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Erstes Buch. Die Begründer.
Gesellschaft steht. Was ist nun in Wirklichkeit das Interesse des
Grundbesitzers ?
Sein Interesse ist zunächst, daß die Bevölkerung und die Be
dürfnisse sich so schnell wie irgendmöglich vermehren, damit die
Menschen gezwungen seien, neuen Boden urbar zu machen; es ist
weiterhin in seinem Interesse, daß diese neuen Äcker so arm wie
möglich seien, denn dadurch verlangen sie größere Arbeitsmengen, und
steigern um ebensoviel die Bodenrente. Daß der Mensch an eine
stetig härter werdende Arbeit gefesselt sei, um einen immer undank
bareren Boden urbar zu machen, trägt am sichersten zum Yermögens-
wachstum des Kentenbeziehers bei!
Die Grundbesitzer als Klasse betrachtet haben ferner
alles Interesse daran, so paradox auch zuerst dieser Schluß scheinen
mag, daß die landwirtschaftliche Wissenschaft so wenig wie möglich
Fortschritte mache. Denn worin auch dieser Fortschritt bestehe, er
kann kein anderes Resultat haben, als zu gestatten, auf demselben Felde
eine größere Menge Produkte zu erzeugen, das Gesetz des sinkenden
Bodenertrages unwirksam zu machen, und so den Preis der Lebens
mittel und die Bodenrente zu erniedrigen, da es nicht mehr notwendig
sein würde, schlechte Felder zu bewirtschaften. Da, mit einem Wort,
die Bodenrente sich am Hindernis mißt, wie die Höhe des Wasser
spiegels in einer Talsperre an der Höhe der Schleuse, so wirkt alles,
was das Hindernis erniedrigt, darauf hin, die Bodenrente zu ver
ringern. Zur Abschwächung jedoch muß angeführt werden, daß jeder
Grundbesitzer individuell Interesse daran hat, landwirtschaftliche
Meliorationen auszuführen; denn solange diese Meliorationen noch nicht
genügend verallgemeinert sind, um die Preise zum Sinken zu bringen
und die Anbaugrenze einzuschränken, hat er Zeit, von dem erhöhten
Ertrag zu profitieren. Da alle Grundbesitzer den gleichen Gedanken
verfolgen, ist es möglich, daß die individuellen Interessen auf eine
Selbsttäuschung zum Vorteil des Allgemeininteresses hinauslaufen.
Man darf sich aber nicht zu sehr hierauf verlassen.
Ricardo stellt diesen Gegensatz fest 1 ) und unterstreicht ihn
l ) „Die Geschäfte zwischen dem Großgrundbesitzer und der Gesamtheit sind
verschieden von den anderen Handelsgeschäften, da man von diesen sagen kann, daß
der Verkäufer, wie der Käufer seinen Vorteil dabei findet, während in jenen der
ganze Verlust auf der einen Seite, und der ganze Gewinn auf der
anderen Seite ist“ (S. 308). Wenn der Grundbesitzer dem Verbraucher sein
Getreide verkauft, so ist das nicht ein gewöhnlicher Tausch, bei dem beide Teile
Gewinn haben. Der Verbraucher erhält nichts für das, was er gibt.“ (Hier ist
natürlich als gedacht angenommen: für den Teil, der die Produktionskosten übersteigt.)
Aber keinen Gegenwert für das, was man gibt, zu erhalten, heißt das nicht, be
stohlen werden?
An einer anderen Stelle sagt Kicaedo, als Antwort auf die gleichmütige Be-