Full text: Die deutsche Hausindustrie

IV. Kap.: Wirtfchaftliche und fozialc Zuftände in der Hausinduftrie 
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Viertes Kapitel 
Wirtschaftliche und soziale Zustände in der Hausindustrie 
Die Darftellung der Lebensverhältniffe der Heimarbeiter nimmt in der Lite 
ratur den breite ften Raum ein. Hierüber will der gewöhnliche Lefer wie der 
auf Reform bedachte Sozialpolitiker vor allen Dingen unterrichtet fein. Aber 
auch der Wiffenfchaft ift eine genaue Kenntnis der Lebenslage nicht gleich 
gültig, da fie ihr die Symptome eines durch das Verlagsfyftem bedingten wirt- 
fchaftlichen Lebensprozeffes bietet, deffen Urfachen, Verlauf und Sanierung 
fie erforfchen will. Eine zufammenfaffende Darftellung der Zuftände in der 
Heimarbeit, wie fie in diefem Kapitel entfprechend der ganzen Anlage diefer 
Schrift verfucht wird, kann natürlich im Grunde nicht viel Neues bieten. 
Sie ftützt fich auf ältere und neuere Literatur teils amtlichen, teils zuverläf- 
figen privaten Charakters, in welche neuere private Aufgaben und perfönliche 
Beobachtungen hineinverwoben find. Eine Neuigkeit, und zwar für manche 
eine recht überrafchende, mag man darin finden, dafz die Verhältniffe in der 
Hausinduftrie auch in unferm auf der ganzen Linie voranftrebenden Zeitalter 
fich im wefentlichen nicht gebeffert haben. Wenigftens gilt das für die grofzen 
modernen Hausinduftrien, die jetzt im Vordergrund des Problems ftehen, 
mag auch für andere weniger ins Gewicht fallende Hausinduftrien eine Wen 
dung zum Beffern eingetreten fein. 
Profeffor Karl Bücher in Leipzig tadelt in einer Befprechung 
der erften Auflage diefer Schrift v ) die einfeitige Hervorkehrung der Lebens 
verhältniffe der Heimarbeiter, die längft bekannt feien, und bezeichnet es 
als einen Fehler, dajz in die Geheimniffe der Abfatzorganifation, 
des eigentlichen Verlagsfyftem s, gar nicht hineingeleuchtet 
fei. Der Vorwurf trifft mich allerdings infofern weniger hart, als er gegen 
„die ganze Literatur“ über die Hausinduftrie, cinfchliejzlich der wieder 
holten Unterfuchungen des Vereins für Sozialpolitik erhoben wird, und als er 
neuerdings in verfchärfter Form gegen die Werke von Arndt und Bittmann 
vorgetragen wird, die ebenfalls nur halbe Arbeit geleiftet haben. * 2 ) 
*) Zeitfchrift für die gefamte Staatswiffenfchaft, Jahrg. 62 (1906)|771 ff. 
2 ) Ebd. Jahrg. 65 (1909) 717 ff.
	        
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