Object: Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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die damalige Führerschaft der Sozialdemokratie Deutschlands, ein Kriegsruf 
der äußersten Linken der Partei für Wiederaufnahme der radikalsten Tra 
ditionen der Sozialdemokratie. Obwohl die revolutionäre Linke, hinter der 
in Berlin zeitweilig fast die ganze „innere Bewegung" stand, durchaus 
nicht nur aus jugendlichen Personen bestand, sondern Leute aller Alters 
klassen in ihren Reihen zählte, kam nun doch, und zwar zuerst in der bür 
gerlichen Presse die Bezeichnung „die Jungen" für sie auf; denn gegen 
über den Auer, Bebel, Liebknecht, Singer waren die führenden Vertreter 
der Opposition allerdings „junge Leute". 
Wie ohne weiteres begreiflich, schenkte ein Teil der bürgerlichen Presse 
diesen „Jungen" alsbald starke Beachtung und ein gewisses Wohlwollen. Man 
vermied es zwar, rund heraus für sie Partei zu nehmen, erklärte aber, das, 
was sie verlangten, doch nur die folgerichtige Anwendung dessen sei, was 
die alten Führer stets gepredigt hätten; die letzteren hätten nur nicht die 
Ehrlichkeit oder den Mut, die Konsequenzen ihrer Lehren zu ziehen. And 
als Wilhelm Liebknecht das Wort fallen ließ, nachdem der Parteitag ge 
sprochen haben werde, würden diejenigen, die sich seinen Beschlüssen nicht 
fügten, „fliegen", gebärdeten sich namentlich die reaktionären Blätter höchst 
entrüstet über solche „Parteidiktatur". Nun wäre die Drohung sicherlich 
besser unterblieben, aber das Pharisäertum in der sittlichen Entrüstung 
jener Presse lag zu offen zutage, als daß sie auf die sozialistische Arbeiter 
schaft Berlins größeren Eindruck hätte machen können. Sie schadete viel 
mehr den „Jungen" eher noch, als daß sie ihnen von irgendwelchem realen 
Vorteil gewesen wäre. 
Es fanden nun im August und September 1891 noch verschiedene 
Versammlungen in Berlin statt, die zu Zusammenstößen zwischen Vertretern 
der offiziellen Parteitaktik und Vertretern der Opposition führten. So am 
25. August eine große Versammlung im Wahlverein des sechsten Berliner 
Reichstagswahlkreises, in der das Vorstandsmitglied Albin Gerisch über 
Kritik und Disziplin referierte. Die Darlegung Gerischs, daß das 
Prinzip der Disziplin und die Forderung freier Kritik durchaus vereinbar 
seien, solange die Kritik sachlich bleibe, daß aber die von der Opposition 
geübte Kritik dieses Maß überschreite, rief eine lebhafte Debatte hervor. 
Der Schriftsetzer Eugen Ernst bekannte sich mit Wärme zur Opposition, 
indem er betonte, daß sie durchaus von ehrlichem Wollen beseelt sei und 
nur aus innerster Überzeugung die Laltung der Parteileitung als schädlich 
bekämpfe. Ihm entgegnete in längerer Rede Ignaz Auer, der die 
Maßnahmen der Parteileitung verteidigte und insbesondere die Bedeutung 
des Parlamentarismus hervorhob, während für die Opposition noch der 
Arbeiter E. Börner Stellung nahm. Die Versammlung wurde schließlich 
vertagt und am 1. September im Saal zum Eiskeller fortgesetzt. An diesem 
Abend erklärte zunächst Eugen Ernst, in Antwort auf einen in der ersten 
Versammlung geäußerten Vorhalt, daß er nicht der Verfasser des Flug 
blattes der Opposition sei, kritisierte dann eingehend das Auftreten der ein 
zelnen Parteiführer als zu weit getriebenen Parlamentarismus, sowie die Ab- 
wiegclei in der Maifeierfrage, und faßte den leitenden Gedanken der Kritik 
in den Satz des Flugblattes der Opposition zusammen: „Nicht Anehrlichkeit 
werfen wir den Führern vor, sondern zu weit getriebene Rücksichtnahme 
nuf allerhand Machtfaktoren, hervorgegangen aus ihrer veränderten Lebens-
	        
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