Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

Deutsche Kanalprojekte. 
959 hh 
Speziell von den deutschen Wasserstraßen und Kanalprojekten ist schon auf Seite 
481—492 eingehend die Rede gewesen. Es braucht daher an dieser Stelle nur das oben 
Gesagte ergänzt zu werden. Nach langwierigen, z. T. außerordentlich hitzigen Kämpfen 
innerhalb und außerhalb des Parlaments wurde der vorläufige Ausbau der preußischen 
Wasserstraßen, die ja den integrierenden Bestand des deutschen Binncnschiffahrtsuetzes bilden, 
durch das Gesetz vom 1. April 1905 in folgender Weise festgelegt. 
Mit einem Kostenaufwand von insgesamt rund 334^ Millionen Mark sollten neu 
geschaffen bzw. verbessert werden: 
Kostenanschlag 
Mark 
Ein Schiffskanal vom Rhein bei Ruhrort bis Herne (Rhein—Hernekanal) 
einschließlich einer Abzweigung von Datteln nach Hamm 74500 000 
Ergänzungsbauten am Dortmund—Emskanal von Dortmund bis Bevergern 6150000 
Eine Abzweigung vom Dortmund—Emskanal von Bevergern zur Weser 
bei Bückeburg mit Zweigkanälen nach Minden und Osnabrück .... 81000000 
Ein Anschlußkanal von Bückeburg nach Hannover mit Abzweigung nach Linden 39 500000 
Kanalisierung der Lippe und Seitenkanäle von Wesel nach Datteln und 
von Hamm nach Lippstadt 44600000 
Großschiffahrtsweg Berlin—Stettin (Berlin—Hohensaathen) 43000000 
Verbesserung der Wasserstraße zwischen Oder und Weichsel, sowie der Warthe 
von der Netzemündung bis Posen 21175000 
Kanalisierung der Oder von der Mündung der Glatzer Neiße bis Breslau 
und Versuchsbauten auf der Strecke Breslau—Fürstenberg (Oder) . . 19 650000 
Verbesserungen der Landeskultur . . . 500000 
334575000 
Der bedeutsamste Zug dieses Kanalprogramms ist der Verzicht auf die Ausführung des 
Mittellandkanals (vgl. S.491). Tie chinesische Mauer des Wirtschaftslebens, diezwischen 
dem Osten Deutschlands und dem Westen bzw. Süden infolge des vollständigen Fehlens 
jeglicher Wasserstraße zwischen Elbe und Weser in einer von der Industrie nur allzu bitter 
empfundenen Weise errichtet worden ist, wird also in absehbarer Zeit noch nicht fallen. 
Ter so dringend notwendige Rhein—Elbekanal wird, teils wegen des Widerspruchs der 
Agrarier, teils um die Interessen Schlesiens gegen die wirtschaftliche Übermacht des Westens 
zu schützen, einstweilen nicht oder doch nur in verstümmelter Gestalt zustande kommen, indem 
er vom Rhein über die Weser hinweg bis nach Hannover gebaut wird, während seltsamer 
weise das Schlußstück Hannover—Magdeburg fehlen soll! 
Der übrig gebliebene Rhein—Hannoverkanal hat eine Länge von 314 km und ist 
für Fahrzeuge bis 65 m Länge und 600 t Tragfähigkeit befahrbar, würde also für die 
größeren Rheinschisie, die 1000 und mehr Tonnen Tragfähigkeit aufweisen, ohnehin nicht 
benutzbar sein. Er gestattet im Jahr 8 Millionen Tonnen Güter zu befördern; man denkt die 
Zahl künftig durch Anlage von drei Schleusen nebeneinander auf 16 Millionen steigern zu 
können. Die wesentlichsten Entfernungen des Dortmund — Ems- und des mit ihm eng 
zusammenhängenden Ems—Hannoverkanals sind die folgenden: 
Herne—Emden 266,4 km 
Herne—Münster 67 km 
(Von Münster nach Emden findet ein Abstieg über 17 Fluß- und 2 Seeschleusen statt.) 
Bevergern—Hannover . . 
. . 173 
km 
Datteln—Hamm .... 
. . 37 
km 
Datteln—Lippstadt . . - 
. . 38 
km 
Datteln—Wesel .... 
. . 64 
km 
Neben dem genannten Anschluß Hannovers an das westliche Wasserstraßennetz ist der all 
gemein interessanteste und originellste Teil des Kanalgesetzcs von 1905 sicherlich die Herjtellung 
des Berlin —Stettiner Großschiffahrtsweges. Ter Güterumschlag der vereinigten 
Berliner und Charlottenburger Häfen geht schon jetzt, obwohl nur kleinere Schiffe dieReichs- 
120c*
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.