Bestimmung der Jodzahl.
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die Nachprüfungen von verschiedenen Seiten bestätigt haben, vor dein v. Hüblschen
Verfahren den Vorzug, daß die Lösung in ihrer Wirksamkeit viel beständiger und
die Reaktion schneller beendigt ist. Das Verfahren liefert dieselben Jodzahlen 1
wie das von Hüb Ische.
Erforderliche Lösungen:
1. Jodmonochlorid-Lösung. Man bereitet sie nach einem der beiden folgenden
Verfahren; a) Man löst 13 g Jod in 1 Liter höchst konzentriertem Eisessig (Acidum
aceticum glaciale 99 % Merck; dieselbe darf Kaliumbichromatlösung mit Schwefel
säure absolut nicht reduzieren), bestimmt in 25 ccm dieser Lösung genau den Titer
und leitet darauf in die Lösung langsam einen durch Waschen von Salzsäure be
freiten Chlorstrom, bis der Titer verdoppelt ist. Nach einiger Übung läßt sich
dieser Punkt an dem Farbenumschlag genau treffen. — b) Bequemer ist die Her
stellung aus käuflichem Jodtrichlorid und Jod. Man löst 9 g Jodtrichlorid (schnell
abzuwägen!) in 1 Liter Eisessig von obigen Eigenschaften, pipettiert davon 5 ccm ab,
gibt einige ccm 10 °/ 0 -iger Jodkaliumlösung sowie etwas Wasser hinzu und bestimmt
den Titer mit 1 / 10 N.-Thiosulfatlösung, dann löst man in der Jodtrichloridlösung
soviel fein zerriebenes Jod, daß der Titer, auf gleiche Weise bestimmt, ein klein
wenig mehr als D/^-mal so groß wird. Wenn man will, kann man die Lösung
noch mit etwas Eisessig verdünnen und, wenn sie nicht völlig klar ist, filtriert
man sie. Lewkowitsch,' 2 ) der das Wijssche Verfahren sehr empfiehlt, schlägt
vor, 9,4 g Jodtrichlorid und 7,2 g Jod auf dem Wasserbade in Eisessig zu lösen
und dabei darauf zu achten, daß während der Behandlung auf dem Wasserbade der
Eisessig kein Wasser anzieht.
2. Tetrachlorkohlenstoff; er soll mit einer Kaliumbichromat-Lösung und
konzentrierter Schwefelsäure geschüttelt, diese auch nach längerem Stehen nicht
verfärben. Der Tetrachlorkohlenstoff ist dem Chloroform vorzuziehen, weil letzteres
nach Wijs immer etwas Alkohol enthält.
3. Stärkelösung, Jodkaliumlösung (10°/ 0 -ig) und Thiosulfatlösung
werden in derselben Weise verwendet wie bei dem v. Hüblschen Verfahren.
Ausführung der Bestimmung. Diese erfolgt mit den vorstehend ange
gebenen Lösungen in derselben Weise wie beim v. Hüblschen Verfahren (Ange
wendete Substanzmengen: 0,8—1,0 g bei festen Fetten, 0,3—0,4 g bei nichttrocknenden
nnd 0,15—0,18 g bei trocknenden ölen) nur mit folgenden Abweichungen:
a ) Es genügen 10 ccm 10°/ o -ige Jodkaliumlösung;
b ) der Jodüberschuß soll etwa 70°/ o betragen, d. h. von 100 Teilen zugesetzten
Halogens sollen nur etwa 30°/ o zur Addition verbraucht werden;
c ) die Einwirkungsdauer soll für feste Fette und öle mit niedriger Jodzahl
wenigstens 15 Minuten, für öle mit höherer Jodzahl länger und für Leinöl
eine Stunde betragen. J. Lewko witsch empfiehlt als Einwirkungsdauer bei
Fetten und Ölen mit einer unter 100 liegenden Jodzahl 1 j 2 Stunde, bei halb
trocknenden ölen 1 L—1 Stunde und bei trocknenden Ölen 1 bis höchstens
2 Stunden;
etw . .. mlt hohen Jodzahlen findet mau nach dem Wijs sehen Verfahren zwar
weiM • lere Werte; diese sind aber, wie Wijs nachgewiesen hat, zweifellos die richtigeren,
m- , 61 ^ em v - Hüblschen Verfahren in diesen Fällen eine richtige Titerstellung un
möglich ist.
Chemische Technologie u. Analyse der Öle, Fette u. Wachse,
Vieweg & Sohn 1906, 1, 274.
t> f J- Lewkowitsch,
-“raunschweig, Fr.