Full text : Die deutsche Hausindustrie

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V!.  Kap.:  Staatshilfe

ficherte;  fie  werden  nicht  mehr  mangels  des  notwendigen  Mietgeldes  mit  Wohnungen ­
  fürliebnehmen,  die  allen  fittlichen  und  gefundheitlichen  Forderungen
Hohn  fprechen,  fie  werden  nicht  mehr  ihre  eigne  Arbeitskraft  wie  diejenige
von  Frau  und  Kind  über  Gebühr  bei  Tag  und  Nacht  ausnützen,  auch  nicht  mehr
zu  bedenklichen  Nebenerwerben  ihre  Zuflucht  nehmen;  das  von  der  übrigen
Arbeiterfchaft  fo  fehr  gefürchtete  Unterbieten  der  Arbeitslöhne  hört  auf,  fobald
  der  Heimarbeiter  nicht  mehr  gezwungen  ift,  „um  jeden  Preis  feine  Arbeitskraft ­
  auf  dem  Markte  loszufchlagen“.  Kurz:  eine  angemeffene
Lohnregelung  fchneidet  die  fchädlichen  Auswüchfe
der  Hausinduftrie  ab  und  erhält  die  letztere  in  jenem
Umfange  und  jener  Verfaffung,  wie  es  im  Volkswirtfchaftlichen
  und  Einzelintereffe  wünfchenswert  erf
  c  h  e  i  n  t.
Eine  allgemeine  Lohnhebung  für  die  Hausinduftrie  ift  daher  vor  allem
zu  verfuchen:  eine  Aufgabe,  die  jeder,  der  die  Gefchichte  der  Arbeiterkoalition
im  verfloffenen  Jahrhundert  überfchaut,  am  liebften  einer  freilich  meiftens
noch  neu  ins  Leben  zu  rufenden  gewerkfchaftlichen  Organifation  der  Heimarbeiter ­
  zuweifen  möchte.  Ihr  Streben  müfzte  vornehmlich  dahin  gehen,
mehr  durch  kluges  Unterhandeln  als  durch  maffenhafte,  die  ganze  Volkswirtfchaft
  erfchütternde  Ausftände  die  Löhne  der  Hausinduftrie  auf  ein  an.
gemeffenes  Niveau  zu  heben.  Das  einfachfte  Mittel,  um  zu  diefem  Ziele  zu
gelangen,  wären  jedenfalls  dieLohntarifgemeinfchaften,  d.  h.
Kollektivverträge  von  Gruppen  von  Unternehmern  und  Arbeitern,  durch  welche
ftabile  Löhne  auf  eine  beftimmte  Zeit  feftgelegt  werden.
Lohntarife  aufzuftellen,  die  beiden  Teilen,  dem  Unternehmer  wie
der  Arbeiterfchaft,  genehm  find,  ift  unter  allen  Umftänden  eine  fchwierige
Aufgabe,  die  viel  Ruhe  und  Befonnenheit,  aber  auch  eine  klare  Einficht  in  die
Marktlage  und  die  Verbefferung  der  Arbeitsmittel  wie  der  Arbeitsleiftungen
erfordert.  Für  die  Hausinduftrie  die  Löhne  zu  tarifieren,  ift  aber  erft  recht
fchwer,  da  cs  fich  hier  vielfach  um  die  Produktion  von  rafch  wechfelnden
und  rafch  alt  werdenden  Modeartikeln  h  ndelt,  deren  Wert  von  der  Nachfrage ­
  auf  dem  Markte  wie  von  der  fortfehreitenden  Technik  aufs  innigfte  berührt ­
  wird.  Die  Lohntarife  müfzten  daher  hier  vor  allem  fehr  fein  ausgearbeitei
und  gefchmeidige  und  biegfame  Inftrumente  fein,  die  fich  jeder  Änderung
auf  dem  Weltmärkte  und  den  Fortfehritten  der  Technik  glatt  anzupaffen
imftande  wären.
Trotz  aller  Schwierigkeiten  fehlen  die  Lohntarife  auch  in  der  Heimarbeit  nicht
ganz  (fiche  unter  Abfchnitt  „Gewerkvereine“).  Der  am  völlendetften  ausgearbeitete
            
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