Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Die  Pessimisten.

161

Eicaedo’s.  Weit  entfernt,  ein  Zeichen  der  Freigebigkeit  der  Natur
zu  sein,‘entsteht  die  Bodenrente  vielmehr  aus  einer  traurigen  Notwendigkeit, ­
  nämlich  aus  der  Seltenheit  des  guten  Bodens  und  dem
Zwange,  unter  dem  Drucke  der  Bevölkerung  und  der  Bedürfnisse  auf

relativ  arme  Felder  zurückgreifen  zu  müssen 1  2  3 ).  ‘  „Die  Bodenrente

eine  Schaffung  von  Werten,  nicht  von  Gütern“,  sagt  Ricardo.  Ein
bedeutungsvolles  Wort,  das  bestimmt  war,  viele  dunkle  Fragen  der
volkswirtschaftlichen  Wissenschaft  zu  lösen.  Was  meint  er  damit?
Er  stellt  hierdurch  die  Güter,  die  sich  aus  dem  Überfluß  und  der
Befriedigung  ergeben,  und  den  Wert,  der  aus  dem  Hindernis  und
der  Anstrengung  erwächst,  einander  gegenüber  und  behauptet,  daß
die  Bodenrente  der  zweiten  Kategorie  und  nicht  der  ersten  zuzurechnen ­
  sei.  Nichtsdestoweniger  können  wir  uns  mit  dieser  Erklärung ­
  nicht  zufrieden  geben.  Denn  es  ist  nicht  recht  zu  verstehen,
daß  eine  rein  negative  Tatsache,  wie  das  Fehlen  fruchtbaren  Landes,
ein  Einkommen  verschaffen  könnte.  Es  würde  besser  sein,  zu  sagen,
daß,  wenn'die  Seltenheit  des  benutzbaren  Bodens  die  Bedingung  des
Auftretens  der  Rente  ist,  sie  doch  noch  nicht  ihre  Ursache  ist.  Die
Ursache  ist  die  Preiserhöhung  der  landwirtschaftlichen  Erzeugnisse,
die  selbst  wieder  bedingt  ist  durch  die  größere  Arbeit  und  Mühe 2 ),
die  die  Bewirtschaftung  weniger  fruchtbaren  Landes  mit  sich  bringt.
Was  daher  endgültig  die  Rente  eines  Stückes  Getreidebodens  hervorbringt ­
  und  der  Höhe  nach  bestimmt,  das  ist  die  notwendige  Arbeit,
die  zur  Erzeugung  des  Getreides  auf  demjenigen  Boden  schlechtester
Qualität  erforderlich  ist,  der  noch  im  Anbau  ist  (dem  „Grenzboden“)*)/
Nehmen  wir  an,  wie  Eicaedo  so  gern  schreibt,  daß  auf  Boden
erster  Klasse  die  Erzeugung  eines  Hektoliters  Getreide  10  Arbeitsstunden ­
  kostet,  und  daß  der  Preis  des  Hektoliters  Getreide  10  Fr.
sei.  Um  eine  Bevölkerung,  die  gemäß  den  Gesetzen  Malthus’  wächst,
zu  ernähren,  muß  man  nun  Ländereien  zweiter  Klasse  zu  bewirt-*)

  Man  zahlt  der  Natur  für  ihre  Arbeit  nicht  auf  Grund  ihrer  reichlichen,
sondern  auf  Grund  ihrer  spärlichen  Hilfe.  Je  geiziger  sie  mit  ihren  Gaben
ist,  einen  um  so  höheren  Preis  läßt  sie  sich  zahlen  (8.  50).
Und  an  einer  anderen  Stelle:  „Die  verhältnismäßige  Seltenheit  der
■wirklich  fruchtbaren  Ländereien  ist  die  Ursache  der  Kente“  (im  Text
unterstrichen)  (8.  376).
Es  ist  zu  bemerken,  daß  Smith  diese  Erklärung  schon  in  bezug  auf  die  Produktion ­
  der  Bergwerke  gegeben  hatte;  es  ist  ihm  aber  nicht  in  den  Sinn  gekommen,
daß  auch  Felder  nur  eine  Art  Bergwerke  verstellen.
2 )  Heute  würden  wir  einfach  sagen:  „bedingt  durch  die  Steigerung  der  Nachfrage“, ­
  was  aber  ganz  gegen  die  Lehre  Ricaedo’s  geht,  für  den  nicht  die  Nachfrage,
sondern  die  Arbeit  den  Wert  schafft.
3 )  „Der  Wert  des  Getreides  wird  von  der  zu  seiner  Erzeugung  auf  den  Feldern
schlechtester  Qualität  aufgewendeten  Arbeit  bestimmt.“
Gide  und  Rist,  Gesch.  d.  Volkswirtschaft!.  Lehrmeinungen.  11
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.