638
Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten /eit.
hängern der Nationalisierung des Bodens, Stuaet Mill, Wallace,
Heney Geoege und Waleas 1 ) wieder. Hierdurch stehen sie in enger
Verbindung mit den Schriftstellern, von denen wir eben gesprochen
haben. Nur einer, Gossen, macht eine Ausnahme.
Doch es führt nicht sehr weit, die Unrechtmäßigkeit des Grund
besitzes nur zu behaupten. Denn wenn die Aneignung des Bodens
eine Ungerechtigkeit vorstellt, so liegt diese Ungerechtigkeit so weit
zurück, daß ihre Urheber seit langem durch Verjährung gedeckt sind.
Die meisten der jetzigen Grundbesitzer, wenn nicht alle, haben den
Boden nicht mit Gewalt usurpiert, sondern durch die Früchte ihrer
Arbeit und ihrer Ersparnisse regelrecht erworben. In ihren Händen
ist der Boden ein ebenso rechtmäßig besessenes Produktionsmittel,
wie irgendein Kapital, eine Maschine zum Beispiel. Es ihnen ohne
Entschädigung nehmen, würde das alte Unrecht nicht wieder gut
machen, sondern es nur mit einem neuen Unrecht krönen. Daher
hatte die Theorie des Rechtes der Gemeinschaft am Boden ein nur
platonisches Interesse bis zu dem Tage, an dem sie durch eine neue
Theorie: die der Rente, verstärkt wurde.
Was beweist Ricabdo nämlich ? Daß das Privilegium des Grund
besitzes sich sozusagen unter unseren Augen verewigt. Der Boden
genießt einen Vorteil, den kein anderes Kapital genießt. Selbsttätig,
automatisch, außerhalb jeder Betätigung des Besitzers, wächst sein
Einkommen. Die Erstreckung der Bewirtschaftung auf neue Felder,
das Wachstum der Bevölkerung, die sich hieraus ergebende Nach
frage nach Nahrungsmitteln sichern der Erde einen ins Endlose
wachsenden Wert. Der Wille, die Intelligenz oder die Initiative des
Besitzers haben damit nichts zu schaffen. Die Umstände, das soziale
Milieu sind seine einzige Quelle. Dieser Wert, der aus der Gemein
schaft erwächst, gehört ihr; und trotzdem usurpiert ihn der Grund
besitzer heute geradeso, wie er im Anfang den Boden selbst usurpierte.
Warum soll er nicht daran gehindert werden?
l ) Stuart Mill: „Die Erde ist das ursprüngliche Erbe der gesamten Mensch
heit 11 . (Dissertations and Discnssions, Bd. IV, S. 243; vgl. anoh S. 256).
In seinen Principles of Political Economy (Bd. II, Kap. II, § ö) drückt er
sich wie folgt aus: „Da das wesentliche Prinzip des Eigentums darin besteht, einem
jeden das, was er durch seine Arbeit erzeugt und durch seine Enthaltsamkeit ange
sammelt hat, zu sichern, so kann sich dieses Prinzip nicht auf das beziehen, was
kein Arbeitserzeugnis ist: das Rohmaterial der Erde.“ — Waleas (Theorie de la
propriete in den Etudes d’economie sociale, S. 218) schreibt: „Auf Grund
des natürlichen Rechtes ist der Boden das Eigentum des Staates.“ — Henry George
(Progress and Poverty, Buch VII, Kap. I; S. 297 der deutschen Übers, von
F. Dobeert „Fortschritt nnd Armut“, Halle/S. Verlg. 0. Hendel) sagt: „Das gleiche
Recht aller Menschen auf die Nutznießung von Grund und Boden ist ebenso klar
wie das gleiche Recht auf die Luft, die wir einatmen — es ist ein Recht, verbürgt
durch die Tatsache ihrer Existenz.“