§ 4- Lohnämter
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tano, 3 * * * 7 ) 0. von Zwiedineck-Südenhorft, 2 ) L. Pohle, 3 ) E. Schwiedland, 4 )
E. von Philippovich, 5 ) R. Wilbrandt, 6 ) G. Dyhrenfurth, 7 ) K. Bittmann, 8 )
K. Bücher. 9 ) Von bekannten Parlamentariern traten für die Minimallohn
ämter mit Nachdruck ein Pieper, Fleifcher, Giesberts, Naumann fowie mehrere
fozialdemokratifche Abgeordnete.
Diefen energifchen Forderungen gegenüber wurden verfchiedene Bedenken
erhoben, weniger aus dem Kreife von Gelehrten als von feiten der
Unternehmer und Regierungsvertreter. Einen grofzen Teil diefer Bedenken
hat nun die auftralifche Kolonie Viktoria mit kühner Tat zerftört, als
fie im Jahre 1896 die erften Lohnämter zur Befeitigung der Schwitzarbeit
einführte und bald auf Erfolge hinweifen konnte. Freilich ift der Boden
für fo tiefgreifende gefetzliche Maßnahmen wegen der ganz verfchiedenen
wirtfchaftlichen und handelspolitifchen Lage in Viktoria und in unfern
Ländern ganz und gar nicht der gleiche. Was bei unfern Antipoden
möglich war, ift es nicht auch in derfelben Weife bei uns. Und doch ift das
Beifpiel Viktorias unter fteter Beachtung der wirtfchaftspolitifchen Eigentüm
lichkeiten des Landes belehrend für uns, es ift fchon anregend gewefen für
das englifche Mutterland, das feine Lohnämter Viktoria nachgebildet hat.
Auf den Boden diefer Tatfachen ftellen wir uns am beften, um Klarheit
zu bekommen über den volkswirtfchaftlichen Wert und die konkrete Aus-
geftaltung der vielumftrittenen Lohnämter und um die gegen fie erhobenen
Bedenken richtig zu würdigen.
Die erften Lohnämter (fpecial boards) in V i k t o r i a 10 ) wurden
nach dem Entwurf von Sir A. J. Peacock durch ein Gefetz vom 28. Juli 1896
ins Leben gerufen. Nach und nach dehnte fich die Einrichtung auf immer mehr
Gewerbe aus, hatte aber lange nur proviforifchen Charakter und bedurfte
von Zeit zu Zeit eines fogenannten Fortführungsgefetzes. Auch in Auftralien
3 ) Beilage zur „Allgemeinen Zeitung“ München, Jahrg. 1899, Nr- 79 ff; „Süd-
deutfche Monatshefte“, Januarheft 1913. 2 ) Lohnpolitik und Lohntheorie, Leipzig
1900, 391 ff. 3 ) Deutfchland am Scheidewege, Leipzig 1902, 229- 4 ) Ziele und
Wege ufw. 197 ff- 5 ) Schriften des Vereins für Sozialpolitik 88, 48. 6 ) Arbeite-
rinnenfchutz und Heimarbeit 96 ff; Referat auf dem Deutfchen Heimarbeitertag,
„Soziale Praxis“ XX 481. 7 ) Verhandlungen des XV. Evangeüfch-Sozialen Kon
greffes 158 ff; Tarifämter für die Hausinduftrie, Berlin 1908. 8 ) Hausinduftrie und
Heimarbeit 1104- 9 ) Art. „Hausinduftrie“ im Wörterbuch der Volkswirtfchaft I 3 .
10 ) Vgl. R. Schachner, Die foziale Frage in Auftralien und Neufeeland,
Jena 1911; A. Man es, Ins Land der fozialen Wunder, Berlin 1911; R. B o e h-
tinger, Die Lohnämter in Viktoria, Leipzig 1911; R. Broda, Inwieweit ift
eine gefetzliche Feftlegung der Lohn- und Arbeitsbedingungen möglich? Berlin
1912; E. Aves, Report on the Wages Boards and Industrial Conciliation and
Arbitration Acts of Australia and New Zealand, London 1908.