Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

des  Besitzers,  aber  sie  ist  wie  das  große  Los,  das  otium  cum
dignitate,  das  die  gerechte  Belohnung  jeder  verdienstlichen  Anstrengung ­
  darstellt 1 ).
Eicaedo  schlägt  nun  einen  neuen  Weg  ein.  Er  bricht  vollständig ­
  mit  der  von  den  Physiokraten  und  A.  Smith  vorgetragenen
Lehre,  die  Malthus  beibehalten  hatte,  indem  er  verächtlich  jeden
Oedanken  an  eine  von  der  Natur  geleistete  Mitarbeit  verwirft.  Dieser
Finanzherr  hatte  keinen  abergläubischen  Eespekt  vor  der  Natur,
wenn  er  auch  selbst  Großgrundbesitzer  war,  und  lächelnd  würde  er
das  Wort:  „Wer  ist  denn  die  Dame?“  das  später  geprägt  wurde,
ausgesprochen  haben.  Er  führt  als  Gegenüberstellung  zu  dem  berühmten ­
  Ausspruch  Smith’s  den  von  Buchanan  an:  „Die  Einbildung,
daß  die  Landwirtschaft  einen  Reinertrag  liefert,  weil  die  Natur  mit
dem  Fleiß  des  Menschen  zusammen  an  den  Arbeiten  der  Landbestellung ­
  teilnimmt,  und  daß  sich  daraus  eine  Rente  ergebe,  ist  ein
leerer  Traum  2 ).“  Wie  war  sehen  werden,  weist  er  durch  eine  elegante
Umkehrung  der  Theorie  nach,  daß  die  Bodenrente  eher  auf  den  Geiz,
als  auf  die  Freigebigkeit  der  Natur  schließen  läßt.
Der  Beweis,  daß  die  Fruchtbarkeit  des  Bodens  niemals,  wenigstens
nicht  allein,  die  Ursache  der  Rente  sein  kann,  ergibt  sich  daraus,
daß  in  einem  neuen  Lande,  einer  Kolonie  z.  B.,  der  Boden  keine  Rente
abwirft,  wenn  mehr  Land  vorhanden  ist,  als  die  Bedürfnisse  der  Bevölkerung ­
  erfordern;  das  trifft  sogar  in  dem  Falle  zu,  daß  dieses
Land  von  wunderbarer  Fruchtbarkeit  ist.  „Wer  wird  daran  denken,
das  Recht  der  Bearbeitung  eines  Grundstückes  zu  kaufen,  wenn  ungezählte ­
  Strecken  Landes  herrenlos  sind  und  so  jedem,  der  ihre
Kultivierung  in  Angriff  nehmen  will,  offen  stehen 3 )?“  'Wann  tritt  nun
die  Bodenrente  auf?  Erst  dann,  wenn  „der  Bevölkerungsfortschritt
zu  einer  Urbarmachung  von  geringwertigerem  oder  weniger  gut  gelegenem ­
  Boden  zwingt“/  Dies  ist  der  springende  Punkt  in  der  Theorie

’)  S.  192;  siehe  auch  S.  172  und  178.
2 )  Man  muß  aber  auf  seiner  Hut  sein,  denn  der  Einfluß  der  alten  Theorie  macht
sich  hin  und  wieder  bei  Eicakdo  bemerkbar.  Ganz  kann  er  sich  nicht  von  ihr  befreien. ­
  So  definiert  er  die  Bodenrente  als:  „jenen  Teil  des  Bodenertrages,  der  dem
Besitzer  gegen  das  Eecht,  die  produktiven  und  unverwüstlichen  Eigenschaften  des
Bodens  auszubeuten,  gezahlt  wird“.  Diese  Eigenschaften,  von  denen  er  oft  spricht,
nennt  er  auch  „natürliche“,  „ursprüngliche“  und  „unzerstörbare“,  —  was  doch  alles
sagen  will,  daß  sie  von  jeder  Arbeit  unabhängig  sind!
3 )  „Stets  hört  man  von  den  Vorteilen  sprechen,  die  den  Boden  vor  allen  anderen
Produktionsquellen  auszeichnen,  weil  man  ihm  einen  Mehrwert  in  der  Gestalt  einer
Bodenrente  abgewinnt.  Und  doch  wirft  der  Boden  in  der  Periode  seiner  besten
Fruchtbarkeit,  seines  größten  Überflusses,  seines  höchsten  Ertrages  keine  Eente  ab.
Erst  mit  dem  Augenblick,  in  dem  er  geringwertiger  wird,  stellt  sich  die  Eente  ein!“
(S.  48).
            
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