Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs  Bank-  und  Finanzwirtschaft.

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dritten  Jahres  und  wenn  auch  angenommen  werden  sollte,  daß  er  es
nicht  noch  ausfüllen  würde,  so  steht  es  andererseits  fest,  daß  mit  dem
Tage  des  Friedens  nicht  der  Tag  der  Aufnahme  von  Mietszahlungen
oder  gar  die  Tilgung  der  aufgelaufenen  Mieten  verbunden  ist.  Es  dürfte
daher  keine  Übertreibung  darstellen,  wenn  die  Summe  der  durch  das
Mietsmoratorium  gebundenen  Gelder  auf  4,500—5,000  Milliarden  Frcs.
veranschlagt  wird.  Diese  hohe  Ziffer  ist  nun  aber  absolut  gefaßt  nicht
vollkommen  haltbar.  Denn  tatsächlich  zahlen  weite  Kreise  der  Bevölkerung ­
  ohne  jede  Stockung  ihre  Mieten  fort,  namentlich  soweit  sie
durch  den  Krieg  in  dem  Bezüge  ihrer  Einnahmen  nicht  wesentlich  gestört ­
  sind.  Aber  es  steht  auch  fest,  daß  ein  ebenso  großer  Teil  hierzu
nicht  in  der  Lage  ist,  einfach  schon  darum  nicht,  weil  Verraögensverluste
  oder  -Verringerungen  durch  den  Krieg  eingetreten  sind,  die  Ernährer
und  Erhalter  der  Familie  vielfach  im  Felde  stehen  u.  a.  m.  So  kann  die
durch  das  Mietsmoratorium  gebundene  Summe  auf  etwa  2,5  Milliarden
Frcs.  geschätzt  werden.
Hier  werden  die  Rückwirkungen  des  Mietsmoratoriums  besonders
schwerer  Natur  sein,  und  sie  können  in  späterer  Zeit  leicht  verhängnisvoll
auf  den  gesamten  Bau-  und  Wohnungsmarkt  zurückfallen.  Der  Hausbesitzer ­
  empfängt  keine  oder  doch  nur  spärliche  Mietszahlungen;  er  ist
dann  außerstande,  seinen  Hypothekengläubigern,  z.  B.  dem  Credit  Foncier,
die  Zinsen  zu  entrichten.  Nicht  allein  die  Unmöglichkeit,  Zinsen  zu  entrichten, ­
  auch  der  Ausfall  an  dem  regelmäßigen  Ertrage  des  im  Hause  angelegten ­
  Kapitals,  des  für  eine  längere  Zeit  gebundenen  Vermögens,  das
jetzt  noch  durch  die  Kriegseinwirkungen  oftmals  gefährdet  erscheint,
werden  für  die  Hausbesitzer  ein  unerträglicher  Zustand.  Im  künftigen
Frieden  wird  der  Steuerdruck  noch  höher  und  an  ihnen  gewiß  nicht  vorübergehen ­
  können.  Diese  Schwierigkeiten  werden  sich  leicht  weiter  fortpflanzen ­
  und  auf  dem  gesamten  Hausmarkte  ungünstig  zurückwirken.
Der  hohe  Ausfall  an  Hypothekenzinsen  führt  notwendig  zu  einer  Entwertung ­
  der  emittierten  Hypotheken-Pfandbriefe  und  damit  zu  einer
Deroutierung  des  Pfandbriefmarktes.  Ungenügender  Geldzustrom
für  den  Baumarkt,  hohe  Mietspreise  bei  unerträglicher  Wohnungsnot
sind  die  bekannten  Folgen  und  Endglieder  dieser  Kette.
Die  wenigen  und  nur  in  kurzen  Zügen  durchgeführten  Beispiele
dürfien  erwiesen  haben,  daß  auch  bei  sorgfältigster  Ausarbeitung  und
schärfster  Überlegung  ein  allgemeines  Moratorium  allen  Anforderungen
sofort  nicht  zu  genügen  und  zur  vollkommenen  Zufriedenheit  des  gesamten ­
  nationalen  Wirtschaftslebens  nicht  zu  wirken  vermag.  Jedes
Moratorium  muß  Änderungen  unterworfen  sein,  die  den  wirtschaftlichen
Verhältnissen  immer  angepaßt  sind,  muß  notwendig  Berücksichtigung
von  Ausnahmen  aufnehmen.  Die  Regierung  trifft  in  ihren  Bestimmungen
r  B.  auch  keinerlei  Anordnungen,  die  ihren  Schuldnern  irgendwelchen
kommt  er  auf  5%  Milliarden  Frcs.  gestundete  Mietsgelder  —  unter  Annahme  daß  der
Krieg  sich  über  3  Jahre  erstreckt  —  und  hiervon  sollen  etwa  60  %  nicht  bezahlt  werden
so  daß  also  3300  Mill.  Frcs.  gestundete  Mietsgelder  abzubauen  wären
            
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