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kann man Johannsen und allen anderen, die das fordern, voll-
kommen beipflichten. Die Frage ist nur, ob er nicht ähnlich wie
Gesell die Geldhortung als Quelle dieser „Ausbeutung“ ganz
erheblich überschätzt. Und wenn das selbst verneint wird, bleibt
noch zu untersuchen, ob sein Heilmittel nicht den Teufel mit
Beelzebub austreibt, nicht ein größeres Übel das andere ablöst.
Bei Johannsen dürfte namentlich dieses letztere der Fall sein.
Nicht daß seine „Geldsteuer“ wie Gesells Freigeld widersinnig
wäre, sich selbst aufhöbe, — die Einwände betreffen nur die zu
befürchtenden nachteiligen Folgen seiner praktischen
Durchführung für den gesamten Wirtschaftsverkehr; diese
Nachteile erscheinen unverhältnismäßig groß neben dem Vorteil,
daß der Geldhamsterei ein Riegel vorgeschoben wird.
Johannsen bezeichnet als die ‚unter der Geldsteuer statthaiten
Zahlmittel..: Erstens: Papiergeld, aus Marktalerscheinen bestehend“
(der Marktaler ist lediglich eine Rechnungseinheit). „Zweitens: Schecks,
auf eine Freibank gezogen und auf Neumark lautend‘“ (etwa unseren Geld-
surrogaten entsprechend; die Neumark ist gleichbleibende Rechnungseinheit
im Gegensatz zu dem dauernd im Nennwert sinkenden Marktaler). ‚Drittens:
Scheidemünze, bis zum Betrage eines Marktalers. Viertens: Alt-
geld, aus Gold, Silber oder Banknoten bestehend“; dies aber in der Haupt-
sache „nur gestattet zu Zwecken der Umwechslung bei der Reichsbank und
bei den Goldbanken‘“ (S. 88). Die Steuer lastet hauptsächtich auf
der ersten Geldart: „Ein Ein-Marktaler-Schein ist in der ersten Januar-
woche eine Reichsmark (oder Neumark) oder 100 Pfennige wert, ver-
liert aber jede Woche einen Pfennig am Werte‘ — bei
Gesell nur !/,9 Pfennig —, „bis gegen Ende des Jahres sein Wert auf
50 Pfennige gefallen ist; dann können zwei alte Scheine zu 50 Pfennigen gegen
einen neuen zu 100 Pfennigen umgetauscht werden, und dieser ist gleichfalls
dem wöchentlichen Wertwechsel unterworfen. Letzterer findet statt in der
Freitagnacht... Eine Summe von 100 Neumark meint also 100 Reichsmark,
aber nicht in Gold zahlbar, sondern in Marktalerscheinen, wobei letztere je
nach dem Datumwert verrechnet werden ... Der wöchentliche Wertverlust
bedeutet (eben)soviel Steuereinnahme für die Regierung. Beträgt
in der ersten Januarwoche der Wertverlust 40 Milionen Mk. auf alles im
Lande kursierende Neugeld, so druckt die Regierung 40 Millionen zuzüg-
liches Neugeld, welches Geld sie zur Bestreitung der laufenden Regierungs-
ausgaben verwenden kann. Für diese zuzüglichen Emissionen von Papier.
geld, die sich jede Woche wiederholen, existiert volle Deckung des Metall-
geldes‘‘ (S. 89/90). Die Metalldecke des Geldes rührt daher, daß es
nur in den Mengen ausgegeben wird, in denen Gold in die Reichsbank ein-
geliefert wird: „Zum Zwecke des Umwechselns eröffnet die Regierung Go1d -
banken (eventl. in Verbindung mit den Postämtern), welche am Samstag-
morgen‘‘ — nur zu dieser Zeit, unmittelbar nach dem Kurswechsel — ‚,Gold
auszahlen gegen Hinterlegung von Marktalerscheinen, zu andern Zeiten
aber Marktalerscheine auszahlen gegen Hinterlegung von Altgeld; wobei der