Full text: Geld-, Bank- und Börsenwesen

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betn von dem festen Pari abweichen, da Überschreitungen dieser Grenzen 
sofort Goldversendungcn veranlasse», wodurch der Kurs wieder seinen 
früheren Stand annehmen würde *). 
Wie man das feste Pari (Goldparität) berechnet, sei an folgendenr Bei 
spiel erläutert: Aus 1 kg Gold in der Mischung 800 /iooo werden in 
Deutschland 2511 M, in Frankreich 3100 Fr. geprägt. Es lassen sich also 
folgende Gleichungen ausstellen: 
1 kg Gold = 2511 M, 
1 kg Gold = 3100 Fr., 
folglich 2511 M = 3100 Fr., 
oder 81 3JJ = 100 Fr., 
b. h. das Pari zwischen Deutschland und Frankreich ist 81 M für 100 Fr. 
Durch ähnliche Berechnung ersehen wir, daß der Pariwert mit Eng 
land sFeingehalt der englischen Münzen 11 / 12 ) 20,4295, mit Holland 
168,74, mit New York 419,79 usw. ist. 
Durch den festen Goldpreis, den die Zentralnotenbanken der einzelnen 
Länder zahlten, war also das Wertvcrhältnis für die einzelnen nationalen 
Geldeinheiten, d. h. für die va lu tar ischen Beziehungen zwi 
schen den einzelnen nationalen Geldverfassuugen gegeben. 
Unter G o l d p n n k t — auch praktische Parität im Gegensatz zur theo- 
retischen oder festen Parität genannt — versteht man die beiden Grenz- 
kurse, bei denen der Bezug oder die Versendung von Bargeld anfängt, 
lohnend zu toerden. Streben die Wechselkurse dem Goldpnnkt zu, der den 
Bezug von Gold ans dem Auslande ermöglicht, so spricht man — der Be 
zeichnung liegt die nierkantilistische Auffassung zugrunde — von „gün- 
fügen" Wechselkursen s„Goldpunkt für uns" sd. h. für Deutschlands); im 
umgekehrten Falle, d. h. wenn cs vorteilhafter ist, Gold (Bargeld usw.) 
nach dem Ausland zu senden, um die Schuld zu begleichen, so sagt man: 
Der Goldpnnkt ist „ungünstig" („gegen uns"). 
Allgemeingültig läßt sich der Goldpunkt nicht feststellen, da die 
Bcschaffungs. und Vcrsendungskosten nicht immer gleich sind. Obgleich 
st Siehe auch mein „Bankgeschäft", a. a. O. Herzfelder, Die volkswirt 
schaftliche Bilanz und eine neue Theorie der Wechselkurse. Berlin 1920. I. I r. 
Schär, Zahlungsbilanz und Diskont. Berlin 1908. Julius Wolf, Das 
internationale Zahlungswesen. Leipzig 1913. L c i st, Der internationale 
Kredit- und Zahlungsverkehr. Leipzig 1914.
	        
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