Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Seide

409

Seife

pergamentartigen  Häutchen,  die  erweicht,  zerrissen, ­
  gekratzt  und  gekämmt  werden.  Von  diesem ­
  sog,  Stamm  =  Kreszentinstamm  (frz.
Cardette)  gewinnt  man  durch  Abspinnen  das
Kreszentingarn.  Der  nicht  kämmbare  Teil
(Chappe)  wird  zur  Zerstörung  des  die  Fasern
zusammenhaltenden  Leimes  einem  Fäulnisprozeß
unterworfen  und  ist  nun  spinnbar.  Die  geringste
Sorte  Florettseide  liefern  die  von  den  Reisern
abgezogenen  Fäden,  mit  denen  die  Raupe  den
Kokon  befestigt  hatte.  Sie  sind  sehr  lose  und
finden  zu  Wattseide  Verwendung.  Endlich
unterscheidet  man  noch  Strazza  (frz.  Estrasse),
die  Abfälle  von  der  Verarbeitung  der  Rohseide
zu  Organsin  und  Trama,  und  Seidenwerg  oder
Stumpen  (frz.  Bourre  de  soie),  den  Abfall  beim 1
Kämmen  der  gefaulten  Kokons,  aus  denen  das
Bourettegarn  gesponnen  wird.  D(e  gesponnene
Florettseide  ist  ein  wirkliches,  durch  Zusammendrehen ­
  kürzerer  und  längerer  Fasern  entstehendes ­
  Garn,  das  aber  nie  die  Glätte  und  den  Glanz
der  filierten  S.  erreicht.  —•  In  chemischer  Hinsicht ­
  besteht  die  S.  hauptsächlich,  zu  50—6o°/oi,
aus  einem  stickstoffhaltigen  Körper,  dem  sog.
Fibroin,  daneben  sind  24—25  %  Albumin  sowie
geringe  Mengen  Wachs,  Harz  und  Farbstoffe
vorhanden.  Der  ungefähr  20%  ausmachende
gummiartige  Überzug,  der  beim  Degummieren
der  Rohseide  entfernt  wird,  der  Seidenleim
oder  das  Serizin,  ist  als  ein  Oxydationsprodukt
des  Fibroins  aufzufassen.  Neben  den  zahlreichen
Verfälschungen  der  S.  durch  fremde  Gespinste,
die  mit  Hilfe  des  Mikroskops  nachgewiesen  werden, ­
  finden  sich  auch  mineralische  Beschwerungsmittel, ­
  selbst  giftige  Blei-  und  Quecksilbersalze,
über  ihre  Anwesenheit  gewährt  meist  schon  die
einfache  Verbrennungsprobe  Aufschluß.  Versucht
man  reine,  echte,  schwarz  gefärbte  S.  zu  verbrennen, ­
  so  kräuselt  sie  sich  sofort  zusammen,
verlöscht  bald  und  hinterläßt  sehr  wenig  Asche
von  ganz  hellbräunlicher  Farbe.  Verfälschte  Seide,
die  leicht  speckig  wird  und  bricht,  brennt  da-  |
gegen  langsam  fort,  namentlich  glimmen  die  i
Schußfäden  weiter,  wenn  sie  stark  mit  Farbstoff
beschwert  sind,  und  hinterlassen  eine  dunkelbraune ­
  Asche,  die  sich  im  Gegensatz  zur  echten
S.  nicht  kräuselt,  sondern  nur  krümmt.  Die
zahlreichen  Seidenstoffe,  die  meist  durch  einfaches ­
  Zusammenlegen  und  Pressen,  bisweilen
auch  durch  Gummieren  und  Kalandern  hergestellt
Werden,  unterscheidet  man  in  1.  glatte,  2.  geköperte, ­
  3.  gemusterte,  4.  Gaze,  5.  Samt.
Unter  den  glatten  oder  leinwandartig  gewebten
Stoffen  sind  die  Tafte  leichtere  und  schwerere
Zeuge  aus  entschälter  S.  mit  Organsinkette  und
Einschlag  von  Tramseide.  Ganz  leichte  Gewebe
bilden  den  Futtertaft  (Avignon,  Florence),
ptwas  schwerere  den  Kleidertaft.  Bei  diesen
Et  die  Kette  ein-,  der  Einschuß  ein-  bis  dreifädig.
  Doppeltaft  (Marcelline)  hat  zweifädige
Kette  und  zwei-  bis  dreifädigen  Einschuß.  Die
dichtesten  taftartigen  Zeuge,  Gros,  haben  zweifädige ­
  Kette  und  zwei-  bis  sechsfädigen  Schuß.
Zu  den  geköperten  Stoffen  gehören  die  verschiedenen ­
  Sergen  (Croisö,  Levantin.  Drap
de  Soie,  Bombasin)  und  der  Atlas  oder
Satin.  Gemusterte  Zeuge  kommen  in  der
größten  Mannigfaltigkeit,  unter  den  verschiedensten ­
  Namen  und  sowohl  gewürfelt,  gestreift

