139
Dächer und Wände und das Aeußere der Häuser erhalten die not
wendigen Reparaturen. Nach den vom Bezirksamt mitgeteilten
Zahlen beträgt die Zunahme der Bevölkerung, die bis dahin ziem
lich konstant blieb, von 1890 bis 1900 3 Prozent bei einer Ver
mehrung der Heimarbeiter von 3 auf 23 Prozent und von 1900
bis 1910 um 7,74 Prozent bei einem Anwachsen der Heimarbeiter
von 23 auf 56 Prozent. Abseits vom Fremden- und Ausflügler
verkehr, 2 Stunden von der Eisenbahnstation, ohne Nachbarschaft
von Fabriken, ist hier die äußere Umwandlung lediglich durch
Heimarbeitsgelegenheit bewirkt. Die Gemeinde als solche ist
zahlungskräftiger geworden, denn die Zahl der Steuerzahler ist in
derselben Zeit von 227 auf 272 gestiegen, und zwar um 5,77 Pro
zent stärker als die Bevölkerung."
Allerdings können nur technisch leistungsfähige Gewerbe die
Aufgabe, der Landwirtschaft die nötige Zubuße zu gewähren, lösen;
wo die fortgeschrittene Fabriktechnik die Heimarbeit so bedrängt, daß
sie keine halbwegs genügenden Löhne mehr zahlen kann, wird sie
zunächst von den Männern, dann auch von den Frauen verlassen;
so die Hausweberei in Baden, Schlesien, Sachsen und Oberfranken.
* *
*
Ueberwiegen — zunächst unter rein agrarischem Ge
sichtswinkel gesehen — bei der Verbindung von Kleinbauerntum
und Landwirtschaft im großen und ganzen die Vorteile, so sind die
Erfahrungen und Urteile weniger einheitlich da, wo der Land
arbeiter zur Heimarbeit greift.
Bisher kam hierfür wesentlich der Tagelöhner Westdeutsch
lands in Frage, der ein kleines Besitztum sein Eigen nennt, oder
— in einem Bezirk der Fveiteitbarkeit des Bodens — doch die Mög
lichkeit hat, zu einein Stückchen Land zu kommen und sich empor
zuarbeiten. Es hat sich gezeigt, daß der Landarbeiter nicht ungern
zur Heimarbeit greift, die weniger anstrengend ist und den Arbeiter
ilicht der Unbill der Witterung aussetzt. Ergibt sie zudem noch
einen — an den landwirtschaftlichen Barlöhnen gemessen — leid
lichen Verdienst, so liegt es nahe, daß der Landarbeiter allmählich