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Stille Reserven.
2. Durch Überbewertung der Passiva. Selten werden Schulden
höher bewertet; in anderen Fällen werden bereits verdiente
Gewinne bilanzmäßig unsichtbar zurückgestellt Solche ,,unverrechnete“
Gewinne, z. B. Konsortialgewinne, verschwinden iß
der B. unter den Kreditoren 1 ); sie sind die stillen Reserven
im engeren Sinne.
„Eine andere Art, für solche stille Reserven vorzusorgen,
besteht darin, daß erzielte Gewinne einstweilen unverrechnet
bleiben. Eine Bank, die in einem besonders günstigen Jahre
zahlreiche Konsortialgeschäfte erfolgreich abgewickelt hat, wird
in der Regel geneigt sein, einen Teil der daraus erzielten Gewinne
zu reservieren, sei es in Form von Abschreibungen auf andere
Konsortialengagements oder indem sie irgendwo versteckt werden.
Diese Vorsorge ermöglicht natürlich, in schlechteren Jahren
die auf solche Weise zurückgehaltenen Gewinne hervorzuholen
und zur Aufbesserung der Erträgnisse zu verwenden. Es können
dann niedrig zu Buch stehende Bestände abgestoßen und auf
diese Weise eine Gewinnsteigerung erzielt werden, oder es werden
die reservierten und versteckten Gewinne der Vorjahre nachträglich
zur Verrechnung gebracht.“
Außer diesen unverrechneten Gewinnen können stille Reserven
geschaffen werden: durch Einstellung von Rücklagen
unter die Kreditoren, durch die Berechnung der aus noch abzunehmenden
Rohstoffen bzw. Devisen bestehenden Verpflichtungen
an das Ausland zu verhältnismäßig hohen Devisenkursen,
durch Einstellung bestrittener Schulden; vgl. auch das 5. Beispiel,
17. Abschnitt.
Für die Bilanzkritik ist zu merken: Es gibt sichtbare und
unsichtbare Abschreibungen, sichtbare und geheime Gewinne,
versteckte Verluste, echte Kreditoren und „Gewinnkreditoren“,
Verschiebungen innerhalb der einzelnen Bilanzposten, insbesondere
in der Ertragsbilanz. Es gibt „verschobene“ Gewinne
unter den Debitoren: hohe Gewinne und solche, die nicht in
Erscheinung treten sollen, werden auf Forderungen der Konzernund
Tochtergesellschaften abgeschoben, Forderungen an diese
x ) Vgl. Moll, op. cit. S. 242 ft.; Passow, Die wirtschaftliche Bedeutung
und Organisation der Aktiengesellschaft. Jena 1907. S. 89 ff.