Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

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V.  Arten  der  an  der  Börse  gehandelten  Wertpapiere1).
Übersicht.
Effekten  und  Wertpapiere  sind  nach  allgemeinem  Sprachgebrauch  gleichbedeutende ­
  Begriffe.  Wenn  man  aber,  mit  Sattler,  als  Charakteristikum ­
  der  Effekten  ihre  Vertretbarkeit  betrachtet,  so  kann  man  Wechsel
und  Schecks  nicht  dazu  zählen.  Effekten  sind  dann  Wertpapiere  besonderer
Art.  „Versachlichte  Schuldverhültnisse"  nennt  sie  Sonibart.  Persönliche ­
  Beziehungen  zwischen  Gläubiger  und  Schuldner  bestehen  nicht.
Liefmann^)  nennt  Wertpapiere  verbriefte  Fordernngsrechte  und  unterscheidet ­
  Geldpapiere  (Banknoten,  Wechsel,  Schecks)  und  Kapitalpapiere.
  Für  diese  ist,  im  Gegensatz  zu  jenen,  charakteristisch,  daß  sie  Anspruch ­
  auf  dauernde  Erträge  verkörpern,  daher  ein  K  a  p  i  t  a  l  darstellen,  während ­
  jene  nur  Geld  als  Tauschmittel,  aber  nicht  Geldkapital,  Mittel  der
Kapitalanlage,  ersetzen  bzw.  verkörpern.  Effekten  sind  eine  Unterart  der  .Kapitalpapiere ­
  und  unterscheiden  sich  von  anderen  Kapitalpapieren  sHypotheken,
Darlehnsscheinen)  durch  ihre  Vertretbarkeit.  —  Die  Bankpraktiker  und  auch
die  Gesetze  brauchen  jedoch  bald  das  eine,  bald  das  andere  Wort.
Einer  der  Hauptvorzüge  der  Effekten  besteht  darin,  daß  Kursnotierungen ­
  dauernd  Aufschluß  über  ihren  Marktwert  geben  und  häufig  Umsätze ­
  in  ihnen  stattfinden,  so  daß  der  Eigentümer  sich  rasch  von  ihnen
trennen  und  somit  sein  Geld  für  andere  Zwecke  freiniachen,  sie  andrerseits ­
  aber  auch  wieder  jederzeit  erwerben  kann.  Effekten  bilden  sonach
die  bequeniste  Form  der  Kapitalanlage^).
i)  über  die  verschiedenen  Gattungen  der  Wertpapiere  und  die  Gesichtspunkte
der  Auswahl  siehe  auch  meine  im  Verlag  von  Dürr  &  Weber  in  Berlin  SW  11
erschienenen  Zellenbücher:  1.  Plaudereien  eines  Bankdirektors  über  Kapitalanlage ­
  und  Vermögensverwaltung,  2.  Börsengeschäfte,  3.  Der  Handelsteil  einer
Zeitung,  4.  Wie  steht  der  Dollar?
3)  Beteiligungs-  und  Finanzierungsgesellschaften.  Jena  1909.  S.  30.
3)  Helfferich  schreibt  (1914)  in  seiner  Arbeit  „Deutschlands  Volkswohlstand
1888  bis  1913":  „Das  deutsche  Volkseinkommen  beträgt  rund  40  Milliarden
jährlich,  gegen  22—26  Milliarden  M  um  das  Jahr  1895.  Von  den  40  Milliarden ­
  werden  jährlich  etwa  7  Milliarden  M,  also  etwa  ein  Sechstel,  für
öffentliche  Zwecke  aufgewendet,  etwa  25  Milliarden  M  dienen  dem  privaten
Verbrauch,  und  etwa  8—8Vs  Milliarden,  die  sich  durch  den  automatischen
Wertzuwachs  des  vorhandenen  Vermögens  auf  10  Milliarden  erhöhen,  wachsen
als  Mehrung  dem  Volksvermögen  zu,  gegen  etwa  4*/2—6  Milliarden  vor
15  Jahren."  —  Über  die  gegenwärtige  Vermehrung  des  Volksvermögens
besitzen  wir  noch  keine  zuverlässigen  Schätzungen.
            
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