Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Eingabe  um  bessere  Versorgung  im  Aachener  Bezirk.

Unser  Verband  und  der  christliche  Gewerkverein  richteten  am
22.  September  1918  folgende  Eingabe  um  bessere  Versorgung  mit
Lebensmitteln  an  die  Kgl.  Regierung  in  Aachen:
Die  absolut  ungenügende  Lebensmittelversorgung  im
Aachener  Steinkohlenrevier  erheischt  dringende  Abhilfe,  da  die
Bergarbeiter  nicht  mehr  die  körperliche  Kraft  besitzen,  die  unbedingt ­
  nowendige  Leistung  in  der  Kohlenförderung  beizubehalten, ­
  wenn  nicht  eine  bessere  Lebensmittelversorgung  der  Bevölkerung ­
  eintritt.  Die  Leute  sind  gerne  bereit,  zu  entbehren,
was  nicht  geliefert  werden  kann.  Durch  die  Tatsache,  daß  die
Versorgung  mit  Lebensmitteln  im  hiesigen  Kohlenrevier  weit
ungünstiger  war,  als  in  anderen  Jndustriebezirken,  ist  bte  körperliche ­
  Leistungsfähigkeit  der  Bergarbeiter  derart  zurückgegangen, ­
  daß  die  Bergarbeiter  sich  allgemein  zur  weiteren  Beibehaltung ­
  der  bisherigen  Nacharbeit  außer  Kraft  fühlten.  Nur
ein  verschwindend  kleiner  Prozentsatz  der  Bergarbeiter  fühlt  sich
zur  Nacharbeit  noch  imstande.  Die  unterzeichneten  Bergarbeiterorganisationen ­
  haben  wiederholt  bei  allen  in  Betracht  kommenden
Organen  mündlich  und  schriftlich  auf  den  Ernst  der  Verhältnisse
aufmerksam  gemacht.  Die  hiesigen  Bergarbeiter  sind  jetzt  derart ­
  unterernährt,  daß  das  regelmäßige  Verfahren  der  Normalschichten ­
  in  Frage  gestellt  ist,  wenn  nicht  bald  Abhülfe  erfolgt.
Um  die  Leistungsfähigkeit  der  Bergarbeiter  zu  sichern,  wäre
außer  den  Zulagen  für  Schwer-  bzw.  Schwerstarbeiter  an  Lebensmitteln ­
  für  die  Gesamtbevölkerung  notwendig:

1.  Eine  Wochenkopfmenge  von  4  Pfund  gutem  Brot.
2.  10  Pfund  Kartoffeln  pro  Kopf  und  Woche  und  %  Pfund
Nährmittel  oder  Teigwaren.

Da  Kartoffeln  den  Nährwert  des  Fleisches  nicht  ersetzen
können,  müßten  für  die  fleischlosen  Wochen  eiweißhaltige  Nahrungsmittel ­
  (Hülsenfrüchte,  Mehl  oder  Teigwaren)  geliefert
werden.
Die  Lieferung  der  Kartoffeln  zur  Selbsteinkellerung  erscheint ­
  dringend  notwendig,  aber  auch  vorteilhafter  wie  Einkellerung ­
  durch  die  Gemeinde,  weil  im  letzteren  Falle  der  Verlust ­
  erheblich  größer  ist.
Wenn  die  Bergarbeiter  die  Ueberzeugung  haben,  daß  in  der
Lebensmittelversorgung  das  Mögliche  geschieht,  werden  sie  ihre
äußerste  Kraft  in  dieser  kritischen  Zeit  aufbieten,  um  die  Kohlenförderung ­
  möglichst  hoch  zu  halten.  Dies  ist  aber  nur  möglich, ­
  wenn  die  Arbeiterschaft  seitens  der  Behörde  nicht  durch  ungenügende ­
  Versorgung  mit  Lebensmitteln  im  Stiche  gelassen
tvird.  ,
Wir  fühlen  uns  verpflichtet,  auf  den  Ernst  dieser  Verhältnisse ­
  aufmerksam  zu  machen.
(Unterschriften-)
            
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