Full text : Das Zolltarifgesetz der Vereinigten Staaten von 1913

den.  Eine  solche  Versuchung  wird  größer,  sobald  die  Zölle  höher
werden,  und  verschwindet,  sobald  sie  niedrig  sind.  Obwohl
man  hierfür  keine  Regel  feststellen  kann,  ist  es  wahrscheinlich,
daß  ein  Wertzoll  von  30%  ebenso  ehrlich  und  wirkungsvoll  auf
Standardwaren  eingezogen  werden  kann,  wie  ausgearbeitete  Spezialzölle. ­
  Die  Gefahr  einer  versuchten  Hinterziehung  wird  erst
dann  akut,  wenn  der  Zoll  40%  und  mehr  beträgt.  Natürlich  ist
die  Gefahr  am  größten  bei  Waren,  die  keinen  Standardcharakter
haben,  weil  deren  laufende  Marktpreise  schwer  zu  kontrollieren
sind.  Zufällig  ist  aber  gerade  Baumwolle  dieser  Art  in  früheren
Tarifen  einem  Wertzoll  unterworfen  gewesen.  Soweit  diese
Sorten  in  Betracht  kommen,  sind  die  Schwierigkeiten  geringer
anstatt  größer  geworden,  da  der  Wertzoll  verringert  worden  ist,
während  bei  den  Waren,  auf  denen  früher  ein  Spezialzoll  lastete,
weder  der  Zollsatz  noch  der  Charakter  der  Ware  ein  solches
System  anwendbar  machen  läßt.
Die  Zölle  auf  Seide  sind  nach  demselben  Prinzip  wie  die
auf  Baumwolle  umgestaltet  worden.  Auch  hier  traten  Wertzölle
an  Stelle  der  Spezialzölle.  Der  allgemeine  Zollsatz  auf  Seidenfabrikate ­
  ist  45%;  auf  Samt  und  Plüsch  50%.  Im  Senat  wurden
Amendements  eingefügt  (obwohl  mit  einigen  Ermäßigungen),  in
denen  man  das  frühere  System  der  Verzollung  pro  Pfund  beibehielt.
  Die  Repräsentanten  weigerten  sich  aber,  diesen  Amendements ­
  zuzustimmen,  und  das  endgültige  Gesetz  strich  fast  alle
Spezialzölle  auf  Seide.
Auch  in  diesem  Falle  ist  die  Abschaffung  des  Spezialzolles
darauf  zurückzuführen,  daß  man  seinen  Zweck  und  seine  Wirkung ­
  anzweifelte.  Das  hochgradig  verwickelte  System  vom
Jahre  1897,  das  im  Jahre  1909  beibehalten  wurde,  ist  nominell  von
Zollbeamten,  aber  doch  unter  dem  Rat  und  der  Mithilfe  von
Fabrikanten  entworfen  worden.  Das  Gesuch  um  Abänderung  des
Wertzolls  in  einen  Spezialzoll  wurde  damit  begründet,
daß  man  nur  durch  diesen  der  Unterbewertung  der  Waren
und  dem  Betrüge  verbeugen  zu  können  glaubte.  Zweifelsohne ­
  waren  frühere  Unterbewertungen  allgemein  und  oft
auffallend  gewesen  und  ebenso  zweifellos  ließ  dies  zwar
im  Jahre.  1897  nach,  hörte  aber  keineswegs  auf,  da  unter
            
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