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Die Eisenbahnen: Oberbau.
dabei lassen sich die Schwellen gut und sicher mit Bettungsmaterial: Kies*), Steinschlag,
Hochofenschlacke unterstopfen, so daß ein solcher Oberbau auch fest in der Bettung liegt.
Um das Holz gegen Fäulnis zu schützen, tränkt man es nach Austreibung seines Saftes
mit schützenden Flüssigkeiten (Kreosot, Teeröl, Zinkchlorid), die unter starkem Drucke hinein
gepreßt werden. Hierzu dienen besondere Schwellen-Tränkungsanstalten. Eiche hat sich
am besten bewährt, dann kommt Lärche, Kiefer (namentlich nordische), sodann Fichte, während
Buche die geringste Lebensdauer zeigt. Durch das Tränken wird letztere wesentlich er
höht, wie nachstehende Übersicht ergibt:
Mittlere Lebensdauer der Schwellen:
Holzart
Ohne Tränkung
Mit Tränkung
Eiche
14
21
Lärche
9
17
Kiefer
7
16
Fichte
4
13
Buche
3
12—15
Bei dem großen Bedarf an Schwellen kann Deutschland genügend Eichenholz hierfür
nicht mehr liefern und ist auf den Bezug aus Ungarn u. s. w. angewiesen. Dagegen ge
statten seine ausgedehnten Kiefern- und Buchenwälder eine Deckung des Bedarfs. Da
Kiefernholz etwa halb so teuer wie Eiche ist, Buche ebenfalls billiger als diese, so ist die
Verwendung von Kiefern- und Bnchenschwelleu
von hervorragender Bedeutung für die deutsche
Forstwirtschaft.
Früher besaßen die Querschwellen in Deutsch
land 2,5 m Länge bei etwa 25X^6 ona Quer
schnitt und lagen weiter auseinander als jetzt. Nach
englischem Vorbilde verwendet man sie seit einigen
Jahren 2,7 m lang und gibt ihnen auch einen ge
ringeren Abstand voneinander. Auf den preußi
schen Staatsbahnen werden bei 12 in langen
Schienen je nach dem Schienenprofil 13 bis 16
Schwellen auf eine Schienenlänge verlegt und 19
bis 20 bei 15 in langen Schienen. An den Stößen
wird der Schwellenabstand bis auf 50 cm herab
gemindert.
Die Schienen werden durch die Seitenstöße der
Räder sowohl auf Kippen um die äußere Fnßkante,
als auch auf Verschiebung nach außen beansprucht.
Sie müssen deshalb sehr sicher auf den Unterlagen
befestigt werden. Hierzu dienen bei der Breitfnßschiene
entweder Hakennägel (Abb. 129) oder die aus
Frankreich stammenden Schrauben (tirs-koncks) (Abb. 130). Erstere sind mit einer Schneide
ausgestattet, die senkrecht zur Faserrichtung des Holzes eingetrieben wird, damit die Nägel
fester in letzterem haften. Auf den preußischen Staatsbahncn werden bei Neuanlagcn Nägel
nicht mehr verwendet, sondern nur noch Schrauben. Die Löcher für letztere werden
vorgebohrt und zwar durch die ganze Schwelle. Damit die Schienen unter den starken Rad
lasten (in Deutschland bis 8000 kg, in England bis 9500 kg und in Amerika vereinzelt
bis über 10000 kg) nicht die Schwellen zu sehr angreifen, legt man vielfach unter sie
schmiedeeiserne Unterlagsplatten. Zweckmäßig stellt man deren obere Begrenzung mit 1:20
gegen die Wagerechte geneigt her, damit die Schienen gegen die Senkrechte um '/ 20 geneigt
129. Hakennagel. 130. Schiencnschranbc.
*) Der Kies muß thunlichst frei von Sand sein, da er sonst u. a. zu Staubbildung in den
trockenen Monaten Anlaß gibt, eine der unangenehmsten Plagen zur sommerlichen Reisezeit.
Gewaschener Flußkies ist empfehlenswert. Auf amerikanischen Bahnen wird häufig ein höchst
mangelhafter Kies (spöttisch Schlammkies genannt) zur Bettung genommen. Haben dortige Bahnen
den besseren, freilich auch teueren Steinschlag oder Schlacken u. s. w. benutzt, so heben sie diesen
Vorzug in ihren zwecks Reklame u. s. w. überall kostenlos ausgegebenen Fahrplänen ganz be
sonders hervor und preisen ihn als eine hohe Annehmlichkeit des Fahrens auf ihrer Linie.