Full text : Kapitalismus und Sozialismus

Wirtschaftskrisen  und  klapitalbildung

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Solge  der  Tatsache  angesehen  werden,  daß  die  Produktion  heute  für
Rechnung  und  Gefahr  einzelner  Unternehmer  geführt  wird.  Die
Herrschaft  der  privatkapitalistischen  Produktionsweise  in  diesem
binne  ist  für  sich  allein  noch  nicht  die  entscheidende  Ursache  für  das
periodische  Auftreten  von  Wirtschaftskrisen,  wohl  aber  hängt  die
krisenhafte  Disposition  der  modernen  Volkswirtschaft  insofern  mit
ihrem  kapitalistischen  Charakter  zusammen,  als  unter  Kapitalismus
hier  die  Tatsache  zu  verstehen  ist,  daß  seit  der  Umwälzung  der  Technik ­
  in  den  letzten  anderthalb  Jahrhunderten  das  stehende  Kapital, ­
  also  das  Kapital  in  der  Form  von  ausdauernden  Gütern  wie
Maschinen,  Hochofenanlagen,  Eisenbahnen,  Kanälen,  Schiffen,  Kraft-Zentralen
  u.  dgl.  in  der  Volkswirtschaft  eine  unvergleichlich  viel
größere  Rolle  spielt  als  früher.  Mit  dieser  Tatsache  hängt  der  periodische ­
  Konjunkturenwechsel  in  der  Industrie  aufs  innigste  zusammen.
Denn  er  entspringt  daraus,  daß  die  Bildung  von  stehendem  Kapital
infolge  der  Wechselwirkung,  die  zwischen  der  höhe  des  Zinsfußes
und  der  Unternehmungslust  in  der  Industrie,  d.  h.  der  Neigung,
neue  Betriebe  zu  gründen  und  vorhandene  zu  erweitern,  besteht,  sehr
ungleichmäßig  vor  sich  geht.  Bald,  nämlich  wenn  der  Zinsfuß  niedrig ­
  steht,  herrscht  die  Neigung,  die  Produktion  von  stehendem  Kapital ­
  stark  auszudehnen,  was  vor  allem  der  Eisenindustrie  in  ihren
verschiedenen  Abteilungen  zugute  kommt,  da  der  größte  Teil  der
Euter,  die  zum  stehenden  Kapital  gehören,  heute  aus  Eisen  hergestellt ­
  wird.  Bald  wieder,  wenn  nämlich  durch  die  rasche  Ausdehnung ­
  der  Unternehmungstätigkeit  und  die  steigenden  Ansprüche,  die
dadurch  an  den  Kapitalmarkt  gestellt  werden,  der  Zinsfuß  in  die
Höhe  getrieben  ist,  läßt  die  Unternehmungslust  rasch  nach,  und  die
Produktion  von  neuem  stehenden  Kapital  muß  eingeschränkt  werden. ­
  Dabei  hat  regelmäßig  sowohl  die  Unternehmungslust  im  aufsteigenden ­
  Ast  der  Bewegung  wie  die  Unternehmungsunlust  in  ihrem
absteigenden  Ast  etwas  Ansteckendes.  Dieses  massenpspchologische  Moment ­
  muß  bei  dem  Zustandekommen  des  periodischen  Konjunkturenwechsels ­
  ebenfalls  mitberücksichtigt  werden.
            
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