Full text: Die modernen Lösch- und Ladeeinrichtungen und ihre Bedeutung für die Seeschiffahrtsbetriebe

sprechend der Tonnage der Schiffe, die die Kais benutzen, nun 
auch die über die Kais gelandete Gütermenge die Hälfte der 
überhaupt seewärts in Hamburg angekommenen Güter ausmache. 
Dem ist nicht so. Das Gewicht der am Staatskai inkl. Freilade 
verkehr gelandeten Güter betrug 1911 rund 3230000 Tonnen 1 ). 
Dagegen ist die Menge der gelöschten Güter an den Privatkais 
wesentlich geringer als an den Staatskais; sie betrug 1911 etwa 
67,18 % der letzteren. Demnach käme für die Privatkais eine 
gelandete Gütermasse von ca. 2 170000 Tonnen in Frage, ins 
gesamt für alle Kais also ca. 5 400 000 Tonnen. Das sind aber 
von der Gesamtmenge der seewärts eingeführten Güter nur etwa 
der dritte Teil. 
Diese Erscheinung erklärt sich daraus, daß ein Teil der Güter 
von den die Kais benutzenden Schiffen nach der Wasserseite hin an 
Leichter, Schuten u. dgl. Güterfahrzeuge abgegeben wird; es 
sind das in allererster Linie solche Güter, die die hohen Kai- 
gebühren nicht vertragen, und zwar treffen annähernd dieselben 
Verhältnisse für die Privatkais zu, da für sie dieselben Bedingungen 
gegeben sind, wie für die Staatskais. Die Privatkais bezahlen 
eine ziemlich hohe Pacht * 2 ) und sind dadurch gezwungen, ihren 
Raum an Land bestmöglichst auszunutzen. Würden die Kais nun 
für die Güter, die sonst im allgemeinen für den Wasserumschlag 
in Frage kommen, bei den Privatunternehmungen in Anspruch 
genommen, so würde der Umschlag dieser geringwertigen Güter 
durch den auf sie entfallenden Pachtanteil verteuert werden. 
Außerdem wäre aber vom Kai aus noch ein weiterer Umschlag 
wieder in Flußfahrzeuge oder in Eisenbahnwaggons nötig. Die 
dadurch auf das doppelte erhöhten Unkosten vertragen die im all 
gemeinen auf dem Wasserwege weiter transportierten Massengüter 
nicht. Es ist also festzuhalten, daß nur etwa ein Drittel der ge 
samten seewärts angekommenen Gütermenge die Lösch- und Lade 
vorrichtungen der Kais in Anspruch nimmt. 
Alle übrigen Güter werden »im Strom« gelöscht, wobei 
unter den Begriff »im Strom« löschen auch das Löschen von 
Gütern aus Kaischiffen nach der Wasserseite hin verstanden ist. 
Der eigentliche Strombetrieb vollzog sich und vollzieht sich noch 
jetzt an den Dückdalbenreihen. Diese Dückdalben, die je nach 
ihrer Bestimmung aus vier- bis achtzehnpfähligen Gruppen be 
*) Laut Bericht der Kaiverwaltung in dem Jahresbericht der Deputation für 
Handel, Schiffahrt und Gewerbe für Hamburg 1911. 
2 ) cf. Seite 43 ff. der Abhandlung.
	        
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