Full text : Die deutsche Hausindustrie

§  4-  Lohnämter

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um  20  Pf.  vermehrten  Lohnkoften  für  das  ganze  Produkt  auf  den  Zwifchenhandel
  abgewälzt  würden,  fo  bliebe  diefer  immer  noch  gewinnbringend  genug.
Alles  in  allem:  einer  für  die  Heimarbeiter  hochbedeut  famen  Lohnverbefferung
würde  eine  ganz  geringfügige  Belaftung  der  kaufenden  und  handeltreibenden
Bevölkerung  entfprechen,  die  für  diefe  ebenfowenig  fühlbar  wäre,  wie  etwa
die  indirekten  Steuern  für  die  wohlhabenden  Klaffen.
Nicht  zu  vergeffen  ift  auch  die  Wahrfcheinlichkeit  eines  andern  Ausgleichs
von  Lohnerhöhungen.  Höhere  Löhne  pflegen  auf  eine  Verbefferung
der  Arbeitstechnik  hinzuwirken,  falls  eine  folche  möglich  ift.  Das
ift  eine  allgemeine  Tatfache  im  Wirtfchaftsleben,  hiftorifch  erwiefen  durch
die  Erfahrungen  vieler  Jahrzehnte  und  vieler  Länder,  pfychologifch  erklärt
durch  das  Streben  des  Unternehmers,  höhere  Lohnkoften  durch  eine  technifch
beffere  und  daher  billigere  Produktion  auszugleichen.  Und  fo  würde  auch  manche
Hausinduftrie,  die  mit  zurückgebliebener  Technik  arbeitet,  infolge  höherer
Löhne  zu  technifchen  Fortfehritten  gedrängt,  mechanifche  Kräfte  und  Arbeitszerlegung ­
  würden  mehr  Anwendung  finden  als  bisher.  Der  Verleger  wäre  imftande,
  beffere,  aber  auch  verhältnismäßig  billigere  Waren  auf  den  Markt  zu
bringen.  Freilich  find  nicht  alle  Hausinduftrien  einer  technifchen  Hebung  fähig.
Andere  Einwände  werden  im  Intereffe  der  Arbeiter,  allerdings
bezeichnenderweife  nicht  von  diefen  erhoben.  Der  Minimallohn  würde  —  fo
heifzt  es  —  zum  Normallohn,  die  beffern  Heimarbeiter  würden  auf  den  allgemeinen ­
  niedern  Lohnfatz  herabgedrückt.  Die  Tatfachen  in  Auftralien
haben  jedoch  bewiefen,  daß  fich  der  Übergang  vom  Minimal-  zum  Normallohn ­
  durchaus  nicht  fo  automatifch  und  allgemein  vollzieht,  wie  wohl  befürchtet ­
  wird,  und  daß  die  Unternehmer  im  eignen  Intereffe,  nämlich  um
die  beffern  Arbeiter  fich  zu  erhalten,  eine  Staffelung  der  Löhne  wünfehen.
—  Auf  Auftralien  ift  auch  hinzuweifen  bezüglich  eines  andern  Bedenkens,
daß  nämlich  alte  und  gebrechliche  Arbeiter  infolge  des  Minimallohns
  entlaffen  würden,  während  doch  bisher  die  Heiminduftrie  gerade  für
diefe  Volksklaffen  die  einzige  Arbeitfpenderin  gewefen  fei.  Wie  der  Gefahr
einer  maffenhaften  Entlaffung  von  Heimarbeitern  vorzubeugen  ift,  hat  die
Gefetzgebung  in  Viktoria  gezeigt,  die  für  halbfähige  Arbeiter  Ausnahmebewilligungen ­
  vom  Minimallohn  geftattet.  Im  übrigen  ift  daran  zu  erinnern,
dafz  die  Zahl  der  halben  Arbeitskräfte  in  der  Heimarbeit  nicht  fo  bedeutend
ift,  wie  vielfach  angenommen  wurde  (vgl.  S.  114),  und  dafz  eine  maffenhafte
  Entlaffung  diefer  Leute  darum  auch  nicht  zu  befürchten  ift.  Durch
eine  vermehrte  Kranken-  und  invalidenfürforge,  durch  verbefferte  Hygiene
könnten  viele  von  ihnen  der  Notwendigkeit  enthoben  werden,  ihre  letzten
            
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