Düngemittel.

einwandfrei  erklären,  hält  Th.  Pfeiffer 1 )  sein  Verfahren  doch  für  richtiger;  es  mag
daher  hier  ebenfalls  beschrieben  werden:
Von  der  zu  untersuchenden  Flüssigkeit  werden  50  ccm  oder  mehr  —  bei  Kontroll-Untersuchungen
  unter  Zusatz  einer  abgemessenen  Salpeterlösung  —  in  ein  Lintnersches
  Druckfläschchen  eingefüllt  und  darin  nach  dem  Hinzufügen  von  etwa  10  gNatriumhydroxyd
  etwa  8  Stunden  auf  120—130°  erhitzt,  wozu  ein  gewöhnlicher  kleiner
Trockenschrank  benutzt  werden  kann.  Nach  dem  Erkalten  wird  der  Flascheninhalt
in  einen  Destillationskolben  gegossen  und  der  fest  an  der  Flaschenwandung  haftende
Belag  auf  ein  Filter  gespült,  welches  selbstverständlich  auf  den  Destillationskolben
gesetzt  wird.  Der  gut  ausgewaschene  Niederschlag  wird  getrocknet  und  zurückgestellt.
  Inzwischen  wird  die  Flüssigkeit,  nachdem  ihr  Gehalt  an  Natriumhydroxyd ­
  durch  Hinzufügen  von  Lauge  auf  die  bei  der  Salpeterbestimraung  übliche
Höhe  gebracht  worden  ist,  so  lange  gekocht,  bis  keine  Spur  von  Ammoniak  mehr
entweicht.  Man  überzeugt  sich  hiervon  am  sichersten  durch  zeitweises  Aufsetzen
eines  Kugelrohres,  wie  es  bei  der  Stickstoffbestimmung  gebraucht  wird;  die  ersten
aus  dem  schräg  gebogenen,  etwas  verlängerten  Rohr  abfließenden  Wassertropfen
dürfen  keine  alkalische  Reaktion  erkennen  lassen;  eine  Prüfung  der  heißen  Dämpfe
ist  viel  weniger  empfindlich. *  2 )  Hierauf  wird  der  getrocknete  Niederschlag  dem
Kolbeninhalt  wieder  zugesetzt,  das  Filter  mit  etwas  Essigsäure  und  Wasser  zur
Gewinnung  etwaiger  noch  am  Papier  haftenden  Spuren  von  Nitraten  ausgewaschen
und  nunmehr  die  Reduktion  mit  Zink-Eisen  usw.  in  üblicher  Weise  bewirkt.  Die
Destillation  erfordert  wegen  des  erwähnten  Schäumens  große  Vorsicht  und  muß
nötigenfalls  wiederholt  werden.  Das  Erhitzen  unter  Druck  scheint  teilweise  nur
eine  Lockerung  der  Stickstoffverbindungen  zu  bewirken;  letztere  zerfallen  dann
erst  vollständig  bei  der  erwähnten  Behandlung.
C.  Bestimmung  der  Phosphorsäure.
1.  Bestimmung  der  freien  Phosphorsäure. 3 )  a)  Maßanalytisches  Verfahren. ­
  Von  dem  wässerigen  Auszuge  eines  freie  Phosphorsäure  enthaltenden
Düngers  (Superphosphats)  wird  ein  1  g  Substanz  entsprechender  Teil  in  einem  Erlenmey
  er-Kolben  mit  Wasser  auf  etwa  100  ccm  verdünnt  und  mit  2—3  Tropfen  einer
wässerigen  Lösung  von  reinem  Methylorange  (1  :  1000)  versetzt.  Man  titriert
sodann  mit  Natronlauge,  bis  die  rote  Farbe  in  Gelb  Ubergegangen  ist.
Bezüglich  der  Einstellung  der  Natronlauge  ist  zu  bemerken,  daß  man  zweckmäßig
eine  Lösung  reiner  Phosphorsäure  von  genau  ermitteltem  Gehalte  unter  den  gleichen  Bedingungen ­
  wie  oben  verwendet,  d.  h.  in  ungefähr  derselben  Verdünnung,  und  die  saure
Lösung  mit  der  Lauge,  nicht  umgekehrt,  titriert.  Der  Parbenumsohlag  tritt  ein,  sobald
das  primäre  Salz  aus  der  Phosphorsäure  nach  folgender  Gleichung  gebildet  ist:  H 3 P04-T"
NaHO  =  NaH 2 P0 4  -j-  H 2 0.  Empfehlenswert  ist  ein  Übertitrieren  der  Superphosphatlösung
mit  Lauge,  darauf  folgendes  Abfiltrieren  des  Niederschlags  und  Zurüoktitrieren  des  Alkali-Überschusses
  mit  Säure  in  einem  aliquoten  Teile  des  Filtrats,  damit  man  den  Farbenumschlag
besser  erkennen  kann.  Das  Übertitrieren  bringt  allerdings  einen  Fehler  mit  sich,  darin
begründet,  daß  Natronlauge  durch  den  Niederschlag  gebunden  wird,  und  zwar  um  so  mehr,

')  Zoitschr.  f.  anal,  Chemie  1903,  42,  612.

2 )  Wurde  die  Flüssigkeit  alsdann  zur  Kontrolle  in  üblicher  Weise  längere  Z el **
weiter  destilliert,  so  ließ  sich  in  dem  in  titrierter  Schwefelsäure  aufgefangenen  Destillat
keine  Spur  von  Ammoniak  nachweisen,  ein  sicheres  Zeichen,  daß  die  Zersetzung  vollständig
beendigt  war.

3 )  Nach  den  Vereinbarungen  des  Vereins  deutscher  Düngerfabrikanten.  BerlUh
(Weidmannsche  Buchhandlung)  1903.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.