Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

156 — 
Eingabe um bessere Versorgung im Aachener Bezirk. 
Unser Verband und der christliche Gewerkverein richteten am 
22. September 1918 folgende Eingabe um bessere Versorgung mit 
Lebensmitteln an die Kgl. Regierung in Aachen: 
Die absolut ungenügende Lebensmittelversorgung im 
Aachener Steinkohlenrevier erheischt dringende Abhilfe, da die 
Bergarbeiter nicht mehr die körperliche Kraft besitzen, die un 
bedingt nowendige Leistung in der Kohlenförderung beizube 
halten, wenn nicht eine bessere Lebensmittelversorgung der Be 
völkerung eintritt. Die Leute sind gerne bereit, zu entbehren, 
was nicht geliefert werden kann. Durch die Tatsache, daß die 
Versorgung mit Lebensmitteln im hiesigen Kohlenrevier weit 
ungünstiger war, als in anderen Jndustriebezirken, ist bte kör 
perliche Leistungsfähigkeit der Bergarbeiter derart zurückge 
gangen, daß die Bergarbeiter sich allgemein zur weiteren Bei 
behaltung der bisherigen Nacharbeit außer Kraft fühlten. Nur 
ein verschwindend kleiner Prozentsatz der Bergarbeiter fühlt sich 
zur Nacharbeit noch imstande. Die unterzeichneten Bergarbeiter 
organisationen haben wiederholt bei allen in Betracht kommenden 
Organen mündlich und schriftlich auf den Ernst der Verhältnisse 
aufmerksam gemacht. Die hiesigen Bergarbeiter sind jetzt der 
art unterernährt, daß das regelmäßige Verfahren der Normal 
schichten in Frage gestellt ist, wenn nicht bald Abhülfe erfolgt. 
Um die Leistungsfähigkeit der Bergarbeiter zu sichern, wäre 
außer den Zulagen für Schwer- bzw. Schwerstarbeiter an Le 
bensmitteln für die Gesamtbevölkerung notwendig: 
1. Eine Wochenkopfmenge von 4 Pfund gutem Brot. 
2. 10 Pfund Kartoffeln pro Kopf und Woche und % Pfund 
Nährmittel oder Teigwaren. 
Da Kartoffeln den Nährwert des Fleisches nicht ersetzen 
können, müßten für die fleischlosen Wochen eiweißhaltige Nah 
rungsmittel (Hülsenfrüchte, Mehl oder Teigwaren) geliefert 
werden. 
Die Lieferung der Kartoffeln zur Selbsteinkellerung er 
scheint dringend notwendig, aber auch vorteilhafter wie Ein 
kellerung durch die Gemeinde, weil im letzteren Falle der Ver 
lust erheblich größer ist. 
Wenn die Bergarbeiter die Ueberzeugung haben, daß in der 
Lebensmittelversorgung das Mögliche geschieht, werden sie ihre 
äußerste Kraft in dieser kritischen Zeit aufbieten, um die Koh 
lenförderung möglichst hoch zu halten. Dies ist aber nur mög 
lich, wenn die Arbeiterschaft seitens der Behörde nicht durch un 
genügende Versorgung mit Lebensmitteln im Stiche gelassen 
tvird. , 
Wir fühlen uns verpflichtet, auf den Ernst dieser Verhält 
nisse aufmerksam zu machen. 
(Unterschriften-)
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.