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gaben, keine Aufwendungen, obgleich man sie für die Kalkulation
des Unternehmers als Kostenbestandteil anzusehen pflegt 1 ).
2. Der unter l 1 . angeführte Fall der Zinsberechnung ist be
deutungsvoll für Einzelunternehmungen, Personalgesellschaften und
für Rentabilitätsberechnungen. Von allgemeinerer Bedeutung für
die Selbstkostenermittelung ist die Anrechnung von Zinsen auf
das Anlagekapital, beispielsweise bei der Ermittelung der W erk-
statt- oder Maschinenunkosten. Die Mehrzahl der uns bekannt ge
wordenen Kalkulationsmethoden rechnet neben der Abschreibung
auch Zinsen auf das in der betreffenden Werkstätte oder Maschine
investierte Kapital, und zwar rechnen die einen Betriebe sie vom
ursprünglichen Anschaffungswert, die anderen vom jeweiligen
Buchwert, entsprechend der Abschreibungsmethode.
Durch die Immobilisierung eines erheblichen Teils des Kapitals
entstehen Zinsverluste, die vom Käufer der erzeugten Güter zu
tragen sind. Es sind Verluste auf Kapitalwerte, die der Produktion
dienen, mittelbare Aufwendungen für die Bereitstellung von Mitteln
zum Zwecke der Herstellung und somit Teile der Selbstkosten. Ein
im Verhältnis zur Produktions- und Absatzfähigkeit zu großes An
lagekapital verteuert die Selbstkosten insofern, als die Zinsen (und
die Amortisation) einen Bestandteil dieser Selbstkosten bilden.
3. Die (passiven) Darlehnszinsen sind der Mietpreis für
Leihkapital, der Preis für Kapitalnutzung, ihrer Höhe nach im
voraus durch Vertrag bestimmt und in ihrer Gesamtheit von der
Art der Finanzierung der Unternehmung abhängig. Sie sind Er
trägnisse einer anderen Wirtschaft und zweifellos ein Teil der Unter
nehmerselbstkosten. Schuldzinsen für Hypotheken, Anleihen, Bank
gelder sind Werbungskosten, feste Ausgaben, unabhängig von der
Leistung der Unternehmung. Sie bilden in der Selbstkostenberechnung
einen Durchgangsposten. Was der Verkäufer durch Einrechnung
der Schuldzinsen in den Selbstkostenpreis der Produkte an Zinsen
erhält, geht mit dem Fälligkeitstag der Schuld in die Hände der
Gläubiger über.
Die Zinsen des fremden Kapitals schmälern den Gewinn.
Schulte 2 ) meint, die Selbstkosten eines Betriebes sind von den
finanziellen Verhältnissen der Unternehmung unabhängig, weshalb
') Wagner, Gemischte Werke, S. 41, rechnet 4% des Aktienkapitals zu
den Selbstkosten; 15 Mill. Kapital zn 4% = 600000 Mk., pro Monat 50000 Mk.,
verteilt mit 38 % = 19000 Mk., auf die Hochöfen, mit 60% auf das Walzwerk,
mit 2 % = 1000 Mk. auf die Eisengießerei! Ein anderes Beispiel für die Berechnung
des Betriebskapitals und dessen Verzinsung bringt Scliuchardt, Selbst
kostenberechnung in Hüttenwerken, 1909, S. 49 ff.
2 ) Zeitschr. f. handelswiss. Forschung, IV. Jahrg., S. 335; ähnlich auch
Meitzer, Grundzüge, S. 22.