Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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eines  'Kriegsleistungsgesetzes  für  ihn  zu  arbeiten,  für
sich  selbst  arbeiten  lassen.  Wenn  man  dadurch  die  eigene  Bevölkerung ­
  entlastet  und  dies  während  eines  Weltkrieges  in  großem  Maßstabe  tut,
könnte  eine  Umgestaltung  des  Arbeits  Verhältnisses  überhaupt ­
  die  Folge  sein.
Die  ganze  Struktur  des  Kriegsleistungsgesetzes  bringt  es  deutlich  zum  Ausdruck, ­
  wie  innig  im  Kriegsfall  das  Zusammenwirken  von  Militär-  und  Zivilverwaltung ­
  sich  gestalten  wird.  Die  Erfahrungen  aus  dem  Balkankriege  lassen
schließen,  daß  die  scharfen  Unterschiede  während  des  Krieges
selbst  vielfach  ganz  verwischt  werden  dürften.  Die  Armee
interessiert  sich  begreiflicherweise  heute  mehr  als  früher  für  Zivilangelegenheiten,
aber  gleichzeitig  sehen  wir  auch  eine  Zunahme  des  Interesses  für  militärische
Angelegenheiten  bei  der  Zivilbevölkerung.  Zwar  sind  auch  deutliche  antimilitärische ­
  Strömungen  vorhanden,  aber  es  ist  eine  historisch  mehrfach  beobachtete
Tatsache,  daß  Bewegung  und  Gegenbewegung,  Religiosität  und  Atheismus  usw.
gewissermaßen  einander  ergänzen.  Es  ist  z.  B.  bemerkenswert,  daß  das  interessante ­
  Buch  „Die  neue  Armee“,  worin  das  Milizsystem  auf  seine  Anwendbarkeit
in  Frankreich  untersucht  wird,  von  Jaurès  —  einem  Sozialisten  —  stammt.  Er
opponiert,  aber  seine  Opposition  legt  Zeugnis  davon  ab,  daß  der  Verfasser  sich
eingehend  mit  militärischen  Fragen  beschäftigt  hat.  Heute  nimmt  jedenfalls
unter  den  Politikern  aller  Parteien  die  Überzeugung  zu,  daß  man  der  Beschäftigung ­
  mit  militärischen  Problemen  nicht  aus  dem  Wege  gehen  kann.  Kurzum,
die  Notwendigkeit,  im  Kriegsfälle  die  gesamte  Bevölkerung  Zusammenwirken  zu
lassen,  dürfte  dazu  führen,  daß  die  Militär-  und  Zivilbevölkerung
sich  ein  immer  größeres  Gebiet  politischer  und  militärischer ­
  Einsicht  schafft,  das  Gemeingut  aller  wird.
Wir  sahen,  daß  die  auch  im  Kriegsleistungsgesetz  zum  Ausdruck  kommenden ­
  Tendenzen  unserer  Zeit  dahin  zielen,  das  öffentlich-rechtliche ­
  Verhältnis  in  ernsten  Zeiten  immer  häufiger  an  die
Stelle  des  privatrechtlichen  treten  zu  lassen.  Diese  Betonung  des
öffentlichen  Interesses  drängt  aber  von  vornherein  die  Wertschätzung  der
Geldwirtschaft  zurück,  da  diese  im  wesentlichen  ein  Produkt
unorganisierter,  individualistischer  Klassen  und  Zeitalter ­
  ist.  Die  patriarchalischen  Zustände,  die  Bedeutung  der  öffentlichen
Gewalten  für  Prcjduktion  und  Konsumtion,  wie  sie  in  früheren  Perioden
schon  vorkamen,  ist  der  Gegenwart  vertrauter  als  den  eben  verflossenen
Epochen.  Die  Gegenwart  beginnt  wieder  die  Zeit  vor  hundert  Jahren  zu
verstehen  ;  Vater  und  Sohn  sind  eben  häufig  einander  fremder  als  Großvater
und  Enkel.  Die  Bemühungen,  den  Staat  als  ein  Ganzes  aufzufassen,  sind  vor
hundert  Jahren  ähnlich  lebendig  gewesen,  wie  heute.  Damals  hat  ein  hervorragender ­
  Denker,  Adam  Müller,  zu  zeigen  gesucht,  daß  innerhalb  der  Geldordnung ­
  die  sozialere  Zeichengeldorganisation,  welche  die  unsozialere  Einrichtung ­
  des  vollwertigen  Metallgeldes  zurückzudrängen  bestimmt  war,  ein
Produkt  großer  Kriege  war.  „Wir  erinnern  uns  aus  der  Geschichte  eines
Zustandes  von  Europa,  wo  nur  der  bei  weitem  kleinere  Teil  alles  Verkehres
der  Menschen  untereinander  mit  barem  Gelde  betrieben  wurde.  Ich  möchte
sagen  :  in  allen  Verhältnissen  des  Lebens,  wo  die  Menschen  einander  unmittelbar ­
  berühren  und  erreichen  konnten,  da  waren  sie  einander  ohne  Dazwischenkunft
  des  entfremdenden  Metallgeldes  gewiß  ;  nur  für  Relationen  mit  ganz
fremden  Gegenden  und  Menschen  waren  die  spärlich  vorhandenen  Metalle
notwendig.  Man  erlaube  mir  zuförderst  diesen  Zustand  der  Dinge  natürlicher
zu  finden,  als  den  späteren.  Die  nächsten  Verhältnisse  des  Lebens  wurden
behandelt  wie  die  entferntesten,  weil  die  entferntesten  durch  die  Beweglichkeit
und  Allgemeingültigkeit  der  Metalle  zu  nahe  gerückt  wurden.  Die  notwendige
Folge  war  einerseits  ein  flaches  weltbürgerliches  Interesse  an  der  Menschheit
im  ganzen,  d.  h.  inwiefern  diese  empfänglich  war  für  den  Reiz  der  edlen
Metalle,  und  andererseits  eine  völlige  Entfremdung  von  den  näheren,  gründlicheren, ­
  vaterländischen  Angelegenheiten.“  Und  Müller  weist  darauf  hin,
daß  der  Übergang  von  der  metallistischen  Geldordnung  zum  Papiergeld  Kriege
nötig  hatte:  „Die  Rückkehr  der  Menschen  von  dem  Zustande  metallischer
            
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