Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Seide 
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Seife 
pergamentartigen Häutchen, die erweicht, zer 
rissen, gekratzt und gekämmt werden. Von die 
sem sog, Stamm = Kreszentinstamm (frz. 
Cardette) gewinnt man durch Abspinnen das 
Kreszentingarn. Der nicht kämmbare Teil 
(Chappe) wird zur Zerstörung des die Fasern 
zusammenhaltenden Leimes einem Fäulnisprozeß 
unterworfen und ist nun spinnbar. Die geringste 
Sorte Florettseide liefern die von den Reisern 
abgezogenen Fäden, mit denen die Raupe den 
Kokon befestigt hatte. Sie sind sehr lose und 
finden zu Wattseide Verwendung. Endlich 
unterscheidet man noch Strazza (frz. Estrasse), 
die Abfälle von der Verarbeitung der Rohseide 
zu Organsin und Trama, und Seidenwerg oder 
Stumpen (frz. Bourre de soie), den Abfall beim 1 
Kämmen der gefaulten Kokons, aus denen das 
Bourettegarn gesponnen wird. D(e gesponnene 
Florettseide ist ein wirkliches, durch Zusammen 
drehen kürzerer und längerer Fasern entstehen 
des Garn, das aber nie die Glätte und den Glanz 
der filierten S. erreicht. —• In chemischer Hin 
sicht besteht die S. hauptsächlich, zu 50—6o°/oi, 
aus einem stickstoffhaltigen Körper, dem sog. 
Fibroin, daneben sind 24—25 % Albumin sowie 
geringe Mengen Wachs, Harz und Farbstoffe 
vorhanden. Der ungefähr 20% ausmachende 
gummiartige Überzug, der beim Degummieren 
der Rohseide entfernt wird, der Seidenleim 
oder das Serizin, ist als ein Oxydationsprodukt 
des Fibroins aufzufassen. Neben den zahlreichen 
Verfälschungen der S. durch fremde Gespinste, 
die mit Hilfe des Mikroskops nachgewiesen wer 
den, finden sich auch mineralische Beschwerungs 
mittel, selbst giftige Blei- und Quecksilbersalze, 
über ihre Anwesenheit gewährt meist schon die 
einfache Verbrennungsprobe Aufschluß. Versucht 
man reine, echte, schwarz gefärbte S. zu ver 
brennen, so kräuselt sie sich sofort zusammen, 
verlöscht bald und hinterläßt sehr wenig Asche 
von ganz hellbräunlicher Farbe. Verfälschte Seide, 
die leicht speckig wird und bricht, brennt da- | 
gegen langsam fort, namentlich glimmen die i 
Schußfäden weiter, wenn sie stark mit Farbstoff 
beschwert sind, und hinterlassen eine dunkel 
braune Asche, die sich im Gegensatz zur echten 
S. nicht kräuselt, sondern nur krümmt. Die 
zahlreichen Seidenstoffe, die meist durch ein 
faches Zusammenlegen und Pressen, bisweilen 
auch durch Gummieren und Kalandern hergestellt 
Werden, unterscheidet man in 1. glatte, 2. ge 
köperte, 3. gemusterte, 4. Gaze, 5. Samt. 
Unter den glatten oder leinwandartig gewebten 
Stoffen sind die Tafte leichtere und schwerere 
Zeuge aus entschälter S. mit Organsinkette und 
Einschlag von Tramseide. Ganz leichte Gewebe 
bilden den Futtertaft (Avignon, Florence), 
ptwas schwerere den Kleidertaft. Bei diesen 
Et die Kette ein-, der Einschuß ein- bis drei- 
fädig. Doppeltaft (Marcelline) hat zweifädige 
Kette und zwei- bis dreifädigen Einschuß. Die 
dichtesten taftartigen Zeuge, Gros, haben zwei 
fädige Kette und zwei- bis sechsfädigen Schuß. 
