Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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heimische  Gefälle  Z.  Schwieriger  gestaltet  sich  die  Trocknung  bei
schweren  Fellen,  und  die  alten  Gerbermeister  wissen  davon  zu  erzählen,
wie  anhaltende  Gewitterstimmung  oder  heiße  Tage  zur  Schlachtzeit
ihnen  billige  Häute  in  die  Werkstatt  brachten,  weil  eben  eine  abwartende
Haltung  der  Metzger  und  Händler  das  Hautmaterial  wegen  drohender
Fäulnis  gefährdete.  Nach  größeren  Lieferungen  der  Aufkäufer,  welche
mit  schwer  beladenen  Wagen  aus  der  Nähe  und  aus  größerer  Ferne
angefahren  kamen,  wurde  Pulver  „aufgeblitzt",  um  den  Geruch  der  in
erste  Fäulnis  eintretenden  Häute  zu  vertreiben.  Die  gesamte  Rohware,
also  auch  die  schwersten  Häute,  welche  in  die  Gerbereien  eingeführt  oder
durch  Händler  und  Fleischer  angesammelt  wurden,  wurde  auf  Stangen
getrocknet.  Dazu  waren  große  Bodenräume  notwendig,  eine  Vorbedingung, ­
  welche  nur  Häutehändler  in  eigenen  geräumigen  Grundstücken ­
  erfüllen  konnten^).  Immerhin  ist  Lufttrocknung  zur  Konservierung ­
  auch  hier  nicht  selten,  schon  im  17.  Jahrh,  bezog  man  getrocknete ­
  Damhirschfelle  aus  Nordamerikas,  und  die  Ochsenhäute  aus
Buenos  Ayres  kamen,  wie  im  Anfange  des  19.  Jahrh/),  so  auch  später
noch°),  häuptsächlich  aus  Pampas,  Llanos  und  anderen  Teilen  Südamerikas ­
  getrocknet  nach  Europa.  Das  alles  beweist,  daß  bloße  Trocknung
eine  Aufbewahrung  der  rohen  Häutematerialien  ermöglicht,  und  daß  es
nicht  angängig  ist,  die  Notwendigkeit  der  Verarbeitung  der  frischen
Häute  in  Zusammenhang  zu  bringen  mit  der  Unmöglichkeit  der  Störarbeit, ­
  wie  dies  Dunker  zu  tun  scheint");  denn  ganz  abgesehen  von  der
Konservierung  durch  Trocknen  ist  auch  eine  antiseptische  Konservierungsmethode ­
  schon  lange  bekannt,  nämlich  die  Methode  des  Einsalzens.
Ursprünglich  wurden  die  Felle  und  Häute  trocken  gesalzen,  d.  h.
sie  wurden  vor  dem  Trocknen  mit  Salz  eingerieben,  und  auch  das  Einreiben ­
  mit  Soda  vor  dem  Trocknen  war  schon  zu  Anfang  des  17.  Jahrh,
bekannt');  immerhin  waren  das  ziemlich  kostspielige  Konservierungsmethoden, ­
  weil  das  gewöhnliche  Speisesalz  ziemlich  hoch  im  Preise
stand.  Bedenkt  man,  daß  die  ganze  Organisation  des  heutigen  inländischen ­
  Häutehandels  erst  durch  die  Salzung  ermöglicht  wurde,  so  sieht
man,  in  welch  weitsichtiger  Weise  der  Colbertismus  vorgearbeitet  hatte,
unter  welchem  im  Jahre  1673  zwischen  den  Fleischern  zu  Paris  und
den  Generalpächteru,  welche  am  Salzschanke  teil  hatten,  ein  Vergleich
getroffen  wurde,  welcher  durch  einen  öffentlichen  Befehl  autorisiert  und
am  16.  Oktober  1673  im  Steuerkammerbericht  registriert  wurde;  danach ­
  sollte  den  Fleischern  das  Salz,  welches  beim  Stockfischfange  geJörissen ­
  1909,  S.  52.  2  3  4 )  Schuh  und  Leder  1908,  Nr.  10,  S.  58.
3 )  Schauplatz  1775,  Bd.  IV,  S.  120.
4 )  Hermbstädt  1807,  Bd.  II,  S.  175,  191.  5 )  Heinzerling  1882,  S.  16.
°)  Dunker  1903,  S.  116.  Schauplatz  1766,  Bd.  V,  S.  325.
            
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