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Viertes Buch. Die Abtrünnigen.
hierzu ist man um so mehr berechtigt, da das kommunistische
Manifest dies in klaren Worten ausspricht: „In diesem Sinn können
die Kommunisten ihre Theorien in dem einen Ausdruck: Aufhebung
des Privateigentums — zusammenfassen 1 ).“
Das Manifest führt aber zugleich aus, wie dies zu verstehen ist.
Das Privateigentum, um dessen Abschaffung es sich handelt, ist nicht
das Recht des Arbeiters auf das Erzeugnis seiner Arbeit, sondern
das Recht auf das Erzeugnis der Arbeit anderer, der Arbeit des
Lohnempfängers. Es ist dies die Form des Besitzes, die Privat
eigentum genannt wird, die man aber besser bürgerliches Eigentum
nennen sollte, und die bestimmt ist, unter der kollektivistischen
Ordnung zu verschwinden. Was das Eigentumsrecht des Menschen
an dem Produkt seiner Arbeit anlangt, wie es früher unter der Herr
schaft der Zünfte und der bäuerlichen Landwirtschaft existierte, so
hat es der Kapitalismus schon vernichtet oder ist im Begriff, es zu
zerstören, indem er es durch das Lohnsystem ersetzt! Weit davon
entfernt, dieses Eigentumsrecht zu vernichten, wird es der Kollek
tivismus wieder ins Leben rufen — nicht mehr unter der veralteten
und individualistischen Form des Eigentums des Arbeiters an dem
Erzeugnis seiner Arbeit, denn dies ist in Zukunft mit den Be
dingungen der Großproduktion und der Arbeitsteilung unverträglich,
— sondern unter der Form eines Anrechtes auf einen dem Erzeugnis
seiner Arbeit entsprechenden Wert 2 ).
Welches praktische Mittel soll nun diesen zwiefachen Zweck
erfüllen ?
Die Rückgängigmachung dessen, was der Kapitalismus getan hat,
die Enteignung der Kapitalisten aus ihrem Besitze an den Produktions-
') Engels sagt auch: „Die Aufgabe des kommunistischen Manifestes war die
Proklamation des unvermeidlich bevorstehenden Untergangs des heutigen bürger
lichen Eigentums“ (Vorwort zum kommunistischen Manifest, S. 6).
Heute jedoch zieht man vor, als Ziel des kollektivistischen Sozialismus die
Abschaffung des Lohnsystems hinzustellen, — da die Abschaffung des Eigentums
nur das unvermeidliche Mittel zur Erreichung dieses letzten Zieles ist. So sagt
Labeiola (Essai sur la Conception Materialiste, 2. Ausg. S. 62): „Sie
(die Proletarier) gelangen zu dem Verständnis, daß sie nur ein Ziel vor Augen haben
müssen: die Abschaffung des Lohnsystems.“
Das gleiche Ziel wird aber auch von anderen, als den Sozialisten erstrebt, von
den Assozialisten, den Kooperativisten, und von der radikal-sozialistischen Partei;
und, indem diese sich auf den entgegengesetzten Standpunkt stellen, glauben sie,
daß das einzige Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, in der Vermehrung des Eigen
tums bestehe, während seine Abschaffung ganz im Gegenteil die Verallgemeinerung
des Lohnsystems bedinge.
2 ) „Der Kommunismus nimmt keinem die Macht, sich gesellschaftliche Produkte
anzueignen, er nimmt nur die Macht, sich durch diese Aneignung fremde Arbeit zu
unterjochen“ (Kommunistisches Manifest, S. 20).