Zu den geköperten Stoffen gehören die ver 
schiedenen Sergen (Croisö, Levantin. Drap 
de Soie, Bombasin) und der Atlas oder 
Satin. Gemusterte Zeuge kommen in der 
größten Mannigfaltigkeit, unter den verschieden 
sten Namen und sowohl gewürfelt, gestreift 
und geblümt vor. Samtartige Stoffe sind der 
echte Samt, geschnitten und ungeschnitten, sowie 
Plüsch und Felbel. Gazeartige Gewebe kom 
men als Gaze, Flor, Marly, Krepp, Stramin, 
Baröge und Beutelgaze in den Handel. Daneben 
werden noch gemischte Stoffe in Verbindung 
mit Wolle, Alpaka, Mohär, Baumwolle und Lei 
nen, sowie Gewebe aus Seidenshoddy nach 
Art der Kunstwolle hergestellt, 
Seide, künstliche, wird nach verschiedenen 
Verfahren aus Derivaten der Zellulose dargestellt. 
Zur Herstellung der Chardonnetschen Kunst 
seide werden dickflüssige Lösungen von Kollo 
diumwolle aus feinen Öffnungen gepreßt und 
die in Wasser erhärtenden Fäden aufgehaspelt 
und getrocknet. Durch Behandlung mit Natrium 
oder Ammoniumsulfid (das sog. Denitrieren) macht 
man die S. unverbrennlich. Andere Arten von 
Kunstseide werden aus Lösungen von Zellulose 
in Kupferoxydammoniak (Glanzstoff), Zink 
chlorid. Schwefelsäure oder Phosphorsäure, ferner 
ausAzetylzellulose (Azetatseide) oder ausZel- 
lulosexanthogenat (Viskoseseide) gewonnen. 
Auch baumwollene Gewebe, denen man durch 
eine mechanische Behandlung mit geriffelten 
Walzen oder eine chemische Einwirkung von 
Natronlauge (Merzerisieren) einen Seidenglanz 
verliehen hat, werden ajs künstliche S. be 
zeichnet. Zur Unterscheidung der Seide von der 
Kunstseide hält man einen Faden an ein brennen 
des Streichholz. Seide entflammt und glimmt 
nicht und riecht nach Horn, Kunstseide brennt. 
Beim Kauen behält echte Seide ihren Zusammen 
halt, Kunstseide zerbröckelt, wie man beim Aus 
spucken in Wasser sieht. 
Seidelbastrinde (Kellerhalsrinde, lat. Cor- 
tex mezerei, frz. Ecorce de mözöreon, engl. Meze- 
reon bark). Der zu den Giftpflanzen gehörende 
Seidelbast, Daphne Mezereum, ist ein in 
höher gelegenen Laubwäldern des nördlichen 
Europas und Asiens nicht seltener Strauch mit 
kleinen rosenroten, trichterförmigen und vier- 
spaltigen, vor den Blättern erscheinenden, stark 
duftenden Blüten und bei der Reife ziegelroten 
Beeren. Die im Spätherbst geschälte dünne 
Rinde der meist nur federkielstarken und oft 
doch dünneren Stämmchen oder Ruten dient 
ihrer scharfen Bestandteile halber als blasen 
ziehendes oder hautreizendes Mittel, indem sie 
entweder im aufgeweichten Zustande aufgelegt 
wird, oder indem man das daraus bereitete 
weingeistigö Extrakt verwendet. Als wirksame 
Bestandteile sind Daphnin, das sich in Daph- 
netin und Zucker spalten läßt, sowie das 
hautreizende Anhydrid der Mezerinsäure vor 
handen. 
Seife (lat. Sapo, frz. Savon, engl. Soap). Als 
Seifen im weiteren Sinne bezeichnet der Che 
miker alle Verbindungen von Basen mit einer 
organischen fetten Säure und spricht demnach 
von Kaliseife, Kalk- und , Magnesia- und 
Bleiseife. Die letztere bildet die Grundlage 
von Pflastern und Salben, Kalk- und Magnesia 
seifen sind in Wasser unlösliche pulverige Körper, 
und nur die Alkaliseifen lösen sich in Wasser 
zu schäumenden Flüssigkeiten. Unter eigentlichen 
Seifen für Waschzwecke versteht man ausschließ 
lich die letzteren, also fettsaure Alkalien. . Als 
Ausgangsstoffe zur Herstellung der S. kommen
	        
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