Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  IV.  Die  Anarchisten.

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sagt:  „Wir  erkennen  die  absolute  Autorität  der  Wissenschaft  an;
gegenüber  den  Naturgesetzen  gibt  es  für  den  Menschen  nur  eine
einzige  Möglichkeit,  frei  zu  sein,  nämlich  sie  anzuerkennen  und  sie
immer  mehr  und  mehr  auzuwenden  .  .  .  Man  muß  z.  B.  ein  Narr,
oder  ein  Theologe,  oder  zum  wenigsten  ein  Metaphysiker,  Jurist  oder
bürgerlicher  Volkswirtschaftler  sein,  um  sich  gegen  das  Gesetz  aufzulehnen, ­
  daß  2  und  2  gleich  4  ist.“  Höchstens  kann  der  Mensch  in
dieser  Hinsicht  das  Eecht  beanspruchen,  den  natürlichen  Gesetzen
nur  zu  gehorchen  „weil  er  sie  selbst  als  solche  erkannt  hat  und
nicht,  weil  sie  ihm  von  außen  durch  einen  fremden  Willen  aufgezwungen ­
  worden  sind“  *).
Und  wie  Baktjnin  sich  der  Wissenschaft  beugt,  beugt  er  sich
auch  der  technischen  und  wissenschaftlichen  Zuständigkeit.  „Wenn
es  sich  um  Stiefel  handelt,  vertraue  ich  der  Autorität  des  Schuhmachers; ­
  wenn  es  sich  um  ein  Haus  handelt,  einen  Kanal  oder  eine
Eisenbahn,  ziehe  ich  den  Architekten  oder  den  Ingenieur  zu  Rate“...
Aber  das,  was  er  in  ihnen  achtet,  ist  nicht  ihre  Funktion,  sondern
ihre  Wissenschaft,  ist  nicht  der  Mensch,  sondern  sein  Wissen.  „Ich
lasse  mir  weder  den  Schuhmacher,  noch  deu  Architekten,  noch  auch
den  Gelehrten  aufzwingen.  Frei  höre  ich  sie  an  und  mit  aller  Achtung, ­
  die  ihre  Intelligenz,  ihr  Charakter,  ihr  Wissen  verdient,  indem
ich  mir  jedoch  stets  mein  unantastbares  Eecht  der  Kritik  und  der
Kontrolle  Vorbehalte 2 ).“  Bakukin  zweifelt  nicht  daran,  daß  die  Mehrzahl ­
  der  Menschen  sich  gern  und  freiwillig  dieser  natürlichen  Autorität
der  Wissenschaft  beugt.  Mit  Descaetes  glaubt  er,  und  drückt  es
fast  in  den  gleichen  Worten 8 )  aus,  daß  „der  gesunde  Menschenverstand ­
  das  ist,  was  sich  am  Weitesten  in  der  Welt  verbreitet  findet“.
Der  gesunde  Menschenverstand  ist  nun  nichts  anderes  als  „die
Summe  der  allgemein  anerkannten  Gesetze“.  Gleich  den  Physiokraten
glaubt  er  an  die  Evidenz  der  natürlichen  Gesetze,  deren  Herrschaft
er  von  ganzem  Herzen  herbeisehnt.  Wie  sie  glaubt  auch  er,  daß
„ein  weitherziges  System  der  Volkserziehung  und  des  Volksunterrichtes“ ­
  es  erreichen  wird,  daß  sie  von  allen  erkannt  und  angenommen
werden.  Mit  dem  Tage,  an  dem  sie  so  „in  das  Bewußtsein  aller
Menschen  eingedrungen  sein  werden,  wird  auch  die  Frage  der  Freiheit
vollständig  gelöst  sein“ 4 ).  Wieder,  wie  schon  öfter,  bemerken  wir
diesen  Nachklang  des  optimistischen  Rationalismus  des  18.  Jahr-*)

  Bakünik,  (Buvres,  Bd.  III,  S.  51.
2 )  Ebenda,  S.  55.
3 )  „Im  allgemeinen  kann  man  sagen,  daß  die  große  Menge  der  Menschen  sich
in  ihrem  täglichen  Leben  fast  vollständig  vom  gesunden  Menschenverstände  leiten
läßt“  ((Buvres,  Bd.  III,  S.  50).
4 )  Bakunin,  (Buvres,  Bd.  III,  S.  51.
            
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