22* Badische Anilin- und Soda-Fabrik, Ludwigshafen a. Rh.
W ohnungsf ürsorge.
Der Lösung dieser für die Gesundheit der
Arbeiter wie für die Heranziehung eines seß
haften und zufriedenen Arbeiterstammes wich
tigen Frage wandte die Fabrik schon frühzeitig
ihre Aufmerksamkeit zu. Sie begann an
fangs der 8oer Jahre auf einem Terrain von
12 Hektar die
KOLONIE HEMSHOF zu errichten, wel
che, von Zeit zu Zeit durch Neubauten ver
größert, gegenwärtig 614 Wohnungen um
faßt, die etwa 3200 Einwohner beherbergen.
Bei der Wahl der Bausysteme war die Fabrik
bestrebt, den Forderungen der Hygiene wie der
Zweckmäßigkeit für den Arbeiterhaushalt möglichst gerecht zu werden. Die Wohnhäuser
für die Arbeiter sind einstöckig, diejenigen für die Aufseher zweistöckig, jedes Haus ist
freistehend, rings von Garten umgeben und vertikal in vier vollständig getrennte Wohnungen
von 3—5 Wohnräumen, Küche und Kellerräumen, jede mit eigenem Hauseingang und
120 qm Garten geteilt. Weitere 100 Wohnungen in verschiedenen Größen in vier großen
Blockhäusern mit großem, als Garten angelegtem Innenhof, werden in nächster Zeit be
ziehbar. Die Wohnungen sind mit Anschluß an die städtische Gas- und Wasserleitung
versehen.
Im Jahre 1899 erwarb die Fabrik, mit Rücksicht auf die Schwierigkeit der Terrainbe
schaffung in Ludwigshafen, 8 km von Ludwigshafen entfernt, unmittelbar an einer Bahn
station gelegen, ein Areal von 72 Hektar. Daselbst wurde die
ARBEITERKOLONIE LIMBURGERHOF zunächst mit 126 Wohnungen in 63 ein
stöckigen Häusern angelegt, welche zurzeit etwa 800 Personen beherbergt. Die Wohnungen
sind ähnlich eingeteilt wie die der Kolonie Ludwigshafen, dazu gehört ein kleiner Stall
für Kleinvieh und 220 qm Garten. Den Bewohnern gibt die Fabrik gegen mäßiges Entgelt
Gelegenheit, ein Stück Ackerland zu pachten, auf dem sie ihren Bedarf an Kartoffeln, Ge
müse usw. selbst bauen können.
Eine erhebliche Vergrößerung auch dieser Kolonie mit 100 Wohnungen wird noch
dieses Jahr in Angriff genommen.
Die Mietpreise der Arbeiterwohnungen sind äußerst niedrig gehalten. Sie bewegen
sich zwischen 85 M. und 250 M. pro Jahr und decken nicht die Kosten der Instandhaltung
und die Amortisation des Kapitalaufwands von 4 800 000 M.
Wirtschaftliche und soziale Einrichtungen.
DIENSTALTERSPRÄMIEN. Um treue Dienste und die Anhänglichkeit an das Geschäft
zu belohnen, wurden Dienstaltersprämien eingeführt. Danach erhalten die Arbeiter und
Aufseher nach je 5 jähriger Tätigkeit in der Fabrik Prämien mit 25 M. beginnend, für jede
weiteren 5 Jahre um 25 M. bis 100 M., welche Summe somit nach zurückgelegtem 20. Dienst
jahr erreicht ist, und vom 40. Dienstjahr auf 300 M. steigend. Hierbei wird Militärdienstzeit
in Anrechnung gebracht, wenn die Beschäftigung in der Fabrik nur hierdurch unterbrochen
ist. Es kommen hierfür jährlich 1500 Arbeiter usw. mit etwa 85 000 M. in Betracht. Meister
und Aufseher erhalten außerdem nach 25 jähriger Tätigkeit in der Fabrik neben der Dienst
altersprämie ein
JUBILÄUMSGESCHENK in Höhe eines Monatsgehaltes.
FAMILIENUNTERSTÜTZUNG. Während der Dauer militärischer Übungen wird
verheirateten Arbeitern mit mindestens einjähriger Zugehörigkeit zur Fabrik eine Fami-
Arbeiterkolonie Hemshof.