und  geblümt  vor.  Samtartige  Stoffe  sind  der
echte  Samt,  geschnitten  und  ungeschnitten,  sowie
Plüsch  und  Felbel.  Gazeartige  Gewebe  kommen ­
  als  Gaze,  Flor,  Marly,  Krepp,  Stramin,
Baröge  und  Beutelgaze  in  den  Handel.  Daneben
werden  noch  gemischte  Stoffe  in  Verbindung
mit  Wolle,  Alpaka,  Mohär,  Baumwolle  und  Leinen, ­
  sowie  Gewebe  aus  Seidenshoddy  nach
Art  der  Kunstwolle  hergestellt,
Seide,  künstliche,  wird  nach  verschiedenen
Verfahren  aus  Derivaten  der  Zellulose  dargestellt.
Zur  Herstellung  der  Chardonnetschen  Kunstseide ­
  werden  dickflüssige  Lösungen  von  Kollodiumwolle ­
  aus  feinen  Öffnungen  gepreßt  und
die  in  Wasser  erhärtenden  Fäden  aufgehaspelt
und  getrocknet.  Durch  Behandlung  mit  Natriumoder ­
  Ammoniumsulfid  (das  sog.  Denitrieren)  macht
man  die  S.  unverbrennlich.  Andere  Arten  von
Kunstseide  werden  aus  Lösungen  von  Zellulose
in  Kupferoxydammoniak  (Glanzstoff),  Zinkchlorid. ­
  Schwefelsäure  oder  Phosphorsäure,  ferner
ausAzetylzellulose  (Azetatseide)  oder  ausZellulosexanthogenat
  (Viskoseseide)  gewonnen.
Auch  baumwollene  Gewebe,  denen  man  durch
eine  mechanische  Behandlung  mit  geriffelten
Walzen  oder  eine  chemische  Einwirkung  von
Natronlauge  (Merzerisieren)  einen  Seidenglanz
verliehen  hat,  werden  ajs  künstliche  S.  bezeichnet. ­
  Zur  Unterscheidung  der  Seide  von  der
Kunstseide  hält  man  einen  Faden  an  ein  brennendes ­
  Streichholz.  Seide  entflammt  und  glimmt
nicht  und  riecht  nach  Horn,  Kunstseide  brennt.
Beim  Kauen  behält  echte  Seide  ihren  Zusammenhalt, ­
  Kunstseide  zerbröckelt,  wie  man  beim  Ausspucken ­
  in  Wasser  sieht.
Seidelbastrinde  (Kellerhalsrinde,  lat.  Cortex
  mezerei,  frz.  Ecorce  de  mözöreon,  engl.  Mezereon
  bark).  Der  zu  den  Giftpflanzen  gehörende
Seidelbast,  Daphne  Mezereum,  ist  ein  in
höher  gelegenen  Laubwäldern  des  nördlichen
Europas  und  Asiens  nicht  seltener  Strauch  mit
kleinen  rosenroten,  trichterförmigen  und  vierspaltigen,
  vor  den  Blättern  erscheinenden,  stark
duftenden  Blüten  und  bei  der  Reife  ziegelroten
Beeren.  Die  im  Spätherbst  geschälte  dünne
Rinde  der  meist  nur  federkielstarken  und  oft
doch  dünneren  Stämmchen  oder  Ruten  dient
ihrer  scharfen  Bestandteile  halber  als  blasenziehendes ­
  oder  hautreizendes  Mittel,  indem  sie
entweder  im  aufgeweichten  Zustande  aufgelegt
wird,  oder  indem  man  das  daraus  bereitete
weingeistigö  Extrakt  verwendet.  Als  wirksame
Bestandteile  sind  Daphnin,  das  sich  in  Daphnetin
  und  Zucker  spalten  läßt,  sowie  das
hautreizende  Anhydrid  der  Mezerinsäure  vorhanden. ­

Seife  (lat.  Sapo,  frz.  Savon,  engl.  Soap).  Als
Seifen  im  weiteren  Sinne  bezeichnet  der  Chemiker ­
  alle  Verbindungen  von  Basen  mit  einer
organischen  fetten  Säure  und  spricht  demnach
von  Kaliseife,  Kalk-  und  ,  Magnesia-  und
Bleiseife.  Die  letztere  bildet  die  Grundlage
von  Pflastern  und  Salben,  Kalk-  und  Magnesiaseifen ­
  sind  in  Wasser  unlösliche  pulverige  Körper,
und  nur  die  Alkaliseifen  lösen  sich  in  Wasser
zu  schäumenden  Flüssigkeiten.  Unter  eigentlichen
Seifen  für  Waschzwecke  versteht  man  ausschließlich ­
  die  letzteren,  also  fettsaure  Alkalien.  .  Als
Ausgangsstoffe  zur  Herstellung  der  S.  kommen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.